Stadt Zürich sorgt für Ärger in der Open-Data-Community

3. Dezember 2014, 16:10
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Die Stadt Zürich entwickelt die App "Sauberes Zürich", obwohl Open Data Zürich schon seit über zwei Jahren eine entsprechende App zur Verfügung stellt. Nun suchen die Verantwortlichen das Gespräch.

Die Stadt Zürich entwickelt die App "Sauberes Zürich", obwohl Open Data Zürich schon seit über zwei Jahren eine entsprechende App zur Verfügung stellt. Nun suchen die Verantwortlichen das Gespräch.
Seit Mitte 2012 stellt die Opendata-Website im genau gleichem Sektor entwickeln lassen und soeben lanciert.
Dass das Open-Data-Team der Stadt zu keiner Zeit von ERZ auch nur kontaktiert wurde, ist bei den Verantwortlichen sehr schlecht angekommen. Marco Sieber, Projektleiter Open Data Zürich, spricht gegenüber inside-it.ch von einem nicht nachvollziehbaren ERZ-Entscheid, der ein sehr schlechtes Signal an die Community gesendet habe.
Die Empörung ist aber auch beim Verein Opendata.ch gross, dessen Präsident André Golliez in einem offenen Brief "von einer schwer verständlichen Geringschätzung des zivilgesellschaftlichen Engagements" spricht. Golliez kritisiert darin, dass "ERZ für die Eigenentwicklung nicht einmal den Versuch unternommen" habe, den "Sourcecode der bereits vorhandene Open-Data–App zu nutzen und damit IT-Kosten zu sparen". Damit adressiert der Brief auch die heikle Frage nach dem verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern für IT-Projekte in der Stadt Zürich.
Wie geht es jetzt weiter?
Die Stadt habe unmittelbar nach der Veröffentlichung des Briefes von Golliez reagiert, bestätigen nun alle Beteiligten gegenüber inside-it.ch. TED-Sprecher Mike Sgier sagte, man habe im Rahmen eines umfassenderen IT-Projektes auch die neue App entwickelt, die neben der bestehenden Android-App allerdings auch Windows- und iOS-Endgeräte unterstütze. Aber es sei dennoch ganz klar ein Fehler gewesen, für das Projekt Open Data Zürich nicht zu kontaktieren. Das "Versäumnis" habe Filippo Leutenegger bereits in einem Telefonat mit Golliez eingestanden, so Sgier weiter. Inzwischen sei der Verein zudem per Brief zu einem Gespräch eingeladen worden, um den eingetreten Schaden zu diskutieren und womöglich zu begrenzen. Wie das genau aussehen kann, ist aber noch offen. Golliez und Sieber vom Open-Data-Zürich-Team haben bereits ihre Bereitschaft zu dem Treffen mit Leutenegger signalisiert.
Zu inside-it.ch sagte Golliez, dass Leutenegger klar gemacht habe, dass er keineswegs daran interessiert sei, das zivilgesellschaftliche Engagement der Open-Data-Community irgendwie zu beschädigen. Darum solle es nun vorab darum gehen, welche Lehren aus dem Fall zu ziehen sind. Ob in Sachen App technisch eine Kooperation möglich ist, sei derzeit noch offen. Insbesondere erhoffen sich die Open-Data-Spezialisten, dass über den Stadtrat endlich einmal das Engagement von Open Data Zürich und das seit 2012 bestehende OGD-Portal bei allen Stellen der Stadtverwaltung ankommt. (Volker Richert)

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