Stadt Zürich sparte letztes Jahr Millionen bei der IT

16. März 2021, 13:09
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2020 fielen die Informatik-Ausgaben mehrere Millionen tiefer aus als budgetiert. Der Zürcher IT-Chef Andreas Neméth erklärt, warum.

Die Stadt Zürich hat ihre Rechnung 2020 präsentiert, die einen Ertragsüberschuss von 54,6 Millionen Franken zeigt.
Mit dazu beigetragen hat die städtische IT-Abteilung Organisation und Informatik (OIZ), welche weniger ausgab als budgetiert. "Die Budgetunterschreitung bei den verrechneten Dienstleistungen von 10,9 Millionen Franken ist hauptsächlich mit tieferen bezogenen IT-Leistungen bei der OIZ zu erklären, weil sich Projekte verzögerten oder geringere Kosten als erwartet ergaben", heisst es dazu im Bericht.
Weniger Beratungsleistungen, niedrigere Druckkosten bei der Verwaltung und günstigere Microsoft-Lizenzen bei der Schul-Informatik senkten unter anderem die Ausgaben, wie dem Bericht zu entnehmen ist.
Im Corona Jahr eins wurden Projekte wie der Ausbau eines Online-Marktplatzes verschoben. Aber auch der Ausbau von SAP SuccessFactors. Andreas Németh, Direktor OIZ, erklärt auf Anfrage, man gehe in der Stadt bei der Einführung modulweise vor. Das habe auch personalrechtliche Implikationen und 2020 habe der nötige politische Prozess länger gedauert, darum sei die Einführung des nächsten Moduls verschoben worden.
Verschoben, aber ebenfalls nicht aufgehoben, hat sich der Bau einer Container-Plattform bei der IT der Stadt Zürich. Allerdings aus anderen Gründen, erklärt Németh. Zum einen habe sich bei der Ausschreibung coronabedingt die Evaluation verlängert, zum anderen musste das OIZ wegen der Technologie zusätzliche Abklärungen machen; dies beispielsweise bezogen auf geeignete Workloads und Fragen rund um Legacy-Lösungen. "Aber jetzt haben wir angefangen, der Kickoff hat stattgefunden", sagt Németh.
Zudem wurden Zusatzaufgaben erledigt, die sich aus dem Homeoffice-Betrieb ergaben und das OIZ setzte für den laufenden Betrieb teilweise die Prioritäten anders als geplant.
Da die Projekte nicht aufgeben wurden, fallen die 2020 eingesparten Kosten also nur zeitlich verzögert an.
Insgesamt scheint in der Stadt Zürich die Digitalisierung parteiübergreifend unumstritten. "Der Stadtrat und das Parlament haben die Gewichtung der Digitalisierung erkannt und die dazu nötigen Mittel gesprochen", freut sich Neméth.
Gerade im Coronajahr habe es gut funktioniert, dass man unterschiedliche Dienstleistungen digital anbieten konnte. "Es wäre ein falsches Signal gewesen, jetzt sparen", sagt der Zürcher IT-Chef.
Ganz anders sieht dies die Stadt Bern. Nach einem Minus in der Stadtrechnung verabschiedete man ein "Entlastungspaket", das auch die IT betrifft. Für 2022, 2023 und 2024 sind in Bern Sparmassnahmen von jährlich rund 1,3 Millionen Franken vorgesehen.

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