Standardsoftware bleibt US-Domäne

24. Juni 2016, 12:00
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Weiterhin kann nur SAP mit den grossen US-Konzernen mithalten.

Weiterhin kann nur SAP mit den grossen US-Konzernen mithalten.
Das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) hat die neuste Liste der 100 grössten Softwarehersteller der Welt veröffentlicht. Das aktuelle Ranking basiert auf Umsatzzahlen aus dem Jahr 2014.
Die Top-100 Liste zeigt vor allem zwei Phänomene: Die globale Softwareindustrie wird umsatzmässig weiterhin von einigen wenigen Grossunternehmen dominiert, und die überwiegende Mehrheit davon hat ihr Hauptquartier in den USA. Der Umsatz der Softwareindustrie im Jahr 2014 wird von PwC auf 385 Milliarden Dollar geschätzt. 71 Prozent davon entfallen auf die Top-100, 45 Prozent auf die Top-10 und 38 Prozent auf die Top-5.
Laut PwC werden für die Liste Umsätze mit Softwarelizenzen und -Abonnements sowie Wartung und anderen softwarebezogenen Services eingerechnet. Auch Software- und Platform-as-a-service-Einnahmen sind inbegriffen. Neben eigentlichen Softwareanbietern werden auch Industriekonzerne, beispielsweise Siemens, berücksichtigt, wenn sie Software als alleinstehende Produkte verkaufen.
USA, USA und sonst wenig
73 der von PwC aufgelisteten Top-100 sind US-Unternehmen. Mit 210 Milliarden Dollar machen sie 77 Prozent des Gesamtumsatzes der PwC-Top-100. Die Dominanz der US-Unternehmen ist in den letzten Jahren zudem nicht kleiner geworden, im Gegenteil.Der Gesamtumsatz der hundert grössten Softwareanbieter wuchs zwischen 2012 und 2014 um 10 Prozent, der Umsatz der vertretenen US-Unternehmen um 11,2 Prozent.
19 der Top-100 stammen aus Europa. Je fünf kommen aus Grossbritannien (Sage, Hexagon, GE Healthcare, Misys, Micro Focus) und Deutschland (SAP, Siemens, Datev, Software AG, Wincor Nixdorf), je zwei aus Holland (Unit4, Wolters Kluwer) und Frankreich (Dassault Systemes, Schneider Electric) und je eines aus der Slovakei (Eset), Russland (Kaspersky Lab), Norwegen (Visma), Israel (Nice Systems) und Belgien (SWIFT). 2014 machten sie zusammen 37,7 Milliarden Dollar Umsatz. Ziemlich genau die Hälfte davon (18,8 Milliarden Dollar) wurde von SAP beigetragen. Das Umsatzwachstum der europäischen Top-100-Vertreter im Vergleich zu 2012 betrug 7,8 Prozent.
Komplettiert wird die Liste durch vier japanische, zwei kanadische, ein chinesisches und ein brasilianisches Unternehmen.
Lücken der PwC-Liste
Die Liste weist allerdings Lücken auf, welche das Bild wohl leicht zugunsten der USA und von Grossunternehmen verzerren. Firmen, die hauptsächlich Individualsoftware entwickeln und Softwareservices anbieten, wurden nicht berücksichtigt. So fehlen beispielsweise alle indische IT-Konzerne wie TCS, Infosys, HCL, Wipro oder Tech Mahindra. Die fünf grössten indischen indischen IT-Dienstleister machten 2014 zusammen rund 40 Milliarden Dollar Umsatz. Wieviel davon auf Softwareumsätze nach der Definition von PwC entfallen würde, ist uns aber nicht bekannt.
Gleichzeitig vermissen wir auch einige regionale Schwergewichte, die es unserer Ansicht nach eigentlich in die Top-100 hätten schaffen müssen. Aus der Schweiz zum Beispiel der Genfer Bankensoftwarehersteller Temenos. Mit einem Jahresumsatz von 469 Millionen Dollar im Jahr 2014 müsste Temenos ungefähr auf Rang 90 zu finden sein. (hjm)

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