Standortdatensammlung: Druck auf Apple und Co. wächst

27. April 2011, 10:10
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Die Affäre hat nun einen Namen: "Locationgate".

Die Affäre hat nun einen Namen: "Locationgate".
Nachdem letzte Woche die Tatsache, dass iPhones automatisch Daten über den Standort ihrer User aufzeichnen und speichern ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen ist, steigt nun der Druck auf Apple und die gesamte IT-Industrie. Die Affäre hat in den USA auch bereits einen Spitznamen erhalten: "Locationgate". Auf der politischen Seite hat das Kongresskommitee für Energie- und Handel eine Untersuchung zu den Praktiken bei der Speicherung von Ortsdaten eingeleitet. Ein vom demokratischen Senatot Al Franken geleitetes neues Subkommittee für Datenschutzfragen will am 10. Mai ein Hearing mit Vertretern von Apple und Google abhalten. Gleichzeitig verschickte das Kommitee Briefe an die CEOs von Apple, Google, Microsoft, Nokia, RIM und HP mit der Aufforderung, die Praktiken ihrer Unternehmen bei der Speicherung von Standortdaten detailliert offenzulegen.
In Florida haben zudem am Montagabend zwei Bürger eine Sammelklage gegen Apple eingereicht, mit der Hoffnung, dass sich noch viele andere iPhone-User der Klage anschliessen werden.
Locationgate
Die Affäre um die Datenspeicherung auf den iPhones hat schlagartig die Tatsache ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt, dass sehr viele Softwaretools und Geräte Standortdaten erheben und an die Hersteller, beispielsweise auch Google oder Microsoft, übermitteln. Betroffen sind sowohl Handys als auch Laptops und sogar Desktop-PCs, wenn man drahtlose Internetverbindungen benützt. Dass man das im Prinzip alles schon vorher hätte wissen und beanstanden können, vermag die Gemüter gegenwärtig nicht zu besänftigen.
Datenschützer in den USA hoffen nun vor allem, dass die Affäre die IT- und Telekommunikationsindustrie allgemein zu mehr Transparenz zwingt und zur Einführung von klaren Regeln für die Speicherung von Ortsdaten führt.
Apple: Warum überhaupt?
Die spezifische Kritik an Apple richtet sich vor allem auf die Art der Datenspeicherung auf den iPhones. User können die Speicherung der Standortdaten auf den IPhones anscheinend nicht unterbinden – lediglich die (zweimal tägliche!) Übermittlung an Apple. Der Standort wird völlig unabhängig von der Benützung irgendwelcher ortsbasierter Apps in regelmässigen Zeitabständen erhoben und auf dem iPhone gespeichert. Diese Datei ist darüber hinaus unverschlüsselt und damit für Drittpersonen sehr einfach auswertbar. Sie ist auf den iPhones selbst auffindbar und kann bei der Synchronisation auch auf PCs wandern.
Warum Apple dies alles so eingerichtet hat, ist weitgehend unklar. Für aktuelle ortsbasierte Services scheint die regelmässige Standortspeicherung ziemlich unnütz, zumal die Bewegungsdatei gar nie an andere Serviceanbieter übermittelt wird. Datenspeicherung auf Vorrat? Ein vergessenes Projekt? Noch hat sich Apple dazu nicht geäussert. (Hans Jörg Maron)
(Update: Kurz nach Veröffentlichung dieses Artikels hat Apple doch nach eine Erklärung für die Existenz dieses Files geliefert.)

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