"Startups haben's gut bei uns, aber ..."

29. März 2017, 14:50
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Die Schweiz zählt zu den Ländern mit den besten Rahmenbedingungen für unternehmerische Aktivitäten, schreibt der Bundesrat.

Die Schweiz zählt zu den Ländern mit den besten Rahmenbedingungen für unternehmerische Aktivitäten, schreibt der Bundesrat. Mit der Annahme eines Postulats hat sich der Bundesrat bereit erklärt, die Situation von rasch wachsenden Jungunternehmen in der Schweiz vertieft zu analysieren. Die Ergebnisse wurden in einem gut hundert Seiten langen Bericht publiziert.
Als positiv für potentielle Gründer sieht der Bundesrat die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hierzulande, die zu den besten der Welt gehören würden. Eine Studie zeige für die Schweiz überragende Ergebnisse in den Bereichen Finanzen, wirtschaftliche Infrastruktur, tertiäre Ausbildung, Wissens- und Technologietransfer sowie in der Stabilität des inländischen Marktes. Auch seien die Bereiche Forschung und Entwicklung stark und würden zu zahlreichen kommerziellen Möglichkeiten führen.
Es gebe hierzulande weniger Gründungen aus Notwendigkeit (necessity-driven) als im internationalen Vergleich. Unternehmen würden hierzulande nicht gegründet, weil es keine besseren Alternativen gibt. Daraus resultiere – zumindest teilweise – die vergleichsweise tiefe Gründerquote in der Schweiz. Gleichzeitig aber werde die Gründung eines neuen Unternehmens in der Schweiz auch weniger als gute Karrieremöglichkeit wahrgenommen als in anderen innovationsbasierten Volkswirtschaften.
Die Zahl der Neugründungen in der Schweiz blieb gemäss einer SECO-Studie zwischen 2007 und 2013 über alle Sektoren stabil und die Überlebenswahrscheinlichkeit der neu gegründeten Unternehmen ist hoch: Von den 2007 gegründeten Unternehmen sind fünf Jahre später 60 Prozent noch aktiv. Der internationale Schnitt beträgt 40 bis 50 Prozent.
Steuererleichterung denkbar
In den meisten OECD-Ländern werden im Gegensatz zur Schweiz keine Steuern auf Eigenkapital erhoben. Der Bundesrat zieht verschiedene Massnahmen in Erwägung, Jungunternehmen steuerlich zu entlasten. Eine Prüfung für die Anpassung von Kapital- und Vermögensteuern etwa hat er in den Auftrag gegeben.
Auch erkennt der Bundesrat an, dass die Bewertung des Vermögens bei Startups zu hohen steuerlichen Belastungen und finanziellen Engpässen führen kann.
Finanzielle Förderung bleibt verbesserungswürdig
Der Bundesrat hält weiter fest, dass die Finanzierung eine Herausforderung bleibt, obwohl das finanzielle Umfeld überdurchschnittlich gut ist. Als positiv nennt der Bundesrat die vielfältigen privaten und kantonalen Finanzierungs- und Trainingsangebote.
Eine bessere Verfügbarkeit von Risikokapital würde die Startup-Szene aber weiter fördern. Beim prozentualen Anteil der Risikokapitalinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) belegt die Schweiz mit 0,044 Prozent im europäischen Vergleich den zweiten Rang hinter Finnland im Jahr 2015, liegt aber deutlich hinter den weltweit führenden Ländern wie Israel (0,383 Prozent) oder den USA (0,284 Prozent). Es liesse sich aber feststellen, dass die Schweiz zu den Ländern mit einem aktiven Venture-Capital-Markt gehört.
Unternehmertum soll früher gefördert werden
Die Primar- und Sekundarbildung würde sich hierzulande nicht genügend mit Leadership, Kreativität, Innovation, Selbständigkeit und Eigeninitiative befassen, so der Bericht weiter.
Man solle sich fragen, ob hierzulande zu spät mit unternehmerischen Projekten gestartet werde und ob diese schon in der obligatorischen Schulzeit gefördert und vermittelt werden sollten. Auch eine Förderung des Unternehmertums durch eine Kultur der Risikobereitschaft könnte sich positiv auf das Startup-Ökosystem auswirken.
Viele wachstumsstarke Unternehmen
Laut dem Bericht befindet sich die Schweiz bezüglich dem Anteil wachstumsstarker Unternehmen bei den führenden Ländern. Die These, dass die Schweiz über wenig wachstumsstarke Unternehmen verfüge, lasse sich nicht bestätigen. Im Gegenteil, die Schweiz ist laut Bericht ein Standort, der im internationalen Quervergleich stark von rasch wachsenden jungen und bestehenden Unternehmen geprägt sei. So kommen auf 100'000 Einwohner in der Schweiz bis zu sieben stark wachsende Startups, wahrend es in Israel knapp sechs und in den USA nur 0,5 sind. (Katharina Jochum)

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