Steht dem Schweizer ECM-Markt eine Konsolidierung bevor?

5. März 2019, 14:47
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Wie sieht die Zukunft des Enter­prise Content Manage­ments aus? Was bedeutet der Auf­marsch von AWS und Co.? Eine unab­hängige Studie bietet Antworten.

Wie sieht die Zukunft des Marktes für Enterprise Content Management aus? Was bedeutet der Aufmarsch von AWS und Co.? Eine unabhängige Studie bietet Antworten.
Der Schweizer Marktforscher MSM Research hatte nach Zürich geladen, um eine Studie über die Entwicklung im hiesigen Markt für Enterprise Content Management (ECM) und Document Management Solutions (DMS) zu präsentieren. Es sei ein Markt mit viel Potenzial, sagte MSM-Chef Philipp A. Ziegler gleich zu Beginn der Veranstaltung, fast die Hälfte der Firmen betrachte die Technologie als Topthema.
Im letzten Jahr sind laut der Studie 495 Millionen Franken in den Markt geflossen, was einem Wachstum von fast fünf Prozent zum letzten Jahr gleichkommt. Für 2019 rechnet Ziegler nach ersten Einschätzungen mit einem leicht schwächeren Wachstum von 4,1 Prozent und einem Marktvolumen von 515 Millionen Franken. Dies korrespondiert mit einer leichten Korrektur des gesamten B2B ICT-Marktes: Ziegler musste seine Prognose für das Gesamtvolumen um rund 100 Millionen auf 18,7 Milliarden Franken nach unten korrigieren.
Darum beschaffen sich Firmen ein ECM-System, oder nicht
MSM Research hat diesen Winter in einer qualitativen Umfrage zu ECM und DMS 79 Unternehmen befragt, die zusammen rund 600 Millionen Franken ICT-Budget auf die Waage bringen. Knapp 70 Prozent dieser Firmen setzten bereits Komplett- oder Teil-Lösungen aus dem Bereich ECM und DMS ein, weitere 17 Prozent planen dies in den nächsten zwei Jahren zu tun. Noch steht aber jedes siebte Unternehmen abseits und plant in naher Zukunft keine Beschaffung, wie der Marktforscher aus Schaffhausen schreibt.
Ziegler lauschten in Zürich auch neun Anbieter, die die Studie unterstützt hatten. Die grössten Treiber für die Anschaffung ihrer Lösungen waren für sie von besonderem Interesse: Es sind dies der schnellere Zugriff auf Informationen, Compliance und die Steigerung der Produktivität. Auch einen besseren Kundenservice haben sich die potenziellen Kunden-Firmen auf die Fahnen geschrieben.
Compliance und schneller Zugriff sind die Zukunftshoffnung des Marktes: Denn das Managen grosser Datenmengen und die Erfüllung von gesetzlichen Anforderungen wurden von den befragten ECM-Kunden als die grössten Herausforderungen der nächsten Jahre genannt. Dies führe dazu, dass der ECM- und DMS-Markt weiter überdurchschnittlich wachsen dürfte, prognostiziert MSM Research.
Bruno Wildhaber, Partner beim Datenmanagement-Berater KRM, präzisierte, dass das Löschen der korrekten Daten in den ungeheuren Datenseen die Königsdisziplin darstelle. Rund ein Viertel der Studienteilnehmer nannte den schnellen Zugriff als Priorität. Künstliche Intelligenz und Analytics werden deshalb beim Datenmanagement immer wichtiger.
Dem stehen einige Hemmnisse für die Einführung von ECM und DMS entgegen: Die Komplexität der Lösungen und Befürchtungen bezüglich der internen Umsatzbarkeit wurden prominent genannt. Auch der Aufwand für die Implementierung und die damit verbundenen Kosten, schrecken offenbar ab.
Man muss Cloud-Angebote offerieren
Doch wieso sollten sich Kunden für einen bestimmten ECM-Anbieter entscheiden? Die Topkriterien für die Kunden sind Erfahrung und Referenzen, gefolgt von Kosten und der Expertise. Zudem möchten Kunden alles aus einer Hand. Und wenig erstaunlich: Die Cloud wird immer wichtiger.
Praktisch alle anwesenden Vendors bestätigten, dass man heute fast immer eine Cloud-Option mitofferieren müsse. Max Berger von D.Velop erklärte, dass heute alles Cloud-ready sein müsse, die Umsetzung als Cloud-Lösung dann aber noch eher selten sei.
Dies schlägt sich auch in der Untersuchung von MSM Research nieder: Noch betreiben über die Hälfte der Firmen ihre ECM- und DMS-Lösungen im eigenen Haus, aber die hybriden und die Cloud-Ansätze werden beliebter. Genaue Zahlen nannte er nicht, aber das Cloud-Geschäft habe sich seit der letzten Studie von 2015 mehr als verdoppelt, erklärte Marktforscher Ziegler auf Nachfrage.
Noch sei sein Umsatz in der Cloud bescheiden, erklärte Kendox-CEO Manfred Terzer exemplarisch: "Aber er hat sich letztes Jahr verdoppelt und er verdoppelt sich dieses Jahr wieder".
Die Hyperscaler und die Konsolidierung des Marktes
Die Hälfte der geschätzten 515 Millionen Franken Budget dürfte laut Studie für Professional Services fliessen, inklusive Security und Datenschutz. Dies seien Prioritäten erster Güte, betonte Ziegler.
Weitere 40 Prozent werden für ECM- und DMS-Lösungen ausgegeben, was Lizenzen sowie on-Premise- und Cloud-Angebote umfasst. Die übrigen zehn Prozent werden in Hardware investiert. Doch wer bekommt das Geld?
Bekanntlich haben die grossen Drei, AWS, Azure und Google, eigene RZ in der Schweiz angekündigt. Und die Giganten haben auch ECM-Angebote im Köcher.
Was heisst das für den Markt? Offenherzig gibt sich Helmar Steinmann, der Niederlassungsleiter Schweiz von Elo Digital Office: "Es wird eine Konsolidierung geben, in fünf Jahren sieht der Markt anders aus".
Wohin es aber genau geht, ist laut KRM-Geschäftsführer Wildhaber noch offen: Zwar gebe es Studien aus den USA, die einen klaren Trend Richtung Azure prognostizierten, aber Microsoft müsste für bestimmte Länder erst noch Lösungen bauen. Er sei skeptisch, ob die Hyperscaler ihre Muskeln wirklich so stark spielen lassen könnten, wie viele befürchten, sagte der Jurist und Berater.
Die Individualisierung von Standardlösungen spiele eine grosse Rolle, unterstützte ihn Daniel Izsak, Schweiz-Chef von Hyland. Auch die Datenschutzbestimmungen seinen ein Trumpf für die europäischen Anbieter. Man schien sich einigermassen einig: Die Hyperscaler kämen ins Land, aber sie müssten sich mit den hiesigen Gepflogenheiten erst noch arrangieren, unterstrich auch Elo-Chef Steinmann. (ts)

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