Stellenabbau: "Sonderbarer Kniff" des Bundesamts für Informatik

9. Juni 2010, 09:43
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Auslagerung der Logen statt Abbau der Informatikleistungen.

Auslagerung der Logen statt Abbau der Informatikleistungen.
Die vom Parlament verfügte Kürzung der Lohnsumme aller Departemente um rund ein Prozent treibt immer seltsamere Blüten. Wie jetzt die 'Berner Zeitung' berichtet, hat das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) einen "sonderbaren Kniff" gefunden, um die gewünschten Vorgaben zu erfüllen. Die Stellen des BIT zur Eingangskontrolle von zwei der verschiedenen Gebäude des Amtes werden abgebaut. Stattdessen soll diese Aufgaben künftig eine externe Firma übernehmen.
Schon bisher beschäftigt das BIT rund 1150 interne und rund 350 externe Mitarbeitende. Erst auf Anfang dieses Jahres traten 34 Mitarbeiter neu ein, wobei sie zum Teil neu geschaffene Stellen besetzten. Im Februar ist dann die Vorgabe gekommen, den Stellenbestand um ein Prozent zu senken – Grundlage war der Stellenbestand des Vorjahres. Effektiv müssen also aufgrund dieses Entscheids bis Ende Jahr insgesamt fast vier Prozent der Mitarbeitenden einen neuen Job finden. Denn das BIT muss auch diejenigen Stellen streichen, die gerade erst neu geschaffen und besetzt wurden. Somit entfallen bis Ende 2010 rund 45 der etwa 1200 Stellen beim BIT.
Hinter diesem Durcheinander steht der genannte Parlamentsentscheid zur Kürzung der Lohnsumme um durchschnittlich ein Prozent. Der Gesamtbundesrat überliess es den Departementschefs, das Ziel zu erreichen. Deshalb war man beim BIT zunächst davon ausgegangen, als so genanntes Flag-Amt (Führung mit Leistungsauftrag und Globalbudget) die Einsparungen nicht über Stellenstreichungen, sondern über das Gesamtbudget zu realisieren. Bis im Februar die neue Lage klar wurde. Die Kosten mussten per Stellenabbau umgesetzt werden.
Wie wenig das bringt, zeigt sich, wenn man die Ausschreibung für die Besetzung der Eingangskontrollen liest. Es handelt sich konkret um die Gebäude an der Monbijoustrasse und der Güterstrasse. Gemäss Punkt 5.6.1.7 des "Pflichtenheftes für das Projekt (Loge BIT) Sicherheits- und Empfangsdienste", das inside-it.ch vorliegt, wird der Auftrag nur vergeben, wenn die jetzigen Mitarbeitenden übernommen werden und ihnen jeweils "mindestens der bisherige Nettolohn" gezahlt wird. Dass das ohne zusätzliche Kosten nicht möglich ist, liegt auf der Hand. Denn welche Firma kann es sich leisten, Aufträge zu übernehmen, die keinen Gewinn abwerfen. Den wird der Bund also zusätzlich zu den Personalkosten zu bezahlen haben.
Natürlich kennt man die absurde Situation auch beim BIT. Dort handelt man allerdings nicht freiwillig. Das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) hatte dem BIT in einer umstrittenen Weisung ohne gleichzeitige Budgetkürzung befohlen, 45 interne Stellen abzubauen. Das BIT musste sich dem Befehl fügen: "Wir kamen zum Schluss, dass wir unter anderem mit der Auslagerung der Logen die Vorgaben des Departements, internes Personal abzubauen, am besten erfüllen können, ohne dass Informatikleistungen leiden", sagt BIT-Sprecher Claudio Frigerio der 'Berner Zeitung'. (vri)

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