Steve Ballmer - der Verwalter geht

23. August 2013, 15:27
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Mit dem Rücktritt von Steve Ballmer als CEO von Microsoft endet eine Ära. Er hat entscheidende Trends verschlafen und belächelt. Microsoft braucht jetzt frisches Blut.

Mit dem Rücktritt von Steve Ballmer als CEO von Microsoft endet eine Ära. Er hat entscheidende Trends verschlafen und belächelt. Microsoft braucht jetzt frisches Blut.
Spätestens in einem Jahr nimmt Microsoft-CEO Steve Ballmer den Hut. Eine der umstrittensten Figuren im globalen IT-Geschäft verlässt die Bühne. Jene Bühne, die er über Jahrzehnte als einer der Hauptdarsteller prägte. Als Ballmer 1980 bei Microsoft als Manager einstieg, existierte der Personal Computer noch nicht. Heute ist dieser PC dem Tod geweiht. Ballmers Karriere begann mit dem PC und endet mit dem PC auf dem Sterbebett.
In Erinnerung bleiben Ballmers legendäre Auftritte, wie etwa das ekstatische Rumhüpfen zum Start einer Präsentation vor vielen Jahren wenn er verärgert ist.
Kein Visionär
In der IT-Geschichte einen festen Platz hat auch jenes Video, das zeigt, wie er die Lancierung des iPhones vor sechs Jahren belächelte und Microsoft leckt noch heute die Wunden. Bis zum heutigen Tag hat es der Software-Konzern, der mit PC-Software gross geworden ist, nicht wirklich geschafft, sich im immer wichtiger werdenden Tablet- und Smartphone-Markt zu etablieren.
Dass Microsoft diesen fundamentalen Wechsel in der PC-Branche nicht vorausgesehen hat, kann man nicht Ballmer in die Schuhe schieben - allen anderen ausser Apple ging es genau so. Doch Ballmer hat zu spät reagiert, ist anfänglich auf falsche Allianzen eingegangen und hat letztlich viel zu spät den richtigen Weg eingeschlagen.
Was kommt als nächstes?
Mittlerweile weht bereits wieder ein anderer Wind. Es ist die Rede vom "Peak Smartphone" - der Markt ist langsam gesättigt. Tragbare Computertechnologien - Uhren, Brillen, Turnschuhe - stehen im Fokus. Die heutigen Bedienkonzepte könnten schon bald der Vergangenheit angehören. Das Internet der Dinge, Augmented Reality - und dann? Niemand weiss, was die nächste Computer-Ära tatsächlich bringen wird. Oder anders gesagt: Visionäre ahnen es vielleicht. Steve Ballmer war als CEO von Microsoft kein Visionär, sondern ein guter Verwalter. In einer Branche, die von Umbrüchen geprägt ist, reicht das nicht, um das Schiff sicher in den nächsten Hafen zu steuern.
Microsoft braucht jetzt frisches Blut. Einen Chef oder eine Chefin, der oder die Mut zeigt und weiter denkt als bloss zehn Jahre. Einer, der sich bewusst ist, dass Windows nicht noch einmal drei Jahrzehnte lang das dominierende Betriebssystem bleiben wird, dass die Kinder von heute die Entscheider von morgen sind. Und diese Kinder wachsen heute - im Gegensatz zu den Kindern der Achtzigerjahre - nicht mehr nur mit Microsoft-Technologie auf.
Der neue CEO muss weiter denken, Grenzen überschreiten, Ballast abwerfen. Die neue Chefin muss eine Visionärin sein. (Maurizio Minetti)

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