Stolpersteine der ERP-Einführung

3. November 2005, 15:43
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Stammdaten-Migration und -Erhaltung macht Bauchweh

Stammdaten-Migration und -Erhaltung macht Bauchweh
Jährlich führt das Zürcher Beratungsbüro i2s (intelligent systems solutions) ein breit angelegte Web-Umfrage zur Zufriedenheit der Anwender mit "ihren" ERP-Systemen durch. Die Resultate werden in einer umfrangreichen "ERP-Zufriedenheitsstudie" veröffentlicht. Diese liegt nun vor.
2005 beurteilten über 1000 Anwender ingesamt 1'131 mal die bei ihnen eingesetzten ERP-Systeme. Die Resultate sind spannend. Sie geben einerseits Software-Anbietern und -Integratoren einen Einblick in Schwachstellen, die von ihren Anwendern in einer anonymen Umfrage angegeben werden, die Studie zeigt aber auch - jenseits von Anbieter-Marketing - auf, wo die Anwender heute bei der Einführung einer Business-Software der Schuh drückt.
Von "Schwämmen" und "Dateninseln"
Offensichtlich machen macht die Migration vorhandener (strukturierter und unstrukturierter) Daten auf ein neues System den Anwendern heute am meisten Probleme. Über die Hälfte der Umfrageteilnehmer sagte, bei der Aufbereitung der erforderlichen Daten bestehe noch Handlungsbedarf. Das Problem der Stammdaten-Migration hat damit das Thema der zu knappen Zeitplänen bei der ERP-Einführung von Platz 1 in der ERP-Anwender Sorgenliste verdrängt.
Die Autoren der Studie, Eric Scherer und Beat Ottiger, schreiben dazu im Management Summary der Studie: "Die Datenberge in den Unternehmen haben in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Zahlreiche "offizielle" Applikationen, aber auch wahre "Schwämme" von Excel-Sheets und Access-Programmen erhalten mehr und mehr geschäftskritische Daten. Die Migration dieser Daten ist allein von der Menge aber auch von ihrer Qualität her - wie beurteilt man die Datenqualität eines grossen Excel-Sheets? - ein Problem."
An zweiter Stelle in der Sorgenliste ("Wo sehen Sie Handlungsbedarf?") stehen zu knappe Zeitpläne, an dritter Stelle "zu viele Systemanpassungen", dann "fehlende Ressourcen im Projektteam". Kostenüberschreitungen kommen schon an fünfter Stelle. Auch dieser Punkt ist ein "Aufsteiger" verglichen zu den Resultaten im vorigen Jahr.
Die Spekulation, dass die offensichtlich zunehmenden Kostenüberschreitungen in ERP-Projekten mit dem sehr harten Markt in den letzten zwei Jahren zu tun hat, liegt nahe. In einem sehr umkämpften Umfeld werden Anbieter eher dazu verleitet, die Aufwände potentiell zu tief einzuschätzen.
Excel: Business Software Nr. 1
Trotz der immer grösseren Verbreitung von Werkzeugen für die Auswertung von Daten und für das "Spielen" mit "Wenn-Dann"-Szenarien, wird Excel immer noch sehr häufig als Zusatzinstrument zum vorhandenen ERP-System eingesetzt. Nur ein gutes Drittel der Umfrage-Teilnehmer (37 %) setzen Excel "nie" oder "selten" als Zusatzinstrument ein. Ebenfalls ein gutes Drittel (36 %) benützt Excel hingegen "oft" oder "sehr oft". Die Autoren der Studie schreiben dazu: ~~"Excel kann als das universale "Alternativ-System" betrachtet werden, mit dem jeder Anwender einfach und ausserhalb von strategischen Vorgaben funktionale oder auch qualifikatorische Defizite einer ERP-Installationen ausgelichen kann."
Einmaliger Überblick über den Markt
Die Studie weist noch gewisse, begründbare Defizite auf. So kommen die Oracle-Systeme (ehemals J.D. Edwards, Peoplesoft und Oracle) mangels Bewertungen nicht vor, es fehlt SAP BusinessOne und auch zu den Sage-Produkten (Sesam et. al.) gibt es erstaunlich wenige Bewertungen. Trotzdem bietet sie einen einmaligen Überblick über den Markt. Zudem ist sie das einzige Instrument, das wir kennen, in dem die "weichen" Faktoren (Beratung, Implenentierungspartner, Ergonomie, Schulung) der Qualität von ERP-Einführungen ausführlich analysiert werden.
Sie kann für 350 Franken als PDF-File bestellt und heruntergeladen werden. (Christoph Hugenschmidt)

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