Strafvollzug: Per Algorithmus zum psychologischen Gutachter

19. Juli 2018, 15:04
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In einem Vorstoss aus dem St.

In einem Vorstoss aus dem St. Galler Kantonsrat wird die Rolle von Algorithmen bei der Risikobeurteilung von Straftätern kritisiert. Das verwendete Tool sei eine Blackbox. Für die Regierung gibt es hingegen keinen Grund, an der Tauglichkeit zu zweifeln.
In den Deutschschweizer Gefängnissen hat sich in den letzten Jahren ein System mit der Bezeichnung Risikoorientierter Strafvollzug (ROS) durchgesetzt. St. Gallen gehörte zu den Pionierkantonen. Ziel ist es, das Rückfallrisiko gefährlicher Täter möglichst zu minimieren.
Eine Scharnierrolle kommt dabei dem Fall-Screening-Tool (FaSt) zu. Im Kanton St. Gallen wird es auch in Fällen eingesetzt, bei denen eher tiefe Freiheitsstrafen von drei bis sechs Monaten vollzogen werden.
Wie wirksam ist das Tool? Auf welcher wissenschaftlichen Basis beruht es?
Basis für das Tool ist der Strafregisterauszug. Aufgrund der Angaben darin teilt die Software Personen nach ihrer Gefährlichkeit in drei Kategorien ein: In A-, B- oder C-Fälle. Für die Gewichtung der Daten sind Algorithmen verantwortlich. Die Einstufung entscheidet letztlich darüber, welche Massnahmen verfügt werden. So müssen sich die C-Fälle einer psychologischen Risikoabklärung unterziehen.
Hier setzt die Kritik von SP-Kantonsrätin Monika Simmler an. Die Nutzung von Algorithmen bei Entscheiden über gravierende Eingriffe in die Grundrechte "gilt als äusserst heikel", schreibt sie in ihrem Vorstoss. Bisher sei aber nicht transparent, wie der Algorithmus von FaST funktioniere und auf welchen wissenschaftlichen Erkenntnissen er beruhe. Es gebe auch Unsicherheiten bei der Wirksamkeit.
Vorgang der Beurteilung ist nicht im Detail nicht bekannt
In der Antwort auf den Vorstoss erklärt die St. Galler Regierung, man wisse, welche Angaben das Fall-Screening-Tool nutze: Etwa bisherige Verurteilungen, eingeteilt nach Deliktskategorien. Einbezogen werde unter anderem auch das Alter bei den ersten Taten oder die deliktspezifische Rückfallrate.
"Wie die einzelnen Variablen gewichtet werden, war bisher im Detail nicht bekannt", räumt die Regierung ein. Eine erweiterte wissenschaftliche Überprüfung bestätige aber die Eignung als Screening-Instrument. Es gebe deshalb keine Veranlassung "an der Tauglichkeit von FaSt als Triage-Instrument zu zweifeln". (sda/ts)

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