Strahlenschutz: 5G nur für Dörfer und Älpler

27. Juni 2018, 13:36
  • telco
  • 5g
  • sunrise
  • huawei
  • glasfaser
image

Sunrise zeigt erste "lebende" 5G-Installation in der Schweiz. Alternative zu Glasfasern als Business-Case Nummer 1.

Sunrise zeigt erste "lebende" 5G-Installation in der Schweiz. Alternative zu Glasfasern als Business-Case Nummer 1.
Sunrise zeigte heute an einer sehr gut besuchten Medienveranstaltung in Zürich Oerlikon die erste "lebende" Installation einer 5G-Antenne in der Schweiz und den (vielleicht) weltweit ersten 5G-Empfänger. Die Leistungsfähigkeit der fünften Mobilfunkgeneration ist in der Tat eindrücklich. Mit 5G lassen sich UHD-IP-Fernsehsignale ruckelfrei übertragen, wie Sunrise heute zeigte. Als Empfänger diente ein vom Hersteller Huawei CPE (Customer-premises Equipment) genanntes, Gerätchen in der Grösse eines WLAN Routers. Angeschlossen waren zwei grosse TV-Geräte, empfangen wurde Sunrise TV und Netflix in UHD-Qualität.
Huawei hat das CPE diesen Februar am Mobile World Congress in Barcelona erstmals gezeigt. Es sei Sunrise direkt ab Fabrik geliefert worden und vielleicht das erste weltweit, das man in Aktion sehe, so Sunrise-Chef Olaf Swantee heute Morgen.
Hauptthema heute Morgen war aber die Strahlenschutzverordnung, NISV (Verordnung über Schutz vor nichtionisierender Strahlung). Swantee sagte einmal mehr, dass Sunrise niemals ein flächendeckendes 5G-Netz bauen werde, wenn die technischen Vorschriften in Zusammenhang mit NISV nicht gelockert würden.
Business Case Nummer 1: 5G als Glasfaserersatz
Während Swisscom im März eine industrielle Anwendung von 5G mit dem Insulinpumpenhersteller Ypsomed zeigte, glaubt Sunrise nicht daran, dass die 5G-Technologie zuerst für Anwendungen im Zusammenhang mit dem Internet der Dinge eingesetzt werde. Grund: Viele IoT-Anwendungen liessen sich auch mit einem 4G-Netz realisieren, sagte Swantee.
Sunrise wolle zuerst "5G for People" lancieren. Und zwar will der Swisscom-Konkurrent 5G-Mobilfunk dort anbieten, wo es keine flächendeckenden Glasfasernetze bis in die Haushalte und Firmen gebe. Zusätzlich will Sunrise 5G-Infrastrukturen dort einsetzen, wo die Kapazität der 4G-Netze erschöpft ist.
Im B2B-Markt will Sunrise Internet-über-Mobilfunk ebenfalls als Alternative zu Glasfasern anbieten. Zudem könne man Fimenkunden temporäre mobile Breitbandabdeckung, zum Beispiel auf Baustellen anbieten. Später, unter der Bedingungen, dass das leidige Strahlenschutzproblem gelöst wird, sind dedizierte Netzwerke (Network Slicing) etwa für Blaulichtorganisationen ein interessanter Markt. Bund und Kantone wollen bekanntlich viele hundert Millionen Franken in für Polycom und sichere Datennetze ersparen. Die Einsparungen mit Network Slicing und IP-Netzen gegenüber proprietären Funktechnologien wären signifikant.
Wegen NISV: 5G nur für Bauern
Die zur Zeit sehr strengen Schweizer Strahlenschutzvorschriften für Mobilfunktantennen würden es verhindern, dass Sunrise 5G-Infrastrukturen in Städten und dicht besiedelten Gebieten aufstellen könne, sagte Swantee heute Morgen. Deshalb lege Sunrise den Fokus auf "suburbane und rurale Gebiete", so Swantee.
Die Veränderungen der technischen Vorschriften bezüglich NISV sei dringend und diene keineswegs nur den Telekomanbietern, sondern der ganzen Gesellschaft. 5G, sprich mehr Bandbreite, sei in Zeiten der Digitalisierung wichtig, damit die Schweiz Schritt halten könne.
Konkret forderte der Sunrise-Chef dass die Strahlenbelastung anders gemessen wird. Man müsse die mittlere Sendeleistung über 24 Stunden erfassen und nicht die theoretische Höchstleistung einer Antenne. Und es soll erlaubt sein, eine bestehende Antenne ohne neue Bewilligung von 4G auf 5G umzurüsten.
Verspechen und Realität: Soooo schnell ist 5G erst mal nicht
Spricht man von 5G, dann ist meistens von zehnfach grösseren Bandbreiten als mit 4G möglich ist, die Rede. Doch so weit ist man noch lange nicht. Die Installation in Oerlikon bringt es mit einer 3,5 GHz Frequenz auf eine Übertragungsrate von einem Gbit/s. Später werde wohl eine Bandbreite von 1,6 Gbit/s zu erreichen sein, sagte Sunrise CTO Elmar Grasser. Setzt man eine Frequenz von 700 MHz ein, die eine viel grössere Abdeckung erlaubt, werden es 150 bis 200 Mbit/s sein. Allerdings werden 5G-Mobilfunknetze eine viel tiefere Latenz haben, was für Streaming-Anwendungen wichtig ist.
Sunrise will die 5G-Infrastruktur ab 2020 in der Schweiz aufbauen. Swantee knüpfte die wiederholte Ankündigung an zwei Forderungen an die Politik. Die Versteigerung der Frequenzen dürfe einen Anbieter (Swisscom) nicht bevorteilen und die Strahlenschutzvorschriften müssten entschärft werden. (hc)

Loading

Mehr zum Thema

image

Privatkunden bleiben wichtigstes Segment bei Salt

Salt ist in den ersten 9 Monaten weiter gewachsen und hat auch den Betriebsgewinn gesteigert. Bei den Firmenkunden sieht der Telco Potenzial.

publiziert am 25.11.2022
image

Swisscom bricht Verhandlungen ab: Müssen 160 Spitäler bald wieder per Papier abrechnen?

Heute können Spitäler elektronisch mit Versicherern und Kantonen abrechnen. Aber wie lange noch? Swisscom Health hat die Verhandlungen mit dem Dienstleister Medidata einseitig abgebrochen.

publiziert am 17.11.2022 2
image

Linux-Foundation Europe lanciert ambitiöses Telco-Software-Projekt

Im Projekt Sylva soll ein kompletter Open-Source-Stack für europäische Telcos entstehen. Dahinter stehen gewichtige Branchenplayer.

publiziert am 16.11.2022
image

Telekom-Störungen sollen schneller erfasst werden

Der Bundesrat will die Sicherheit von Fernmeldenetzen verbessern. Telcos müssen bei Störungen die Nationale Alarmzentrale informieren, Internet-Anbieter besser vor Manipulationen schützen.

publiziert am 16.11.2022 1