Strassenverkehrsamts-Software: Kanton Zürich im Dilemma?

13. Dezember 2007, 10:27
image

Die Einführung der Strassenverkehrsamts-Software Cari im Kanton Zürich wäre laut dem Cari-Chef "eine vernünftige Lösung". Doch Zürich will bei Viacar bleiben.

Die Einführung der Strassenverkehrsamts-Software Cari im Kanton Zürich wäre laut dem Cari-Chef 'eine vernünftige Lösung'. Doch Zürich will bei Viacar bleiben.
Die Diskussionen um die Strassenverkehrsamts-Software Viacar gehen weiter. Wie bekannt ist, soll die Software, die von den Kantonen Aargau, Schaffhausen, Zug, Zürich, Luzern und Waadt eingesetzt wird, erneuert werden. Im Kanton Aargau (der die Software ursprünglich entwickelt hat) ist ein Streit um den Kredit in der Höhe von 7,8 Millionen Franken entbrannt, weil ohne Bewilligung des Parlaments bereits ein Millionenbetrag in die Weiterentwicklung investiert wurde.
Obwohl sich alle Beteiligten einig sind, dass technologisch an Viacar nichts auszusetzen ist, kursiert nun die Befürchtung, dass der Kanton Zürich das Konkurrenzprodukt Cari einsetzen könnte. Cari ist eine Lösung von Networkers Interactive. Die Mehrheit an dem Westschweizer Unternehmen hält seit Anfang dieses Jahres der IT-Dienstleister Abraxas, der je zur Hälfte den Kantonen Zürich und St. Gallen gehört. Der Kanton Aargau hat für die Erneuerung von Viacar Rückstellung von 4,76 Millionen gebildet. Die Partnerkantone müssten demnach noch Investitionsbeiträge von 3 Millionen Franken leisten.
Zürich bleibt bei Viacar
Offensichtlich gibt es nun auch Zeitdruck. Wie die 'Aargauer Zeitung' heute berichtet, laufen beim Kanton Aargau die Lizenzen der Unisys-Grossrechner aus, der "Service wird ab 2011 nicht mehr garantiert", heisst es etwas kryptisch. Gleichzeitig setzen immer mehr Kantone Cari ein. Heute sind es Wallis, Thurgau, Baselland, Graubünden und die beiden Appenzell. Teillösungen haben Tessin, Fribourg und Glarus. Gemäss 'Aargauer Zeitung' ist für 2008 eine gestaffelte Einführung in den Kantonen Genf, St. Gallen, Glarus, Ob- und Nidwalden und Uri vorgesehen.
Im Aargau befürchtet man nun, dass Zürich abspringen könnte und auch die anderen vier Partnerkantone von Networkers Interactive beziehungsweise Abraxas umworben werden könnten. Networkers-CEO Antoine Eddé sagte: "Aus Steuerzahlersicht scheint uns die Einführung von Cari im Kanton Zürich eine vernünftige Lösung zu sein." Doch Rolf Grüninger vom Zürcher Strassenverkehrsamt entgegnet: "Die Regierung hat mir den Auftrag gegeben, eine Standardlösung zu suchen, zu Viacar gibt es für einen grossen Kanton wie Zürich keine Konkurrenz." Bei 800'000 Fahrzeugen sei die Komplexität der Informatik kaum hoch genug einzuschätzen. Viacar sei für das Zürcher Strassenverkehrsamt "die Seele und das Herz zugleich, erst noch zu günstigen Konditionen", so Grüninger in der 'Aargauer Zeitung'. (Maurizio Minetti)

Loading

Mehr zum Thema

image

Zürcher Datenschützerin zum Cloudeinsatz: "Der Regierungsratsbeschluss ändert gar nichts"

Bei Dominika Blonski häufen sich seit dem Frühling Anfragen von Behörden zur Cloudnutzung. Im Gespräch sagt die Datenschützerin: "Ich weiss nicht, was die Absicht der Zürcher Regierung war."

publiziert am 30.9.2022 7
image

Datenschützer äussern harsche Kritik an Cloud-Entscheiden von Behörden

Die Konferenz der schweizerischen Datenschutzbeauftragten (Privatim) fordert: Kein Freipass für Microsoft 365.

publiziert am 30.9.2022
image

ALV braucht IT-Know-how für bis zu 55 Millionen Franken

In 8 Arbeitsgebieten sucht das Seco Digitalisierungs-Knowhow für die RAVs und die Arbeitslosenversicherung.

publiziert am 30.9.2022
image

Palantir übernimmt 230-Millionen-Auftrag, um US-Drohnen effizienter zu machen

Der opake Datenanalyse-Konzern des rechtslibertären Milliardärs Peter Thiel gibt auch in Europa wieder zu Reden. CEO Alex Karp inszeniert sich als kritischer Geist.

publiziert am 30.9.2022