Strategisches Wiehern

25. Januar 2008, 17:50
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.
Neinnein - Sie haben sich nicht verlesen. Es geht hier um Wiehern - und zwar dasjenige des Amtsschimmels, das diese Woche laut und lauter in unsere empfindlichen Redaktorenöhrchen drang.
Zuerst wieherte es aus dem Kanton Zürich. Bis heute dachten wir immer, es gebe bei jeglichen Informatik-Entscheiden, die ja meistens mit hohen Kosten verbunden sind, eine logische Vorgehensweise. Man erarbeitet erstens eine Strategie (Was wollen wir erreichen?), evaluiert zweitens die Mittel, mit denen man die Strategie umsetzen will ("Wollen wir ein SAP posten oder geht es doch mit Excel?") und kümmert sich danach um das Sourcing ("Wollen wir Excel im Media Markt kaufen oder IBM Global Services mit der Einführung betrauen?"). Doch der Kanton Zürich lehrte mich eines besseren.
Da fällte man letzten Mai eine Art Sourcing-Entscheid. Man beschloss nämlich, das Rechenzentrum der kantonalen Tochter Abraxas mit demjenigen der Berner Bedag
Raschelraschel
Ganz anders hingegen Bundesbern. Da will man dem Amtsschimmel Beine machen und in der ganzen Bundesverwaltung Geschäftsprozesse ausschliesslich elektronisch durchführen. Das Bundesarchiv will sogar ab 2012 überhaupt kein Papier mehr ablegen, sondern die Aktenberge nur noch digital speichern und zugänglich machen. Ausgewiehert!
Doch halt: Digitale Geschäftsverwaltungen macht man in Behörden mittels GEVER (elektronische Geschäftsverwaltung). Über GEVER hört man so einiges. Die Projekte seien extrem teuer, umständlich, die gebauten Lösungen bei den Mitarbeitenden nicht beliebt und ausserdem seien in der Schweiz inkompatible Insellösungen entstanden. Beim Bund zum Beispiel, gebe es zwei verschiedene Fraktionen, die zwar beide mit der österreichischen Lösung Fabasoft arbeiten, die aber untereinander inkompatible Umgebungen gebaut haben. Dann gibt es noch das BIT, das ganz neue Wege geht und mittels Microsoft Share-Point und Office eine Art GEVER-light aufbaut, während das Informatik-Strategieorgan (dies ist nun reine Spekulation) sehr wahrscheinlich am liebsten etwas mit Open-Source und Plone hätte.
So wird der Bund denn durchängige elektronische Prozesse aufbauen und jahrelang hunderte von Consultants ernähren, die ihm dabei helfen. Um das Ganze nicht zu einfach zu machen, werden die einzelne Departemente und Bundesämter sich auch noch zwischen verschiedenen Plattformen entscheiden dürfen.
Noch sind wir aber nicht so weit. Als wir gestern nämlich ins BIT anriefen um herauszufinden, wieviele PC-Arbeitsplätze es beim Bund überhaupt gibt, bat uns der nette und kompetente Auskunftsgeber um ein paar Sekunden Zeit für die Recherche. Danach langes und vernehmliches Rascheln, wie es entsteht, wenn jemand Papierberge durchwühlt. Und Zack! - hatten wir unsere Antwort. Eine Beraterfirma in Bern sollte man haben! (Christoph Hugenschmidt)

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