Street-View-Streit: Google bewegt sich nicht

15. Oktober 2009 um 12:48
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Im Streit um die Datenschutzbedenken des eidgenössischen Datenschützers zu Street View zeigt sich Google wenig beeindruckt

Im Streit um die Datenschutzbedenken des eidgenössischen Datenschützers zu Street View zeigt sich Google wenig beeindruckt
Wie der Internetkonzern Google heute in einer Mitteilung schreibt, habe man dem Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten Hanspeter Thür (EDÖB) gestern die Schritte erläutert, mit denen man seine Bedenken betreffend Street View ausräumen wolle. Allerdings scheint Google nicht von dem Standpunkt abrücken zu wollen, den man schon Mitte September vertreten hat.
Erstmals äussert sich Google zur Höhe der Kamera. Während der EDÖB sich daran stört, dass wegen der Kameraposition auch Bilder aus Gärten und Privatgrundstücken aufgenommen werden, die für Passanten nicht einsehbar sind, ist eine Senkung der Kamerahöhe für Google kein Thema. Ein tieferer Kameramast würde gemäss Google nämlich bedeuten, dass sich das Aufnahmegerät näher auf Kopfhöhe befinde. Dies wolle man aber vermeiden, weil es "bei Street View um Gebäude und Strassen geht und nicht um Gesichter". Man habe die Höhe der Kamera so festgelegt, dass optische Hindernisse vermieden würden, so Google weiter. Man anerkenne zwar, dass es Personen gäbe, die ihr Haus nicht in Street View sehen wollen, diese hätten mittels dem Link "Ein Problem melden" ein probates Mittel, um das Bild entfernen zu lassen.
Ansonsten formuliert Google die bereits früher genannten Massnahmen einfach nochmals neu. So will man die Verwischung von Autokennzeichen verbessern. Das Problem bei der Unkenntlichmachung der Schweizer Schilder liege an deren Grösse, erklärt Google. Sie seien somit schwieriger zu identifizieren. Die Ingenieure würden sich deshalb darauf konzentrieren, "die Technologie besser zu trainieren", um mit "diesen einzigartigen Eigenschaften umzugehen". Bei der Verwischung von Gesichtern wiederum habe man bereits ein hohes Niveau erreicht. Die neueste Version der Software zur Erkennung und Verwischung von Gesichtern sei nämlich noch einmal etwas besser. Auch informiere man die Menschen nun detaillierter, in welchen Gemeinden die Kamerafahrzeuge gerade ihre Runden drehen.
Es gäbe, so Google, "bestimmte, besonders sensible Bereiche in einer Stadt, wo es Menschen peinlich sein könnte, wenn sie dort fotografiert würden". Dieses Thema wolle man in Zukunft ebenfalls berücksichtigen. Allerdings nennt das Unternehmen keine Details, wie man dies umsetzen will.
Wie der EDÖB auf seiner Webseite schreibt, habe man die Stellungnahme von Google erhalten und will diese nun auswerten. In den nächsten Wochen will er über allfällige weitere Schritte informieren. (Tom Brühwiler)

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