Streik kostet, Solidarität rettet CeBIT-Besucherzahlen

12. März 2012, 11:32
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Trotz Warnstreiks, die am 8. März den Nahverkehr in Hannover lahmlegten, hat die CeBIT 2012 nur unwesentlich Besucherzahlen verloren. Die Resonanz der meisten Aussteller war durchaus positiv.

Trotz Warnstreiks, die am 8. März den Nahverkehr in Hannover lahmlegten, hat die CeBIT 2012 nur unwesentlich Besucherzahlen verloren. Die Resonanz der meisten Aussteller war durchaus positiv.
Sehr zufrieden über den Verlauf der am Samstag zu Ende gegangenen CeBIT 2012 äusserte sich Ernst Raue, davon unbeirrt, dass die Glanzzeiten der weltgrössten Computershow mit ihm als ihr langjähriger "Macher" im Vorstand der Deutschen Messe AG längst vorbei sind. "Hannover war wieder Welthauptstadt der digitalen Wirtschaft", triumphierte er ein letztes Mal, denn nach 32 Jahren bei der Messe AG und 12 Jahren im Vorstand gibt er sein Amt ab. Dabei sprach er diesmal aber auch von der "CeBIT der Entschlossenheit", da Vertrauen und Sicherheit zur Chefsache geworden seien. IT-Security war denn unter dem Slogan "Managing Trust" neben Cloud Computing und dem Trend zu mobilen Zugangsgeräten auch eines der zentralen Themen der CeBIT 2012, und letzteres braucht nun mal auch das von ihm sooft zitierte Vertrauen. "Bei der Eröffnungsveranstaltung, den CeBIT Global Conferences und den mehr als 1'500 Seminaren und Workshops sowie auf den Ständen war 'Managing Trust' das zentrale Thema", so Raue.
An die CeBIT trampen
Das Thema Vertrauen und Sicherheit in der digitalen Welt habe auch viele der mehr als 130 wirtschaftspolitischen Delegationen aus dem In- und Ausland beschäftigt, so auch die EU-Kommissare Neelie Kroes und Viviane Reding. Dass die Besucherzahlen je nach Angaben mit 300'000 (Messemitteilung am Samstag) oder 312'000 ('Welt Online') inklusive rund 50'000 internationalen Besuchern aus 110 Ländern leicht unter denen des Vorjahres zurückgeblieben waren, sei im Wesentlichen auf die Warnstreiks zurückzuführen gewesen, die am Donnerstag den öffentlichen Nahverkehr in Hannover lahm gelegt hatten.
Als eine besondere Form des Vertrauens lobte Raue die "Aktion Roter Punkt", die bewirkte, dass trotz des Streiks mehr als 10'000 Besucher und Aussteller doch noch das Messegelände erreicht hätten. Ursprünglich in den späten 1960er Jahren als Sponti- und Protestaktion gegen Fahrpreiserhöhungen erfunden, hat Raue am 5. März, dem Vortag der CeBIT-Eröffnung, selbst eine "Rote-Punkt-Aktion" angeregt, um Fahrzeugbesitzer zu ermutigen, mittels eines roten Punktes auf der Konsole zu signalisieren, dass sie bereit sind, Leute mitzunehmen. Das europaweit fast ausgestorbene Trampen hat somit eine Art Revival erfahren.
Euphorische Aussteller und ein "Skandal"
Hatte die Messeleitung vorher noch von mehr als 4'200 Ausstellern gesprochen, waren es laut Raue am Samstag nur gerade mal über 4'000. Die von ihnen gelobte "hohe Kontaktdichte" und gut besuchten Stände zeigten, dass die CeBIT immer noch "die unangefochtene Nummer eins bei der effizienten Geschäftsanbahnung sei", so der scheidende Messevorstand. Dieter Kempf, Präsident des ITK-Branchenverbandes Bitkom, sagte, dass die Aussteller sich teilweise sogar "euphorisch" über die Verlauf der Messe geäussert hätten. Ihm zufolge sei die Stimmung in der Branche weiterhin hervorragend, acht von zehn Unternehmen rechneten mit einem Umsatzplus.
Als Skandal sah 'Deutschlandradio', dass der Systemadministrator Lars Reineke, wie er in seinem Blog unter dem Titel "Nie wieder CeBIT" schrieb, am Familientag abgewiesen wurde, weil er seine zehn Monate alte Tochter dabei hatte. Begründung: Kinder dürften erst ab acht Jahren auf die Messe. Was das Eintrittsalter angeht, gibt es sicherlich Diskussionsbedarf, aber Fachbesucher, die von Termin zu Termin eilen, dürfte es auch freuen, wenn sie nicht über Kinderwagen stolpern müssen. Wenn es nach vielen von ihnen ginge, würden gleich alle "Beutelratten" (Branchenjargon für Luftballons und Werbetüten schwingende Privatbesucher) draussen bleiben. Aber dann würde die CeBIT ohne packendes eigenes Profil in der Bedeutungslosigkeit versinken. Ein Gegenbeispiel ist die Integrated Systems Europe (ISE) in Amsterdam. Die Profi-AV-Messe mit Digital Signage als Schwerpunktthema lässt nur Fachbesucher zu, ist aber eine der wenigen Branchenshows, die noch wirklich wächst. (kh)

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