Streik oder "nur" Streit bei Foxconn?

8. Oktober 2012, 12:40
  • international
image

Der Produktionsdruck für das neue iPhone 5 ist so gross, dass laut Gerüchten Tausende von Arbeitern beim Apple-Partner Foxconn am Freitag in den Streik getreten sein sollen. Foxconn spielt den Vorfall als Streit zwischen zwei Teams herunter.

Der Produktionsdruck für das neue iPhone 5 ist so gross, dass laut Gerüchten Tausende von Arbeitern beim Apple-Partner Foxconn am Freitag in den Streik getreten sein sollen. Foxconn spielt den Vorfall als Streit zwischen zwei Teams herunter.
Das neue iPhone 5 ist des Einen Freud, des Anderen Leid. Leiden tun offenbar nicht nur die Mitbewerber, sondern auch die Arbeiter bei den Apple-Produktionspartnern, allen voran bei Foxconn (Fushikang) in Zhengzhou, wo unter hohem Zeit- und Präzisionsdruck viele der begehrten, aber nicht in ausreichender Zahl lieferbaren Smartphones assembliert werden. Immer wieder gibt es neue Vorwürfe gegen Foxconn und den taiwanischen Mutterkonzern Hon Hai Precision Industry (Hong Hai Jingmi), dass sie die Beschäftigten in den Fabriken zu Überstunden zwingen, die - teils sogar unbezahlt - weit über die gesetzliche Maximalrbeitszeit von 60 Stunden in der Woche hinausgehen sollen.
Dass dann in der auf den chinesischen Nationalfeiertag am 1. Oktober folgenden "Goldenen Woche“ auch noch Urlaubssperre verhängt wurde, hat der in New York ansässigen Arbeitsrechtsgruppe China Labor Watch zufolge das Fass zum Überlaufen gebracht und dazu geführt, dass in Zhengzhou in der nordchinesischen Provinz Henan 3'000 bis 4'000 Arbeiterinnen und Arbeiter in den Streik getreten sind. Dadurch soll die Produktion des neuen Apple-Smartphones vorübergehend lahmgelegt sein worden.
Foxconn und Hon Hai haben den Bericht am Samstag allerdings sofort dementiert. Ein Foxconn-Sprecher hat der Nachrichtenagentur ‚Bloomberg‘ gegenüber geäussert, dass es sich bei dem Vorfall lediglich um einen Streit zwischen einem Produktionsteam und der Qualitätskontrolle gehandelt habe. Dieser sei aber schon am Freitagnachmittag wieder beigelegt worden. 'German.China.org.cn' berichtet zwar von dem Dementi, aber gleichzeitig auch davon, dass der Streik am Freitag von 1 Uhr mittags bis zirka 23 Uhr angedauert haben soll.
Nach Meldungen über Kratzer am Aluminiumgehäuse des neuen iPhone 5 sind laut 'Financial Times Deutschland‘ die Qualitätsstandards erhöht und die Kontrollen verschärft worden. Dabei habe es aber an den nötigen Schulungen gefehlt, um die Beschäftigten auf die zusätzlichen Anforderungen mit Blick auf die mikrometergenaue Präzisionsarbeit vorzubereiten. Das soll letztendlich zu dem Streit zwischen der Kolonne und der Qualitätssicherung geführt haben, heisst es von China Labor Watch. Die Unternehmensführung habe nicht auf entsprechende Kritik reagiert und sich taub gestellt.
"Dieser Streik ist das Ergebnis der Tatsache, dass man auf diese Arbeitnehmer einfach zu viel Druck ausgeübt hat“, wird Li Qiang, geschäftsführender Direktor von China Labor Watch, von 'German.China.org.cn‘ zitiert. Dem Newsservice zufolge mussten nach den Handgreiflichkeiten zwischen dem Produktionsteam und der Qualitätskontrolle wie anderthalb Wochen zuvor in Taiyuan wieder Foxconn-Mitarbeiter ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die Werksleitung habe das ignoriert. Foxconn selbst hat in dem Streik-Dementi nur von "kleinen Streitigkeiten" am 1. und 2. Oktober gesprochen. Die Massenschlägerei in Taiyuan, Provinz Shanxi, hatte dazu geführt, dass am 24. September die Produktion komplett ausgesetzt wurde. (kh)

Loading

Mehr zum Thema

image

Der CTO von Microsoft Azure will künftig auf Rust setzen

Weil die Programmiersprache sicherer und zuverlässiger als C und C++ ist, soll sie in Zukunft vermehrt zum Einsatz kommen. Der C++-Erfinder hingegen sieht die Ablösung als "gewaltige Aufgabe".

publiziert am 28.9.2022
image

USA lockert Sanktionen für IT-Firmen im Iran

Weil die iranische Regierung den Zugang zum Internet eingeschränkt hat, versuchen sowohl Behörden als auch Private den Informationsfluss aufrecht zu halten.

publiziert am 26.9.2022
image

Deutsche Telekom wird T-Systems nicht los

Die Verhandlungen zum Verkauf der IT-Dienstleistungssparte sind laut einem Medienbericht gescheitert.

publiziert am 22.9.2022
image

RZ-Ausfälle kosten schnell mal mehr als 1 Million Dollar

Eine internationale Studie zeigt, dass die Betreiber auch im nachhaltigen Umgang mit Strom und Wasser noch Verbesserungs­potenzial aufweisen.

publiziert am 22.9.2022