Streit bei Swisscom-Lohnverhandlungen

2. Dezember 2010, 13:59
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Gewerkschaft gelangt erneut ans Schiedsgericht.

Gewerkschaft gelangt erneut ans Schiedsgericht.
Wie schon im Vorjahr sind sich der Telekom-Konzern Swisscom und die Gewerkschaft Kommunikation auch dieses Jahr nicht einig über die Anpassung der Löhne für das kommende Jahr. Die Lohnverhandlungen mit dem Ex-Monopolisten seien abgebrochen worden, heisst es in einer Mitteilung der Gewerkschaft. Von voraussichtlich zwei Milliarden Franken Jahresgewinn wolle Swisscom eine Milliarde an die Aktionäre ausschütten. Die moderate Forderung von 3 Prozent mehr Lohn für alle würde die Lohnkosten um 90 Millionen Franken erhöhen. "Doch Swisscom hält nichts von Gerechtigkeit und schüttet lieber hohe Dividenden aus, als ihren Angestellten moderate Lohnerhöhungen zu gewähren", ärgert sich die Gewerkschaft Kommunikation. Man habe deshalb die Lohnverhandlungen mit Swisscom abgebrochen, womit der Gang ans Schiedsgericht unausweichlich sei. Das Gremium wird am 10. Dezember einen Entscheid fällen.
Vor einem Jahr hatte die Gewerkschaft erstmals das Schiedsgericht angerufen.
Die Gewerkschaft bezieht sich bei der jetzigen Lohnforderung auf das Wachstum der Arbeitsproduktivität. Gemäss Giorgio Pardini, Vizepräsident der Gewerkschaft Kommunikation, ist sie um deutlich mehr als 3 Prozent gestiegen. Damit die Kaufkraft aller Angestellten erhalten bleibe und sich Produktion, Konsum und Steueraufkommen im Gleichschritt entwickeln, seien generelle Lohnerhöhungen unabdingbar, so die Gewerkschaft.
In einer Stellungnahme schreibt Swisscom, man bedaure den Abbruch der Verhandlungen, jedoch habe man ein "angemessenes Angebot" gemacht. Swisscom will die Lohnsumme für individuelle Anpassungen um 1,8 Prozent erhöhen und allen Mitarbeitenden zusätzlich eine Einmalzahlung von 1'200 Franken gewähren (bei einem Beschäftigungsgrad von 100%). Insgesamt bedeute dieses Angebot eine Erhöhung der Lohnsumme um 3 Prozent, wovon rund 1,2 Prozent auf die Einmalzahlung entfallen.
Man orientiere sich bei der Lohnpolitik am Markt, schreibt Swisscom. Für das nächste Jahr werden in der Schweiz im Durchschnitt aller Branchen Lohnerhöhungen von 1,6 bis 2 Prozent erwartet. "Die Forderung der Gewerkschaften ist mit 3 Prozent deutlich höher", so Swisscom. In den letzten zehn Jahren habe man die Löhne insgesamt um rund 25 Prozent erhöht. Dieser Wert liege um rund 15 Prozent höher als die Teuerung und rund 10 Prozent höher als die durchschnittlichen Nominallöhne in der Schweiz, so Swisscom. (mim)

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