Stromproduzenten propagieren das "Offene Glasfasernetz für die Schweiz"

7. April 2008, 15:32
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Neuer Ärger für Swisscom, Cablecom und Co? Sieben EWs sehen sich als zukünftige Netzbetreiber und gründen einen "Telco-Verband der Energieversorger". Die Vision: Für alle Anbieter offene, standardisierte Glasfasernetzwerke inklusive "letzte Meile" überall in der Schweiz.

Neuer Ärger für Swisscom, Cablecom und Co? Sieben EWs sehen sich als zukünftige Netzbetreiber und gründen einen "Telco-Verband der Energieversorger". Die Vision: Für alle Anbieter offene, standardisierte Glasfasernetzwerke inklusive "letzte Meile" überall in der Schweiz.
Sieben Schweizer Energieversorger haben den Verband "Openaxs" gegründet – dabei geht es allerdings nicht um Energieversorgung sondern um Telekommunikation. Die Aziende Municipalizzate Bellinzona (AMB), Elektra Baselland (ebl), das Elektrikzitätswerk des Kantons Thurgau (EKT AG), die Freiburger groupe e, die Industrielle Werke Basel (IWB) sowie die Stadtwerke St. Gallen (SGSW) und Winterthur verfolgen das erklärte Ziel, ihre Geschäftstätigkeit auf den Ausbau von offenen Breitband-Glasfasernetzen für die Telekommunikation auszudehnen. Die Gründungsmitglieder hoffen, dass schnell weitere Mitglieder dem Verband beitreten.
Schweizer Energieerzeuger bauen schon seit einiger Zeit eigene Telekommunikationsnetzwerke auf und betätigen sich, bisher vor allem im Geschäft mit Unternehmenskunden, auch als Konkurrenz der klassischen Telekommunikationsunternehmen auf dem Gebiet der Internetanschlüsse für Grossunternehmen.
Letzte Meile im Visier
Die Vorstellungen von "Openaxs" gehen allerdings deutlich weiter. Der Verband will den Aufbau von schnellen Glasfasernetzen fördern, die, nach dem Vorbild der Glasfaserpläne des EWZ in Zürich, KMU und weite Teile der Bevölkerung erreichen sollen. Glasfasern sind deutlich leistungsfähiger als Kupferkabel und dürften diese, das ist absehbar, im Verlauf der nächsten Jahre auch auf der "letzten Meile" hin zu den individuellen Anschlüssen vermehrt ablösen. Genau an diesem Punkt sehen die Energieversorger ihre Chance: Beim sowieso notwendigen Ausbau und der Erneuerung der Strom-Infrastrukturen glauben sie, Synergien nutzen und damit die Glasfasern billiger legen zu können, als andere Unternehmen.
Die notwendigen Investitionen sollen dabei nach der Vorstellung von Openaxs nicht von den EWs selbst, sondern vom "Staat" beziehungsweise den interessierten einzelnen Kommunen und Regionen bewilligt und getätigt werden. Ein Argument dafür wäre die Förderung der Attraktivität einer Region für Wirtschaft und Bevölkerung. In Zürich hat das schliesslich bereits geklappt.
Standards
Wie attraktiv die EW-betriebenen Glasfasernetze für Anbieter sein werden, hängt stark von der Zahl der Kunden ab, die sie darüber erreichen können. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Standardisierung, eines Hauptanliegen des Vereins Openaxs, wie Geschäftsführer Paolo Sebben (Foto) gegenüber inside-it.ch erklärte. Dabei geht es nicht nur um standardisierte Netzwerkdesigns sondern auch um einheitliche standardisierte Prozesse und Verträge für alle Netzwerke, welche der Verein ausarbeiten soll. "So könnten wir Anbietern schon von Anfang an einen guten 'Gesamtmarkt' anbieten." Wie schnell dieser wachsen könnte, wird, so Sebben, stark davon abhängen, ob und wie schnell sich weitere Mitglieder anschliessen und sich Kommunen für die Finanzierung von Breitbandnetzwerken à la Openaxs entschliessen.
Neue Provider?
Mit den offenen Glasfasernetzwerken, glaubt Sebben, könnten neben den bereits hier aktiven Telekommunikationsanbitern auch neue Anbieter in die Schweiz gelockt und auch ganz neue Services entwickelt werden, sowohl für Heimanschlüsse als auch für Unternehmenskunden. Bei den letzteren, so Sebben, bestehe speziell bei KMU noch viel Potential. Während die meisten Grossunternehmen mittlerweise bereits mit Glasfasern erschlossen seien, sei dies bei KMU noch selten der Fall. Diese müssten daher gegenwärtig auch noch vergleichsweise hohe Preise bezahlen.
Präsident des neuen Verbands Openaxs ist Eduard Schumacher, langjähriger Vorsitzender der Geschäftsleitung der IWB (Industrielle Werke Basel). Der Sitz des Verbands ist in Fribourg, das Verbandssekretariat befindet sich aber in Basel. (Hans Jörg Maron)
(Bild: Openaxs-Geschäftsführer Paolo Sebben)

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