Studie: Digitaler Graben zwischen Bürgern und Behörden

23. Februar 2005, 11:52
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Gemäss einer aktuellen Untersuchung arbeiten die Behörden an den E-Government-Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei.

Gemäss einer aktuellen Untersuchung arbeiten die Behörden an den E-Government-Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei.
Das E-Government Trendbarometer 2005, eine dieses Jahr zum zweiten mal gemeinsam von Unisys Schweiz und dem Kompetenzzentrums E-Government der Berner Fachhochschule durchgeführte Studie, zeigt, dass die Bekanntheit von vielen Behördenwebsites erstaunlich klein ist, und sich gegenüber dem letzten Jahr auch nicht stark gebessert hat. Der Bekanntheitsgrad des Guichet Virtuel, hat sich verglichen mit dem letzten Jahr sogar von 7 auf sechs Prozent verschlechtert. (www.ch.ch wurde ja auch unlängst in der Nachrichtensendung "10 vor 10" heftig kritisiert und verlor die Unterstützung der Kantone Zürich, Solothurn und Luzern). Gemeindewebsites schneiden in dieser Beziehung mit einem Bekanntheitsgrad von 51 Prozent (Vorjahr 47% ) allerdings schon besser ab. Die Webseiten des Bundes kennen 29% (Vorjahr 28%).
Auf dem Wunschzettel der User in Bezug auf künftige Online-Services der Behörden wären "An- und Abmeldungen beim Umzug" und "Wohnsitz bestätigen lassen" mit je 75 Prozent, gefolgt von "Fahrzeuge an- und abmelden" (73 Prozent), "Führerschein ändern lassen" (70 Prozent) und "Abstimmen und wählen" (67 Prozent). Die Möglichkeit "Steuererklärung ausfüllen" wird gegenüber dem Trendbarometer vom letzten Jahr deutlich öfter gewünscht (63 resp. 57 Prozent).
Gegenwärtig benutzen Schweizer die Behördensites gemäss dem Trendbarometer, der auf der Befragung von 1015 Personen beruht, vor allem dazu, um Informationen einzuholen (66 Prozent), Formulare herunterzuladen (40 Prozent) und die Steuererklärung auszufüllen (32 Prozent).
Alles in allem zieht Prof. Heide Brücher, Leiterin des Kompetenzzentrums E-Government anhand der Studie ein kritisches Fazit über die E-Governement-Arbeit der Behörden: "Die Schweizerinnen und Schweizer sind bereit, Behördengeschäfte übers Internet zu tätigen, wenn das Angebot vorhanden und stimmig ist. Allerdings hat sich das Angebot an E-Government-Anwendungen nicht den Erwartungen der Bevölkerung entsprechend entwickelt. Die Befragten, die bereits über Internet mit Behörden in Kontakt treten, sind nicht zufriedener geworden und nutzen die bestehenden Angebote nicht häufiger."
Weitere Resultate findet man hier. Im Moment ist die vollständige Studie noch nicht online, Interessierte können sie aber ab dem 11. März auf www.unisys.ch herunterladen. (Hans Jörg Maron)

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