Studie: Digitalisierung bisher schlecht für die Umwelt

14. April 2020, 12:24
  • innovation
  • studie
  • regulierung
  • it-branche
image

Die Berner Fachhochschule hat die Chancen und Risiken der Digitalisierung untersucht. Ein Fazit: Es sollte umgehend gehandelt werden.

Die Digitalisierung lasse effizienter arbeiten, beschleunige die Wirtschaft und helfe dabei, Energie zu sparen. Dies hält die Berner Fachhochschule (BFH) in einer Studie fest. Zugleich führe die digitale Veränderung aber auch dazu, dass mehr Rohstoffe verbraucht würden und zunehmend Elektroschrott anfalle. Das Fazit der Wissenschaftler lautet: Bisher hat die Digitalisierung einen negativen Effekt auf die Umwelt.
Der Trend könne nur umgekehrt werde, wenn in mehreren Bereichen umgehend gehandelt würde, schreibt die BFH in einer Mitteilung. Die Hochschule untersuchte im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU), welche Chancen und Risiken die Digitalisierung mit sich bringt. 
Es müssten nun insbesondere die Kreislaufwirtschaft und Suffizienz – also der sparsame Rohstoff- und Energieverbrauch – gefördert werden. Zudem sollte durch die Angabe von Kosten und Material für Konsumenten transparent gemacht werden, wie Produkte hergestellt worden seien, hält die BFH fest.

Die Bevölkerung ist vornehmlich optimistisch

Im Rahmen der Studie wurden auch 800 Personen befragt. Diese schätzen die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Umwelt grundsätzlich optimistischer ein. Besonders die mögliche Dezentralisierung der Energieproduktion und die effizientere Energienutzung wurden genannt. Zudem sahen viele ein Potential bei der Einsparung von Materialien und dem effizienteren Umgang mit Schadstoffen.
Dies deckt sich nur teilweise mit den Befunden der Wissenschaftler. Diese schreiben, dass die positiven Effekte durch Rebound-Effekte weitgehend neutralisiert würden. Unter dem Strich habe die Digitalisierung einen negativen Effekt auf die Umwelt.
Doch auch sie sehen Potential. Die Wissenschaftler vermuten die grössten Chancen ebenfalls im Energiebereich und den Effizienzgewinnen. So könnten Materialien aber auch energieintensive Abläufe optimiert werden. Zudem könne die Digitalisierung direkt genutzt werden, um umweltpolitische Anliegen zu vermitteln, heisst es in der Studie.

Wenig wirtschaftliche Anreize für Umweltschutz

Negative Folgen erwarten die Teilnehmer der Umfrage vor allem im Zusammenhang mit der Herstellung und Entsorgung von digitalen Geräten. Dabei müsse man die internationale Dimension berücksichtigen, heisst es. Sie befürchten zudem, dass sich die Tendenz zur Konsum- und Wegwerfgesellschaft verstärken könnte.
Als grösstes Problem machten die Befragten die Bequemlichkeit der Konsumenten aus. Es gebe ausserdem zu wenig wirtschaftliche Anreize. Aber auch bei politischen und gesetzlichen Grundlagen sowie der internationalen Kooperation sahen viele schwere Mängel.
"Die grössten Umweltprobleme, wie Klimawandel und übermässige Ressourcennutzung, bleiben ungelöst, weil die handlungsbestimmenden Rahmenbedingungen ungenügend sind", lautet ein Fazit der Studie. Ohne flankierende Massnahmen habe die Digitalisierung "verheerende" Auswirkungen auf die Umwelt.
Die Wissenschaftler wollen nun Regierung, Unternehmen und Bevölkerung in die Pflicht nehmen. Der Bund sei in praktisch allen Handlungsfeldern als treibende Kraft gefragt; in verschiedenen Bereichen komme aber auch der Privatwirtschaft eine führende Rolle zu, fordern die Wissenschaftler.
Als Ziele werden in der Studie genannt: Förderung von Produkten mit besserer Ökobilanz, Förderung der Reparaturfreundlichkeit von Elektronikgräten, Anreize für die Erhöhung der Lebensdauer der Elektronik.
Die BFH hat für die Studie qualitiative Gespräche mit 18 Experten geführt und eine Online-Umfrage unter 801 Personen durchgeführt. Zudem haben die Wissenschaftler die Forschungsliteratur zum Thema beigezogen.

Loading

Mehr zum Thema

image

Digitaler Euro könnte 2026 kommen

Kommendes Jahr will die Europäische Zentralbank (EZB) über den digitalen Euro entscheiden. Zu reden gibt die Partnerschaft mit Amazon.

publiziert am 29.9.2022
image

Ransomware-Banden kaufen Erstzugänge extern ein

Für nur gerade 10 Dollar können sich Cyberkriminelle auf Darkweb-Flohmärkten Zugänge zu Systemen kaufen. Damit können sie dann Schlimmes anrichten.

publiziert am 29.9.2022
image

Schweiz: Wettbewerbsfähigkeit top, E-Government flop

In der aktuellen IMD-Studie steigt die Schweiz in Sachen digitale Wettbewerbsfähigkeit in die Top 5 auf. Dahingegen schwächelt sie im Bereich E-Government.

publiziert am 29.9.2022
image

Blockchain-Startup generiert 5 Millionen mit Token-Verkauf

Chain4Travel will auf einem Blockchain-basierten Netzwerk den Handel von Reiseprodukten ermöglichen. Beim ersten Tokenverkauf hat das Startup 5 Millionen Franken generiert.

publiziert am 29.9.2022