Studie: IT-Budgets im DACH-Raum leiden kaum unter der Pandemie

22. Februar 2021, 09:30
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In der Krise wurden IT-Projekte gestoppt, die Budgets blieben aber auf ähnlichem Niveau. Prioritäten und Tech-Trends haben sich stark verschoben.

Die IT-Budgets in der Schweiz, Deutschland und Österreich haben in der Corona-Pandemie nur wenig gelitten. Lediglich knapp 15% der Firmen im DACH-Raum reduzieren ihre Ausgaben für Informatik. Dies geht aus einer Studie von Capgemini zu den Tech-Trends 2021 hervor. Fast die Hälfte der Befragten Entscheidungsträger plant gar, die IT-Ausgaben zu erhöhen.
Im Vorjahr waren dies allerdings noch über 63%, die Krise hat sich also nachteilig auf die IT-Budgets ausgewirkt. Wenn gekürzt wurde, dann fielen die Einsparungen auch höher aus als im Jahr zuvor. Die IT-Budgets wurden bei 27% der Firmen eingefroren, das sind 5 Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor. Insgesamt habe die Pandemie die Budgets aber "relativ wenig betroffen", zeigte sich Studienautor Sven Roth an der Präsentation der Zahlen erstaunt.
Warum gab es in der Krise sehr ähnliche Budgets? Die Capgemini-Experten berichten von einem Shift in den Ausgaben: Viele CIOs hätten schnell Technologien implementiert, mit denen sie das Tagesgeschäft in der Pandemie aufrechterhalten konnten. Firmen hätten die Pandemie zudem zum Anlass genommen, in die Digitalisierung zu investieren und ihre IT den Bedürfnissen der Endkunden anzupassen.
Letzteres erklärt sich grossteils aus den Kontaktbeschränkungen: "Es hat sich gezeigt, dass während der Pandemie vor allem solche Unternehmen ihren Umsatz halten oder sogar steigern konnten, deren Belegschaft im Homeoffice arbeitet, Services kontaktlos erbringt oder online verkaufen kann", so die Studienautoren. Über die Hälfte der Firmen plant dieses Jahr ein Projekt zur Digitalisierung des Bestellvorgangs, 45% bauen automatisierte Service-Angebote auf und ein Drittel digitalisiert den Bezahlvorgang.
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Haben Sie für die kommenden 12 Monate Projekte geplant, die die Schnittstelle zum Kunden betreffen? Grafik: Capgemini
Von einem Viertel der Befragten wurden IT-Vorhaben gestoppt, knapp die Hälfte davon will dieses Jahr aber weiterfahren. 42% verschoben den Start von Projekten, wobei drei Viertel diese 2021 wieder aufnehmen wollen. Über 18% haben IT-Projekte vorgezogen. Von diesen wird aber fast ein Drittel gestoppt, bevor sie beendet werden.

Ein Viertel der IT-Budgets fliesst in die Innovation

In Schnitt fliesst fast die Hälfte der IT-Ausgaben in den Erhalt der Systeme. "Für die Modernisierungen geben CIOs etwa 27% und für die Entwicklung und Umsetzung von Innovationen rund 26% des IT-Budgets aus", schreiben die Studienautoren. Dieses Verhältnis habe sich über die letzten drei Jahre kaum verändert.
Datensicherheit, bessere Nutzung und Auswertung von Daten, kürzere Release-Zyklen und der Aufbau von Partnernetzwerken werden wichtiger. Hingegen verlieren Flexibilität und Effizienz an Bedeutung, wobei der Effizienzgewinn immer noch an zweiter Stelle der wichtigsten Absichten steht.
Diese Prioritäten widerspiegelt sich auch in den am häufigsten genannten Tech-Trends: Safety und Security, Predictive Analytics, Schutz vor Bedrohungen durch IoT-fähige Geräte, Devops sowie Robotic Process Automation (RPA) ohne KI-Unterstützung.
All diese Technologien werden von mindestens jedem zehnten CIO eingesetzt, wie der Studie zu entnehmen ist. Devops gelte eigentlich bereits kaum mehr als Trend, da es so etabliert sei, erklärte Co-Autor Roth. Viele IT-Verantwortliche müssten nun aber beginnen, sich mit IoT-Security zu befassen.
An Popularität eingebüsst haben hingegen Chatbots und Sprachsteuerung, virtuelle Assistenten, Virtual- und Augmented-Reality-Anwendungen, Blockchain-Technologien und Mobile Wallets.
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Interaktion: In welchem Stadium befinden sich Projekte zu diesen Themen? Grafik: Capgemini
Sprachsteuerung löste bei vielen Befragten Bedenken aus, weil die Technologie von Amazon, Apple und Google dominiert wird und Firmen die Kontrolle über einen Teil der Kundenbeziehung abgeben müssten. AR- und VR-Anwendungen kämen zwar bei einzelnen Firmen für spezifische Anwendungsfälle zum Einsatz, aber es fehle noch an geschäftskritischen Szenarien, so die Studienautoren. Zudem bremse ein fehlender Standard die Entwicklung aus.
Die Studie "IT-Trends 2021" basiert auf der Befragung von 144 Entscheidungsträgern aus Deutschland (102), Österreich (36) und der Schweiz (6). Da hinter der Automobilbranche die Verwaltung, das produzierende Gewerbe, die Finanzwelt, die IT-Dienstleister und die Versicherungen folgen, lassen sich die Resultate aber vermutlich auf die Schweiz anwenden. Die Befragung wurde zwischen dem 7. September und dem 18. Oktober 2020 durchgeführt.

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