Schweizer Arbeitende leiden immer mehr unter Stress

3. September 2020, 14:43
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Eine Schweizer Studie sieht wachsenden Stress. Wie sieht es unter IT-Fachleuten aus? Machen Sie bei unserer Umfrage mit.

Die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz versucht seit 2014 zu quantifizieren, wie gestresst Schweizer Angestellte sind. Ein erstes Fazit des gerade eben publizierten Job-Stress-Indexes: Die Schweizer Erwerbstätigen sind gestresster als in den letzten Jahren. Als ein Grund für die Entwicklung wird die Digitalisierung vermutet.
Stress ist kaum mathematisch präzise zu erfassen. Der Index der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz misst das Verhältnis von Arbeitsbelastungen und Ressourcen am Arbeitsplatz, wie etwa Wertschätzung, Unterstützung oder Handlungsspielräume. Bei einem Wert von 50 würden sich die beiden Faktoren genau die Waage halten. 
"Mit 50,83 sind die Ressourcen und Belastungen im Mittel zwar ausgeglichen, jedoch ist die Verschlechterung zu den Stress-Indizes der Erhebungen 2014 und 2016 signifikant", heisst es im Faktenblatt der Stiftung. Die Belastung am Arbeitsplatz habe in den letzten sechs Jahren langsam, aber stetig zugenommen, zur letzten Erhebung von 2018 sei der Anstieg mit 0,22 Punkten derweil nicht signifikant. Er könnte also eine zufällige Abweichung sein.

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Grafik: Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz

Stress verursacht Kosten in Milliardenhöhe

29,6% der Befragten würden aber in einem Mass von mehr Belastungen als Ressourcen berichten, das nicht mit zufälligen Schwankungen zu erklären sei, hält die Stiftung fest. Beinahe ein Drittel der Erwerbstätigen sei emotional erschöpft. Das schlägt sich laut den Studienautoren auch wirtschaftlich nieder. Arbeitsbezogener Stress koste Schweizer Firmen etwa 7,63 Milliarden Franken pro Jahr. Der Grund: krankheitsbedingte Abwesenheit und "Krankfeiern" aber auch Präsentismus, also Anwesenheit bei verringerter Leistungsfähigkeit aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen.
Als möglichen Grund für das zunehmende Stressempfinden nennt die Stiftung die stärkere Intensivierung der Arbeit, die insbesondere im Zusammenhang mit der Digitalisierung vermutet wird. Neben einem höheren Tempo müssten sich die Angestellten auch neues Wissen und neue Fähigkeiten aneignen sowie flexiblere Karrierewege kalkulieren, so die Stiftung. Dies zeige sich auch darin, dass in der Tendenz jüngere Erwerbstätige die Arbeitsintensivierung stärker erlebten als ihre älteren Kollegen: Bei den 16- bis 24-Jährigen liegt er Stress-Wert mit 52,18 am höchsten.
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Grafik: Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz
Für die Umfrage wurden zwischen dem 3. Februar und dem 3. März 2020 in einer repräsentativen Stichprobe 2846 Erwerbstätige zwischen 16 und 65 Jahren aus allen Landesteilen befragt. In die Umfrage sind die Corona-Bedingten Veränderungen also noch nicht eingeflossen.Wir möchten wissen, wie es bei unseren Lesern und Leserinnen aussieht. Wie gestaltet sich die Situation in der IT-Branche und in den IT-Abteilungen? Was sind die grössten Stressoren? Auf welche Ressourcen können Sie zurückgreifen? Hat sich mit Corona etwas geändert? Machen Sie mit bei unserer kurzen Umfrage, bei der weder persönliche Daten noch IP-Adressen gespeichert werden.

Unsere Umfrage: Sind sie gestresst oder entspannt wie nie?

Update (15.9.2020): Die Umfrage wurde beendet. Die Ergebnisse finden sie im Artikel "Stress unter Schweizer IT-Fachleuten nimmt zu". 

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