Studie: Welche Tech-Trends die Unternehmen beschäftigen

24. Februar 2020, 14:22
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Die Digitalisierung bleibt das Top-Thema. Das Management erwartet von seiner IT-Abteilung wieder mehr Effizienz und Reduzierung der Kosten.

Die Mehrheit der Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen in der DACH-Region beabsichtigen ihre IT-Ausgaben zu erhöhen. Insgesamt gaben fast zwei Drittel der von Capgemini im Herbst 2019 befragten Organisationen an, ihre IT-Ausgaben 2020 erhöhen zu wollen. Im Vorjahr waren es 44%. Jedes vierte Unternehmen sagte, es werde das Budget voraussichtlich sogar um mehr als 10% aufstocken. 
Der Trend zu höheren IT-Ausgaben halte inzwischen seit mehreren Jahren an, so die Studienautoren. Allerdings gebe es Anzeichen für eine Wende: Zum ersten Mal seit mehreren Jahren rückten Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen auf der Prioritätenliste wieder deutlich nach oben. Dies überrascht die Autoren jedoch nicht, denn man beobachte immer wieder solche Entwicklungen. Zunächst stiegen die Ausgaben, um Prozesse anzupassen und neue IT-Systeme anzuschaffen. Dies führe häufig auch zu Wildwuchs und Redundanzen. Dies wiederum würde die Kosten antreiben und müsste deshalb bereinigt werden. So folge nach einer Phase der Veränderung häufig eine Phase der Konsolidierung, heisst es in der Capgemini-Studie "IT-Trends 2020".
Dennoch bleibe die Digitalisierung auf der IT-Prioritätenliste von Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen ganz oben. Allerdings sagten dies nicht mehr ganz so viele Umfrageteilnehmer wie noch vor einem Jahr. Folgte vergangenes Jahr die Erhöhung der Agilität und Flexibilität auf Rang zwei, ist es nun die Erhöhung der Effizienz und auf Rang drei die Reduzierung der Kosten. Mehr als ein Drittel der GL-Mitglieder erwarten von ihrer IT-Abteilung daneben die Entwicklung neuer, innovativer IT-Produkte und -Services. Die bessere Datennutzung, eine kürzere Time-to-Market oder die stärkere Orientierung am Endkunden würden bei deutlich weniger Unternehmen im Vordergrund stehen als im letzten Jahr.

Fachabteilungen beurteilen Digitalisierung positiver als IT-Leiter

Der Stellenwert der Digitalisierung sei im vergangenen Jahr deutlich gestiegen, so ein weiteres Fazit der Studie. Aber die Befragten zeigen sich auch kritisch, was den Erfolg von Digitalisierungsbemühungen anbelangt: 45% Prozent beurteilen ihre Ergebnisse als mittelmässig; immerhin 40% gaben an, gute bis sehr gute Erfolge erzielt zu haben – darunter vor allem IT-Dienstleister, die Industrie sowie die öffentliche Hand.
Insgesamt würden die Fachabteilungen die Ergebnisse deutlich positiver beurteilen als die CIOs. Ein Grund dafür könnte laut den Studienautoren sein, dass die Fachabteilungen direkt von den Ergebnissen der Digitalisierung profitieren, während die IT-Abteilungen mit einer stets steigenden Komplexität umgehen müssten.
Unterschiede bei den Investitionen und wahrgenommenen Erfolgen gibt es auch nach Branchen aufgeschlüsselt. Während die Automobilbranche viel und die Handel- und Konsumgüterindustrie noch mehr Geld in die Digitalisierung steckten, würden die öffentliche Hand, IT-Dienstleister sowie Banken und Versicherungen für ebenfalls überdurchschnittlich gute Ergebnisse mit weniger Budget auskommen. 
Schlusslichter seien derzeit Unternehmen im Chemie- und Pharmabereich. Sie geben laut der Befragung einen grossen Teil ihrer IT-Budgets für die Digitalisierung aus, ohne eigenen Angaben zufolge nennenswerte Erfolge zu erzielen. Auf der anderen Seite der Skala stehen Banken und Versicherungen, die mit einem unterdurchschnittlichen Digitalisierungs-Budget einen überdurchschnittlichen Erfolg sehen.

Machine Learning und Blockchain haben noch wenig Bedeutung

Die Liste der Technologie-Trends, die laut den Befragten eine grosse Rolle für den Unternehmenserfolg spielen werden, wird von Security-Automation angeführt. Im Rahmen der Digitalisierung und nicht zuletzt aufgrund der EU-Datenschutzgrundverordnung würden Security-Aufgaben vielfältiger und umfangreicher, so die Studie. Ebenfalls als wichtig eingestuft werden das Management von digitalen Identitäten beziehungsweise die Multi-Faktor-Authentifizierung. Dahinter folgen der Aufbau neuer Plattformen für Vertrieb, Kundenkontakt oder ERP, der Schutz vor Bedrohungen durch IoT-fähige Geräte und der Einsatz von DevOps. Stark an Bedeutung gewonnen haben AR- und VR-Lösungen sowie der digitale Zwilling.
Der Einsatz von Machine Learning, Predictive Analytics oder Bilderkennung komme hingegen nur langsam voran. Dies liege nach wie vor am Mangel an geeigneten Mitarbeitenden, wobei sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr leicht entspannt habe. Auch die Blockchain-Technologie werde erst in einigen Jahren in die breitere Anwendung gehen, heisst es in der Studie. Als Hindernisse werden die fehlende Interoperabilität mit Altsystemen und die mangelnde Integration in die Anwendungen von Partnern genannt.  

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