Stürzt die Schweiz in Sachen Open Data wirklich ab?

12. Dezember 2014, 16:30
  • e-government
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Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Global Open Data Index.

Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Global Open Data Index.
Im zweiten Global Open Data Index stellt die Open Knowledge Foundation der Schweiz erheblich schlechtere Noten als 2013 aus. Insgesamt verlor die Schweiz 12 Ränge und landet diesmal auf Platz 24 von 97 Ländern. Doch die Zahlen sind mit Vorsicht zu geniessen. Auf dem Prüfstand kamen wie im letzten Jahr zehn Kategorien der öffentlichen Verwaltung, wobei heuer aber 37 neue Länder integriert wurden.
Ausschlaggebend für das schlechte Abschneiden der Schweiz waren laut der Umfrage insbesondere der weiterhin schlechte Zugang zu öffentlichen Budgetdaten, wo die Schweiz von Rang 34 auf den 61 Platz heruntergestuft wurde. Interessant ist dabei, dass in dieser Kategorie neben Open-Data-Vorreiter Grossbritannien diesmal gerade viele der Bestplatzierten ihre im Vergleich zum Vorjahr schlechten Werte deutlich verbessern konnten. Wie das möglich gewesen ist, bleibt unklar.
Grundsätzlich, erklärt André Golliez, der Präsident von opendata.ch, sei die Initiative zu dem Index durchaus zu loben. Doch man müsse sie aktuell noch als "work in progress" verstehen. Zwar engagiere sich auch die hiesige Community bei dem Index, doch die Messmethodik und die Vergleichbarkeit der in den jeweiligen Ländern erhobenen Daten sei bisher noch "schwierig". Dass es in der Schweiz beim Zugang zu Budget- respektive Rechnungsdaten noch Nachholbedarf gibt, streitet er dabei nicht ab. Dass aber etwa Länder wie Indien vor der Schweiz rangieren, sei schlecht nachvollziehbar.
Konkret ist ihm aber auch unklar, wie es in dem Index die Kategorie "Fahrpläne" in der Schweiz auf Platz eins der 97 Länder schaffen konnte: Hier müssten tief rote Werte ausgewiesen werden, so Golliez weiter, bestünde doch diesbezüglich bei weitem noch kein offener Datenzugang in der Schweiz. Natürlich, so Golliez, bleibe in Sachen Open Data in der Schweiz noch viel zu tun. Doch es bewege sich etwas.
Sicher ist aber auch, dass beim Global Open Data Index offenbar noch viel zu tun ist, um den Index als glaubwürdige Quelle zur Unterstützung von Politik, Forschung, Presse, Aktivisten und Bürgern zu etablieren, was er nach eigenen Angaben sein will. (vri)

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