Sulzer sucht den Weg aus dem IT-Chaos

14. April 2014, 11:47
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Bei Sulzer wurden auch schon Jahresabschlüsse teilweise mit Excel erstellt. Ständig gab es Wechsel in der IT-Abteilung. Nun wurde die IT zentralisiert. Doch günstiger wird sie erst ab 2015.

Bei Sulzer wurden auch schon Jahresabschlüsse teilweise mit Excel erstellt. Ständig gab es Wechsel in der IT-Abteilung. Nun wurde die IT zentralisiert. Doch günstiger wird sie erst ab 2015.
Die 'SonntagsZeitung' berichtete gestern über Informatikprobleme beim Industriekonzern Sulzer. Mitte vergangener Woche gab der Winterthurer Traditionskonzern bekannt, dass Finanzchef Jürgen Brandt das Unternehmen im August verlassen wird. Sein Nachfolger ist der schweizerisch-deutsche Doppelbürger Thomas Dittrich. Der Konzern nannte keine Gründe für den Wechsel. Die 'SonntagsZeitung' schreibt nun, dass es "die chaotischen Zustände in der Informatik waren", die Brandt zu Fall brachten.
"Das Chaos war gross"
Dass in der IT von Sulzer in letzter Zeit nicht alles perfekt lief, wurde bereits Anfang 2013 bekannt. Damals berichtete die 'Handelszeitung', dass das Vorhaben, die IT zu zentralisieren, stocke. In den letzten Jahren gab es unter der Aufsicht von Brandt viele Wechsel an der Spitze der IT-Abteilung. Aktuell führt Ursula Soritsch-Renier die IT.
Laut 'SonntagsZeitung' herrschte 2010, als Brandt Finanzchef wurde, "ein heilloses Durcheinander". Hunderte verschiedene IT-Systeme liefen parallel, die wenigsten waren kompatibel. "Das Chaos war so gross, dass Jahresabschlüsse zum Teil mit Excel-Tabellen erstellt werden mussten – wie in einem KMU", sagt ein Insider zur 'SonntagsZeitung'. Zudem arbeiteten die Ingenieure in den verschiedenen Sulzer-Divisionen offenbar mit inkompatiblen Programmen, was einen raschen Austausch von Ideen und Innovationen über die Spartengrenzen hinweg erschwerte.
Tiefere Kosten erst ab 2015
Mittlerweile sei die neue IT-Organisation eingeführt, heisst es dazu bei Sulzer auf Anfrage. Das Unternehmen räumt gegenüber inside-it.ch ein, dass man in den vergangenen zehn Jahren "unterinvestiert im Bereich IT" war. "Die IT war sehr dezentral organisiert. Dies muss jetzt aufgeholt werden", so Sprecherin Verena Gölkel in einer E-Mail. 2013 habe man Windows 7 eingeführt, das Lifecycle-Management verbessert, die E-Mail-Systeme standardisiert (es waren vorher 43 verschiedene) sowie die Rechenzentren neu organisiert und zentralisiert.
Der Konzern erklärt, dass durch den parallelen Run der alten und der neuen Systeme hohe Zusatzkosten verursacht wurden. Sulzer hat im vergangenen Februar IT-bezogene Einmalkosten in der Höhe von 10 Millionen Franken ausgewiesen. "Wir müssen die alten noch eine gewisse Zeit lang parallel mitlaufen lassen, bevor wir komplett auf die neuen umstellen können - somit laufen und kosten alte plus neue Systeme in der Übergangsphase." Dieses Jahr werde ein Übergangsjahr: Auch 2014 werde man noch höhere Kosten haben. "Erst ab 2015 erwarten wir eine spürbare Kostenreduzierung", heisst es aus Winterthur. (Maurizio Minetti)

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