Sun / MySQL: Schwartz antwortet den Skeptikern

29. Februar 2008, 11:43
  • oracle
  • ibm
  • microsoft
  • open source
  • software
  • übernahme
image

Es ist Geld zu machen, mit Open Source im Allgemeinen und MySQL im Besonderen, sagt der Sun-CEO.

Diesen Dienstag gab Sun den Abschluss der Übernahme des schwedischen Datenbankherstellers MySQL bekannt. Während viele Stimmen den 1-Milliarde-Dollar-Deal als Suns grössten Coup in der Firmengeschichte priesen, gab es auch einige kritische Stimmen. Wie solle Sun die Investition in ein Unternehmen wieder reinholen, bei dem "lediglich einer von 10'000 Usern zum Umsatz beiträgt", fragte beispielsweise Bob Warfield von Smoothspan. Zudem hat die Open-Source-Szene noch immer gegen ein Weltverbesserer- und Hobbyisten-Image anzukämpfen. Nicht, dass es schlecht wäre die Welt verbessern zu wollen, es taugt nur all zu oft nicht für einen gescheiten Geschäftsplan.
Suns CEO, Jonathan Schwartz, nahm daher die erfolgreiche Übernahme zum Anlass, in seinem Blog sowohl den Kritikern zu antworten, als auch einen Ausblick auf Suns Strategie bezüglich MySQL zu geben. Was den Kaufpreis anginge (800 Millionen US-Dollar in Cash und 200 Millionen US-Dollar in Anteilsscheinen), so habe Sun nur geringfügig mehr bezahlt, als MySQL bei dem geplanten Börsengang wohl erzielt hätte. Sun habe also einen finanziellen Aktivposten erworben und einen strategischen quasi als Dreingabe bekommen, argumentiert Schwartz
Dieser strategische Aktivposten ist zudem das, woran Sun eigentlich interessiert war. Das Unternehmen hat nach Aussage von Schwartz die Grundidee, wie man aus Open-Source-Software Umsätze und Gewinne realisieren könne, zutiefst verinnerlicht. Nicht in Softwareumsätzen, sondern im Verkauf der eigenen, für MySQL optimierten Hardware und der dazugehörigen Dienstleistungen, würde das Geld liegen. Insbesondere bei Grosskunden will Sun ab sofort sein Renommée in die Wagschale werfen, um sie von MySQL als Alternative zu den Lösungen von Oracle, IBM oder Microsoft zu überzeugen. Sun plant auch unabhängigen Softwareherstellern (ISV) verstärkt Support anzubieten. So hat das Unternehmen weltweit Enterprise-Support-Programme für MySQL geschaffen und bietet ISVs Unterstützung bei bei Technik, Marketing und Vertrieb.
Eine interessante Frage von Bob Warfield ist zudem, was passieren würde, wenn Sun seine Kompetenz bei Hardware und Datenbanken dazu nutzen würde, um eine "geschlossene" Datenbank-Box zu bauen. Ein Gerät, das so einfach zu bedienen wäre, wie ein Disk Array und durch das Unternehmen die Kosten für Datenbank-Services sparen könnten. Derzeit ist eine solche Appliance reine Spekulation, aber wäre sie wirklich so abwegig?
Es wird sicherlich noch eine Weile dauern, bis MySQL auf beliebigen Plattformen und unter Linux, Windows und Solaris "fliegt wie ein Delfin", wie Schwartz es in der blumigen Marketingsprache amerikanischer Unternehmen ausdrückte. Aber er hat seinen Leuten den Auftrag dazu erteilt. (Thomas Mironiuk)
(Foto © MySQL – Delfin)
(Foto © Sun: CEO Jonathan Schwartz)

Loading

Mehr zum Thema

image

UK-Behörde untersucht Cloud-Dienste von Microsoft, Amazon und Google

Die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom will die Marktposition der US-Hyperscaler untersuchen und herausfinden, ob es wettbewerbsrechtliche Bedenken gibt.

publiziert am 22.9.2022
image

Weshalb sich Cloud-Zahlen nur schwer vergleichen lassen

Weil die Hyperscaler ihre Umsätze unterschiedlich berechnen und ausweisen, ist ein direkter Vergleich der einzelnen Konkurrenten nur sehr schwer möglich.

publiziert am 21.9.2022
image

Kartellbehörden schauen bei Microsofts Riesen-Deal genauer hin

Für 75 Milliarden Dollar wollen die Redmonder den Game-Anbieter Activision Blizzard kaufen. Die EU-Behörden überprüfen den Deal laut Medienberichten vertieft.

publiziert am 16.9.2022
image

Adobe übernimmt Figma für 20 Milliarden Dollar

Mit dem Kauf der Webdesign-Plattform will Adobe sein Geschäft ausbauen. An der Börse stiess die Ankündigung nicht nur auf Zustimmung.

publiziert am 15.9.2022