Sun-IBM-Verhandlungen gescheitert?

6. April 2009, 08:49
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IBM hat sein Angebot zurückgezogen. Sun möchte auch mit anderen Käufern verhandeln.

IBM hat sein Angebot zurückgezogen. Sun möchte auch mit anderen Käufern verhandeln.
So schnell kann es gehen: Noch am Freitag glaubten sowohl das 'Wall Street Journal' als auch die 'New York Times' aufgrund der Berichte ihrer jeweiligen Insiderquellen, dass die Übernahmeverhandlungen zwischen IBM und Sun kurz vor dem Abschluss stünden. Am Sonntag berichteten dann wieder beide übereinstimmend, dass IBM sein Angebot zurückgezogen habe und die Verhandlungen damit möglicherweise gescheitert seien.
Die Betonung liegt auf "möglicherweise": Zwar glauben die genannten renommierten Zeitungen und andere US-Medien ziemlich viel über die Vorgänge bei den Verhandlungen zu wissen, in die Köpfe der wirklichen Entscheider kann aber noch niemand schauen. Und so ist man momentan absolut unsicher, wie die Ereignisse zu interpretieren sind: Sind es dramatische Imponiergesten, um die Gegenseite noch zu letzten Zugeständnissen zu zwingen? Dies kommt bei Übernahmeverhandlungen manchmal vor, kurz bevor dann doch eine Einigung erzielt wird.
Oder haben sowohl die IBM- als auch die Sun-Vernatwortlichen nur einen Vorwand gesucht, einen Deal sterben zu lassen, gegen den es auf beiden Seiten grosse Vorbehalte gibt? Auf der Sun-Seite ist gemäss 'WSJ' beispielsweise eine Gruppe rund um den CEO Jonathan Schwartz für den Deal, während der Verwaltungsratsvorsitzende und Mitgründer Scott McNealy die Fraktion der Gegner anführt.
Jedenfalls scheint es bei den Verhandlungen über das Wochenende hoch her gegangen zu sein. "Da war viel Testosteron auf beiden Seiten im Spiel", meinte ein Informant der 'Times' trocken. Über die Details der Vorgänge divergieren die Berichte der US-Medien beziehungsweise die Informationen, die sie von ihren Informanten erhielten. So berichten die 'Times' und andere, dass IBM entdeckt habe, dass bei einer Übernahme die fälligen Bonuszahlungen an Sun-Manager deutlich höher ausfallen würden, als erwartet. IBM habe darum sein Angebot am Freitagabend noch leicht gesenkt.
Gemäss 'WSJ' wies die Sun-Seite das IBM-Angebot dann am Samstag zurück, gemäss 'NYT' nicht. Klar scheint, dass die Verhandlungsführer von Sun am Samstag neue Klauseln durchsetzen wollten, die IBM stärker an den Deal gebunden hätten. Die IBM-Leute empfanden diese Klauseln als zu einengend und lehnten sie ab. Darauf informierte Sun die Gegenseite, dass man nicht mehr länger nur mit Big Blue verhandeln wolle – mögliche Alternativen als Käufer wären beispielsweise HP oder Cisco – worauf die IBM-Unterhändler am Sonntag das Angebot offiziell vom Tisch nahmen. Gegenwärtig reden nun nur noch die Berater der beiden Seiten miteinander, so 'WSJ' – und auch das nur telefonisch. (Hans Jörg Maron)

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