Sun propapiert das Ende des Computerkaufs

16. November 2004 um 11:43
  • rechenzentrum
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Mit dem üblichen Brimborium stellte der Unix-Spezialist Sun gestern die neue Version des Betriebssystems Solaris vor. Neben einer Flut von Ankündigungen gab es auch sehr interessante Bemerkungen von Sun-Chef Scott McNealy.

Mit dem Unix-Derivat Solaris hat der Server- und Storage-Hersteller Sun Microsystems zweifellos ein Asset. Solaris gilt als äusserst stabil, sicher und ausgereift. Solaris gehört beispielsweise in der Schweizer Finanzindustrie zu den oft eingesetzten Systemen. Doch hat man angesichts des Trends zur Standardisierung der IT-Umgebungen und des Aufkommens von Windows und Linux auch in der Welt der grossen Rechenzentren da und dort Zweifel am Überleben von Solaris als relevantem Betriebssystem geäussert. Zweifel, die für Sun langfristig tödlich sein könnten. Mit dem Launch von Solaris 10, das ab 31.1.05 offiziell ausgeliefert wird, will Sun die Zweifler zum Verstummen bringen.
Die wichtigsten Neuerungen
Sun hat gestern abend an der Hauskonferenz NetworkComputig neben Solaris10 gleich auch noch eine ganze Reihe von neuen Servern, Speicher-Boxen, Entwicklungsumgebungen auf die Welt losgelassen. Zu viel, um an dieser Stelle zu berichten. Wir konzentrieren uns auf Solaris10.
Verteilung der Rechenleistung auf bis zu 8000 Applikationen: Solaris kann mit so genannten "Containers" die Rechenleistung auf verschiedene Applikationen dynamisch verteilen. Damit wird die Auslastung der Systeme verbessert.
Nicht auf Sparc-Prozessoren beschränkt: Solaris10 läuft auf den Sun-eigenen Sparc-Prozessoren, aber auch auf AMD Opteron (in einer optimierten Version) und auf Intel Xeon-Prozessoren. Damit haben Kunden und Entwickler die Wahl zwischen Systemen von über 200 Herstellern, wurde betont.
Vorausschauende Selbst-Heilung: Das OS soll Probleme in Hardware und Applikationen erkennen und fehlerhafte Komponenten isolieren können. So gibt es weniger Systemabstürze.
Diagnose-Tool zur Systembeschleunigung: Mit einem "Dtrace" genannten Diagnose-Tools können problematische Software-Teile oder Fehler schneller gefunden und verbessert werden.
Linux-fähig: Auf Solaris10 können Linux-Applikationen ohne grossen Leistungsverlust gefahren werden (Projekt "Janus").
Filesystem: Das neue Filesystem "ZFS" soll unbeschränkt viel Speicherkapazität ansprechen können.
(Alle Angaben gemäss Sun)
Kosteneinsparungen betont
Die Sun-Oberen wie COO Jonathan Schwartz betonten die grossen Kosteneinsparungen, die durch den Einsatz von Solaris10 erzielt werden können. Dies einerseits durch die bessere Auslastung von Grosssystemen, deren theoretische Rechenkapazität nur wenig ausgenützt wird, aber auch die verbesserte Verwaltbarkeit der Systeme und durch die erhöhte Leistung von bereits bestehenden Computern, auf denen das neue OS eingesetzt wird. Doch die heisseste Parole lautete gestern: "One Dollar per CPU-Hour".
Wieso Computer kaufen?
Diesem Thema widmet sich der Sun-Chef Scott McNealy in einem Webcast. Die Zeit, wo man Computer kaufen musste, nähere sich dem Ende, so McNealy. An der Gartner-Konferenz habe man zwar viel über Rechenleistung als Service ("One Dollar per CPU-hour") gesprochen, aber wirklich bieten könne das nur Sun. "IBM redet nur davon". Die Konsolidierung der Rechenzentren, die sich CIOs und vor allem Finanzchefs so sehnlichst wünschten, werde nur Suns Grid-Architektur (N1) gehen. "In Zukunft wird man Speicher, ThinClients und Rechenleistung wie Telefoniedienste im Abo beziehen" so McNealy. "ThinClients wird es von uns gratis geben."
Über "Utility Computing" als Modell der Zukunft wird schon lange gesprochen. Sun präsentierte gestern aber auch mit dem kanadischen ISP Telus einen Kunden, der Rechenleistung für ein Dollar pro CPU-Stunde anbieten will. "CIOs auf der ganzen Welt sollten die Kosten ihrer Computer-Grids nun gegen unseren Preis von $1 CPU/h vergleichen", rührt Sun-COO Jonathan Schwartz die Werbetrommel. (Christoph Hugenschmidt)
(Sun Microsystems ist Marketing-Partner unseres Verlages)

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