Sun/Google-Partnerschaft: Viel Rauch, (noch) wenig Feuer

5. Oktober 2005, 18:43
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Was Sun und Google gestern ankündigten wird die IT-Szene im allgemeinen und Microsoft im speziellen (noch?) nicht erschüttern können.

Was Sun und Google gestern ankündigten wird die IT-Szene im allgemeinen und Microsoft im speziellen (noch?) nicht erschüttern können.
Als Sun und Google gestern eine gemeinsame Pressekonferenz ankündigten, löste das eine riesige Welle von Spekulationen aus. Denn zweifellos: Eine Partnerschaft der beiden hat das Potential, in der IT-Welt vieles zu bewegen. An der Pressekonferenz verkündeten die beiden CEOs Eric Schmidt und Scott McNealy dann tatsächlich eine "strategische Vereinbarung", aber noch kaum, was diese Vereinbarung handfestes bringen wird.
Konkret wurden eigentlich nur zwei Dinge genannt. Erstens: Sun wird im Laufe der nächsten dreissig Tage damit beginnen, allen Anwendern, die sich Java (Java Runtime Environment)von Suns Java-Seite mitzuliefern. Sun wird dafür von Google Geld erhalten – wie viel wurde allerdings nicht gesagt. Und zweitens will Google, schon bisher ein Sun-Kunde, mehr als bisher Hardware von Sun kaufen.
Für Google ist das sicher eine sehr gute Möglichkeit, die Verbreitung seiner Toolbar zu fördern. Gemäss Sun-CEO Scott McNealy wird die Java-Software pro Monat etwa 20 Millionen Mal heruntergeladen.
Im Umfeld der Pressekonferenz nannten Google- und Sun-Manager gemäss 'news.com' ausserdem noch einige weitere Punkte der Zusammenarbeit. So soll Google unter anderem in der Java Community aktiver werden und Sun bei der Weiterentwicklung von openSolaris helfen. Ausserdem soll Sun die Google-Toolbar auch in seine Bürosoftware OpenOffice integrieren und Sun und Google wollen gemeinsame Marketing-Aktivitäten durchführen.
Das Potential bleibt revolutionär
Trotzdem entsprechen diese Ankündigungen nicht den hochgesteckten Erwartungen, die man im Vorfeld hegen konnte. Das grösste Potential der Google/Sun-Partnerschaft, so glauben wir von inside-it.ch weiterhin, liegt bei einer Zusammenarbeit beim Vertrieb von OpenOffice, der wohl gegenwärtig einzigen ernstzunehmenden Konkurrenz von Microsofts Office-Suite. Eine Version wäre, dass Google OpenOffice auf seiner Site zum Download anbietet – nicht gerade eine schlechte Vertriebsplattform. In der Schweiz zum Beispiel ist Google die mit grossem Abstand meistbesuchte Site überhaupt.
Noch revolutionärer aber wäre es, wenn Google OpenOffice als webbasierten Service anbieten würde, auf den die Anwender von überall her und Hardwareunabhängig zugreifen könnten. Vorstellbar wäre zum Beispiel ein "Google Office" mit Gmail für die Mail/Kalenderfunktionen und OpenOffice für die Bürofunktionen.
Aber eben, all dies bleibt auch nach der gestrigen Ankündigung reine Spekulation. Dass irgendetwas in dieser Richtung passieren dürfte, ist allerdings auch klar, auch wenn es von Sun und Google dazu nur eine eher schwammige Absichtserklärung gibt: Man habe "vereinbart, Möglichkeiten zu überprüfen, Sun Technologien wie Openoffice und das Java Runtime Environment zu fördern und zu verbessern." Erst die Zukunft wird zeigen, was das genau bedeuten soll. (Hans Jörg Maron)

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