Sunrise-GV zum UPC-Kauf kurzfristig abgesagt

22. Oktober 2019, 09:44
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Investorenrevolte zwingt Sunrise zum Umdenken.

Investorenrevolte zwingt Sunrise zum Umdenken.
Die für den morgigen 23. Oktober angesetzte ausserordentliche Generalversammlung von Sunrise ist in letzter Minute abgesagt. Dort sollte über die Übernahme von UPC entschieden werden. Die Annullierung erfolgt mit Zustimmung der UPC-Verkäuferin Liberty Global. Noch ist die grösste Übernahme der Schweizer Telekomgeschichte aber nicht vom Tisch.
Laut einer Mitteilung von Sunrise hat es klare Hinweise gegeben, dass eine Mehrheit der Aktionäre an der Hauptversammlung die für zur Finanzierung des 6,3 Milliarden-UPC-Kaufs benötigte Kapitalerhöhung im Umfang von 2,8 Milliarden Franken nicht unterstützen würden. Der Aktienkaufvertrag ("Share Purchase Agreement") habe ein Long-Stop-Datum per 27. Februar 2020 und bleibe in Kraft, bis eine Partei ihn kündigt, hiess es weiter.
Diesbezüglich war bereits spekuliert worden, es handle sich nur um einen taktischen Schritt. Denn wenn Sunrise den Vertrag kündigen würde, müsste der Konzern eine Strafe von 50 Millionen Franken bezahlen. Deshalb dürfte Sunrise abwarten, bis ihn Liberty kündigt.
Mit dem Kauf von UPC hätte Sunrise ein eigenes Festnetz erworben und wäre zu einem stärkeren Konkurrenten von Platzhirsch Swisscom geworden. Doch gerade dieser anvisierte Weg aus der blossen Mobilfunksackgasse, war vor allem von den Wortführerin des Widerstands gegen den Deal kritisiert worden. So hat der 24,5 Prozent an Sunrise besitzende deutsche Grossaktionär Freenet den Kaufpreis mit dem Hinweis auf 5G als zu hoch bemängelt und damit auch die Übernahmebegründung von Sunrise abgelehnt.
Kaufvertrag bleibt bestehen
Inzwischen hat Sunrise-Chef Olaf Swantee der Nachrichtenagentur 'AWP' gesagt, dass es keine weiteren Verhandlungen mehr mit UPC-Verkäufer Liberty Global gibt. Sunrise werde nicht mehr versuchen, die UPC-Besitzerin noch zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen. Der Kaufvertrag bleibe noch bestehen, damit auf beiden Seiten eine koordinierte Abwicklung der Integrationsarbeiten stattfinden könne und die Vertraulichkeit der Informationen weiter gewahrt bleibe, sagte Sunrise-Finanzchef André Krause.
Weiter betonte Konzernchef Swantee, dass Sunrise eine sehr starke Stand-alone-Strategie habe. "Die werden wir jetzt weiterhin umsetzen. Es ist enttäuschend, dass wir die Synergien mit UPC nicht umsetzten können, dass wir keine eigene Internetinfrastruktur aufbauen können und dass wir die Kundenbasis nicht auf einen Schlag verdoppeln können. Aber wir haben eine sehr starke Position in allen Marktsegmenten."
Auf die Frage, ob er oder andere Spitzenmanager jetzt das Unternehmen verlassen würden, sagte Swantee: "Es ist wichtig, dass wir jetzt da sind. Unser Fokus ist, die Firma zu stabilisieren und eine langfristige Strategie mit dem Managementteam umzusetzen".
Was die nun abgebrochene Transaktion gekostet, ist derzeit noch offen. Finanzchef Krause konnte abgesehen von der allenfalls nötigen Abbruchsgebühr von 50 Millionen noch nicht sagen, wie hoch die Finanzierungs-, Beratungs- und Integrationskosten ausgefallen sind. (vri/Keystone-sda)

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