Sunrise-Orange-Fusion: Gut für Swisscom, schlecht für die Kunden?

25. November 2009, 15:23
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Reaktionen auf den geplanten Zusammenschluss von Sunrise und Orange Schweiz.

Reaktionen auf den geplanten Zusammenschluss von Sunrise und Orange Schweiz.
Nach der heute Morgen angekündigten Fusion der beiden Telekom-Unternehmen Sunrise und Orange Schweiz gab es viele Reaktionen – viele sind negativ. Die Gewerkschaft Kommunikation forderte zunächst einen Sozialplan und einen Gesamtarbeitsvertrag. Die Gewerkschaft sei "besorgt über die Konsequenzen für das Personal und erwartet deshalb die sofortige Aufnahme von Sozialplanverhandlungen", hiess es in einer ersten Mitteilung.
In einer zweiten Mitteilung hiess es dann, die Gewerkschaft Kommunikation begrüsse die "überraschend schnelle Bestätigung von Orange", mit der Gewerkschaft Kommunikation Verhandlungen aufzunehmen. Das Unternehmen erklärte sich bereit, mit den Arbeitnehmervertretungen und der Gewerkschaft Kommunikation über einen Sozialplan zu verhandeln. Zudem biete Orange Hand zu Verhandlungen über einen Gesamtarbeitsvertrag.
Stellenabbau
Im Rahmen der Fusion werden auf jeden Fall einige der zurzeit insgesamt 2650 Stellen abgebaut. Der Sunrise-Verwaltungsrat und ehemalige Chef der Sunrise-Mutter TDC, Jens Alder, war heute nicht der einzige, der dies bestätigte. Der Umfang des Jobabbaus ist aber noch nicht bekannt. Auch der künftige Chef des gemeinsamen Unternehmens, Thomas Sieber, wollte keine Zahlen nennen.
Sara Stalder, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz, wird von den Agenturen mit verschiedenen Aussagen zitiert. Einerseits sagt sie, die Fusion sei positiv, weil so Swisscom einen "ernsthaften Konkurrenten" erhalte, andererseits werde es in der Schweiz ja nur noch zwei Anbieter und damit weniger Wettbewerb geben. Ähnlich sieht es Preisüberwacher Stefan Meierhans, der der Fusion mit gemischten Gefühlen entgegenblickt.
Kunden als Verlierer?
Vollends negativ war hingegen die Reaktion des ehemaligen Preisüberwachers Rudolf Strahm. Gegenüber dem Onlineportal 'Newsnetz' sagte er, die Wettbewerbsbehörden müssten den Zusammenschluss unbedingt verhindern. Das dadurch entstehende Duopol wäre für die Kunden "eine absolute Katastrophe". Er fordert – wie übrigens auch Stalder – bei einer allfälligen Genehmigung der Fusion eine Preisfestsetzung durch die Kommunikationskommission (ComCom).
Negativ ist auch die Reaktion des Vergleichsdienstes Comparis.ch. Die Kunden seien die Verlierer, weil mit Sunrise der einzige Anbieter von günstigen Abo-Angeboten vom Markt verschwinde. Die im internationalen Vergleich hohen Schweizer Mobilfunkpreise dürften auch in Zukunft nicht sinken, glaubt Comparis.ch.
Swisscom hingegen hat den Zusammenschluss ziemlich positiv aufgenommen. Der ehemalige Monopolist hofft wohl, dass die Fusion zu weniger Wettbewerb führen wird. Gewisse Analysten glauben, die Orange-Besitzerin France Telecom werde sich zunächst auf die Realisierung der Synergien konzentrieren. Danach werde es eine Reduzierung des Preisgefälles von 15 Prozent zu Swisscom geben - was Preiserhöhungen bedeute, weil Marktanteilsgewinne in der Schweiz nicht mehr möglich sind. (mim)

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