Sunrise will von Swisscom 350 Millionen Franken Schadenersatz

18. Mai 2020, 09:38
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Swisscom soll Sunrise für seinen früheren Umgang mit ADSL-Partnern entschädigen.

Die beiden grössten Telekomkonzerne in der Schweiz liegen sich weiterhin gerichtlich in den Haaren. Sunrise klagt gegen Swisscom auf Schadenersatz in der Höhe von 350 Millionen Franken zuzüglich Zinsen.
Sunrise wirft Swisscom vor, von 2001 bis 2007 seine marktbeherrschende Stellung missbraucht und durch die Preispolitik bei ADSL-Diensten den Wettbewerb rechtswidrig behindert zu haben. Durch die von Swisscom praktizierte "Kosten-Preis-Schere" sei es Sunrise als Vorleistungsbezüger nicht möglich gewesen, das ADSL-Geschäft profitabel zu betreiben.
Der Rechtsstreit zwischen den beiden Telekomanbietern wegen dieser Geschichte dauert schon sehr lange. Nach einem zehnjährigen Instanzenzug wurde ein Urteil der Wettbewerbskommission Weko vom Bundesgericht im Dezember 2019 bestätigt und Swisscom zu einer Busse von 186 Millionen Franken verurteilt.
Das Bundesgerichtsurteil folgte auf eine Verfügung der Weko von Ende 2009 nach einem 2005 eröffneten Verfahren, das 2016 schon vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt worden war.
Die Weko kam bei ihrem Ersturteil zum Schluss, dass Swisscom seine marktbeherrschende Stellung im Bereich des Breitbandinternetzugangs (ADSL) jahrelang missbraucht habe.
.Sunrise hatte in der Folge das Beratungsunternehmen Swiss Economics mit der Berechnung des erlittenen Schadens beauftragt. Demnach wird der Schaden aus dem Marktanteilsverlust und verhindertem Zugewinn im Breitband-Internetmarkt sowie in den angrenzenden Märkten Festnetztelefonie und Mobilfunk auf insgesamt 457 Millionen Franken beziffert, so Sunrise. Er sei damit grösser als ursprünglich angenommen. Sunrise habe deshalb mit der neuen Schadenersatzforderung vorsorglich die Verjährungsfrist für eine Forderung in der Höhe der genannten 350 Millionen zuzüglich Zins unterbrochen.
Die Klage wurde beim Handelsgericht in Bern eingereicht.

Swisscom hält sich noch bedeckt

Swisscom bestätigte in einer eigenen Stellungnahme den Eingang der Zivilklage von Sunrise. Man werde diese Forderung prüfen, zum nun hängigen Gerichtsverfahren aber keine weiteren Angaben machen, hiess es beim grössten hiesigen Telekomkonzern dazu.

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