Supercomputer für zu Hause

7. Februar 2005, 16:35
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Neue Details zum potentiell revolutionären "Cell"-Chip von IBM, Sony und Toshiba.

Neue Details zum potentiell revolutionären "Cell"-Chip von IBM, Sony und Toshiba.
Schon 2001 haben IBM, Sony und Toshiba angekündigt, dass sie gemeinsam einen neuen Prozessor mit überlegenen Grafikfähigkeiten entwickeln wollen. Noch dieses Jahr soll die Produktion gestartet werden, wie wir bereits berichteten.
Heute nun werden die drei Unternehmen an der "Solid State Circuits Conference" in San Francisco erstmals offiziell Details über das Design dieses Chips, der unter dem Codenamen "Cell" läuft, bekannt geben. Wie das allerdings so ist, ist bereits einiges in den Tagen vor der Konferenz zu den Medien durchgedrungen.
Vor allem die angeblichen Leistungsdaten des neuen Chips, die bereits seit einiger Zeit im Umlauf sind, haben das Interesse der Technologiegemeinde schon seit längerem geweckt. So soll ein "Cell"-Chip bis zu 256 Gigaflops (256 Milliarden Fliesskommaoperationen pro Sekunde) bewältigen können – damit hätte es jeder einzelne Chip noch 2002 in die hinteren Ränge der Liste der 500 schnellsten Supercomputer der Welt geschafft. Eine Workstation mit 4 Prozessoren wäre auch heute noch darin vertreten. Die pure theoretische Rechnungsleistung ist also enorm, sie dürfte allerdings vor allem bei den grafischen Aufgaben erreicht werden, für die der Chip optimiert ist.
Instant Grid
Wie nun berichtet wird, soll ein "Cell-Chip aus einem modifizierten 64-Bit-Power-Prozessorkern bestehen, der wiederum die anstehenden Datenverarbeitungsaufgaben je nach Art an acht zusätzliche 128-Bit-Prozessorkerne, "Synergistic Processing Elements" genannt, weitergibt. Damit wird also das Mehrkernprinzip, dass in den nächsten Jahren die Prozessorlandschaft beherrschen wird, abgewandelt: Statt mehrerer "gleichberechtigter" CPU-Kerne werden die "Cell"-Chips mehrere Co-Prozessoren für Spezialaufgaben auf einem Chip vereinigen.
Eine weitere Besonderheit: Die "Cells" sind schon vom Grunddesign her auf Grid-Computing, die Zusammenarbeit von vielen Rechnern bei der Bewältigung einer einzelnen Aufgabe, ausgelegt. Das Datenverarbeitungsprinzip soll auf "Softwarezellen" (daher der Name des ganzen Chips) beruhen. Diese Zellen bestehen aus Daten und dem dazugehörigen Programmstückchen, um die Daten zu verarbeiten. Ob diese Zellen nun innerhalb des Chips an die Kerne verteilt oder über eine Breitbandverbindung an einen anderen Computer weitergegeben werden ist also im Prinzip egal.
Wer muss nun zittern?
Sonys Playstation 3, sowie etwas früher eine IBM-Workstation für Spiele-Entwickler für eben diese Konsole sollen die ersten Geräte sein, die auf Cell basieren. Herumgereicht werden neben der Unterhaltungselektronik aber auch ganz andere mögliche Einsatzgebiete, vom Handy (!) über Server bis zum Supercomputing.
Müssen sich Intel und AMD nun also warm anziehen, gerät vielleicht sogar das Windows-Intel-Imperium in ein paar Jahren ins Wanken? Wahrscheinlich nicht. Im Serverbereich wird IBM wohl weiterhin seine konventionellen PowerPC-Chips pushen, und damit am Status Quo nichts ändern. Im Heimelektronikbereich allerdings, einem Bereich den auch Microsoft und Intel erst noch erobern wollen, könnte eine heisse Schlacht bevorstehen. Für Spiele und alle anderen Anwendungen, die in irgendeiner Art mit "virtuellen Realitäten" zu tun haben, scheint "Cell" einen enormen Leistungsvorsprung mitzubringen. Viel wird davon abhängen, ob IBM, Sony und Toshiba genügend einfache Programmierungstools zur Verfügung stellen können, so dass Entwickler von Spielen oder anderen Anwendungen genau so einfach für "Cell"-Geräte programmieren können wie für Geräte mit Chips der Konkurrenz. (Hans Jörg Maron)

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