Supercomputer wird mit heissem Wasser gekühlt

23. Juni 2009, 15:32
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IBM und ETH Zürich bauen neuartigen Supercomputer namens "Aquasar". Abgeführte Wärme soll für die Heizung der ETH-Gebäude genutzt werden.

Das IBM-Forschungsteam (von links nach rechts): Thomas Brunschwiler, Ingmar Meijer, und Bruno Michel, Manager Advanced Thermal Packaging, der ein wassergekühltes Blade-Modul in der Hand hält. Im Hintergrund sieht man das Prototyp-System im Zürcher IBM-Forschungslabor.
Der Serverhersteller IBM und die ETH Zürich haben heute einen Supercomputer-Prototypen vorgestellt, der mit heissem Wasser gekühlt wird. Die abgeführte Wärme wird dabei direkt für die Beheizung der ETH-Gebäude genutzt. Bei "Aquasar" bringen die Forscher die Wasserkühlung so direkt wie möglich an die Wärmequelle – den Chip – heran. Sie setzen leistungsfähige "Mikrokanalkühler" ein, die auf der Rückseite des Chips angebracht werden.
Dank dieser speziellen Kühler können die Chips selbst mit bis zu 60°C heissem Wasser noch auf Betriebstemperatur gebracht werden. Kühlen mit heissem Wasser ist an sich ineffizienter, als Kühlung mit kaltem Wasser. Die anschliessende Verwendung der Abwärme für die Gebäudeheizung ist aber wiederum um so effizienter, je heisser das dafür verwendete Kühlwasser ist, was das Gesamtsystem ernergieeffizienter machen soll, als herkömmliche Wasser- oder Luftkühlung.
Der Supercomputer "Aquasar" gilt als Experiment, das laut Mitteilung "einen wichtigen Beitrag zu nachhaltiger IT leisten soll". Tatsächlich ist die Energieversorgung eine der grössten Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Beim neuen Rechner von IBM und ETH spielen Geschwindigkeit und Leistung also für einmal eine untergeordnete Rolle. "Unser Ziel ist, Hochleistungsrechner mit niedrigem Energieverbrauch zu entwickeln", sagt Dimos Poulikakos, Projektleiter und Leiter des Laboratoriums für Thermodynamik in Neuen Technologien der ETH Zürich.
Der Supercomputer soll rund 85 Prozent der Abwärme direkt an die Gebäudeheizung abgeben. Der Energieverbrauch sinke verglichen mit herkömmlichen luftgekühlten Systemen um bis zu 40 Prozent, heisst es in der Mitteilung.
Der Bau von "Aquasar" ist Teil eines dreijährigen Forschungsprogramms, an dem das IBM-Forschungslabor in Zürich, die ETH Zürich, die ETH Lausanne und das Schweizer Kompetenzzentrum für Energie und Mobilität (CCEM) beteiligt sind. Der Supercomputer wird mit der Unterstützung durch IBM Schweiz und das IBM-Forschungs- und -Entwicklungslabor im deutschen Böblingen realisiert. (mim)

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