Swift: Blockchain könnte Kosten für internationale Zahlungen senken

12. Januar 2017, 16:23
  • fintech
image

Eine Machbarkeitsstudie soll zeigen, wie Banken Distributed-Ledger-Technologie effizienzsteigernd einsetzen können.

Eine Distributed-Ledger-Technologie könnte für Banken den Aufwand zur Führung von Auslandskonten deutlich verringern, glaubt Swift, und plant eine Machbarkeitsstudie.
Die Bankenkooperative Swift will im kommenden Frühling eine Machbarkeitsstudie zum Einsatz der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) zur Steigerung der Effizienz im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr durchführen. Spezifisch geht es dabei um die Verwaltung der Konten, die Banken bei anderen Banken im Ausland führen, um solche Zahlungen abzuwickeln. Beim aktuellen Korrespondenzbankmodell, so Swift, müssen die Banken den Bestand der Geldmittel auf diesen sogenannten Nostro-Konten durch laufende Aktualisierungen von Last- und Gutschriften sowie Tagesendabrechnungen kontrollieren. Dies verursache einen grossen Aufwand und stelle einen bedeutenden Teil der Kosten für die Abwicklung grenzüberschreitender Zahlungen dar. Die Machbarkeitsstudie soll zeigen, ob Distributed Ledgers den Abgleich viel effizienter und in Echtzeit ermöglichen könnten, was auch operationelle Risiken mindern würde.
Open-Source-Software, aber nicht-öffentliche Blockchain
Swift führt diese Machbarkeitsstudie als Teil seiner Global-Payments-Innovation (GPI)-Initiative durch. Die technologische Grundlage ist das Open-Source-Projekt Hyperledger der Linux-Foundation. Die Blockchain selbst wird aber nicht öffentlich sein. Der Zugriff ist auf eine geschlossene Nutzergruppe beschränkt und Nutzerrechte und Datenzugriff sollen strengstens geregelt werden. Dies ist ein grosser Unterschied beispielsweise zur öffentlichen Blockchain der Bitcoin-Währung. Jedermann kann über diverse Internet-Portale darauf zugreifen und sehen, wie viele Bitcoins von einem Konto auf ein anderes geflossen sind. Allerdings weiss man nicht, wem ein solches Konto gehört, so lange sich der Besitzer nicht auf irgendeine Weise zu erkennen gibt.
Distributed-Ledger-Technologien sind für Finanzinstitute einerseits eine Chance, Prozesse effizienter zu gestalten. Sie stellen aber auch eine Bedrohung ihres gesamten Geschäftsmodells dar, da sie theoretisch ihre traditionelle Rolle als vertrauenswürdiger Mittelsmann bei Zahlungen überflüssig machen können. Ähnliches gilt für die sicheren Kommunikationskanäle, die Swift als Provider für den sicheren Austausch von Finanzdaten zwischen Finanzinstituten zur Verfügung stellt. Swift ist zwar eine nicht-gewinnorientierte Genossenschaft im Besitz seiner Mitgliederbanken, aber auch die Swift-Leute wollen sich sicher nicht selbst überflüssig machen.
Etwas Blockchain, viel Swift
Swift betont denn auch, dass die Distributed-Ledger-Technologie für einen breiteren Einsatz noch nicht bereit sei und es noch viele Swift-Beigaben brauche. "Die bestehenden DLTs sind für grenzüberschreitende Zahlungen derzeit noch nicht ausreichend ausgereift. Allerdings kann diese Technologie – abgestützt auf einige zusätzliche Funktionen von Swift – für die damit verbundene Kontenabstimmung interessant sein", wird Wim Raymaekers, Head of Banking Market and GPI bei Swift, in der Mitteilung zitiert. "Diese Machbarkeitsstudie gibt uns Gelegenheit, die DLT zu testen und festzustellen, ob sie für diesen speziellen Anwendungsfall eingesetzt werden kann."
Sein Kollege Damien Vanderveken, Head of R&D, SWIFTLabs präzisiert, dass Swift für das Projekt "seine starke Governance, das Sicherheitssystem seiner Public Key-Infrastruktur (PKI), seine Datenbank für die Zuordnung von Business Identifier Codes (BIC) zu Legal Entity Identifier-Kennziffern (LEI) sowie seine Expertise für Liquiditätsstandards" einsetze, um "eine aussagefähige Plattform für den DLT-Machbarkeitsnachweis" zu schaffen.
Zur Teilnahme an der Machbarkeitsstudie lädt Swift Banken ein, die auch Mitglied der Swift-GPI-Initiative sind. Mehr zur GPI findet man hier. (Hans Jörg Maron)

Loading

Mehr zum Thema

image

Crealogix macht wieder Gewinn

Der Zürcher Bankensoftwarehersteller hat schwierige Jahre hinter sich, glaubt sich nun aber wieder auf dem richtigen Weg.

publiziert am 24.1.2023
image

Fintech Numarics fusioniert mit Treu­hand-­Unter­nehmen

Durch die Fusion mit der Treuhandgesellschaft A&O Kreston will das Schweizer Software-Startup seine Wachstumsstrategie vorantreiben.

publiziert am 24.1.2023
image

Mobile-Payment-Anteil ist in der Schweiz weiter gestiegen

Mehr als 7% aller bargeldlosen Zahlungen werden mittlerweile mit Twint und Co. durchgeführt.

publiziert am 23.1.2023
image

Hypi Lenzburg: Das Softwarebusiness brummt

Die Bank arbeitet weiter an ihrer hybriden Strategie: Neben Finanzdienstleistungen soll auch das Technologiegeschäft ausgebaut werden.

publiziert am 20.1.2023