Swiss Life will RZs durch Cloud ersetzen

10. Mai 2016, 14:30
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Ein Teil Private Cloud von Inventx, ein Teil Public Cloud auf Azure, keine eigenen RZs mehr.

Ein Teil Private Cloud von Inventx, ein Teil Public Cloud auf Azure, keine eigenen RZs mehr.
Das Finanzunternehmen Swiss Life will seine Rechenzentrumsinfrastruktur bis Ende 2017 in eine hybride Cloud-Umgebung transferieren. Businesskritische Applikationen sollen in Zukunft auf einer auf dem Azure-Stack basierenden Private-Cloud-Plattform laufen. Betrieben wird sie vom Churer Dienstleister Inventx in seinen beiden geografisch getrennten Rechenzentren. Für businessunkritische Anwendungen sollen Ressourcen aus Microsofts Azure-Plattform, also der öffentlichen Cloud, bezogen werden.
Für Inventx ist dies, wenige Tage nachdem der Deal mit den Clientis-Banken unterzeichnet wurde, bereits der zweite grosse Outsourcing-Auftrag innert kurzer Zeit. Wie schon für das Clientis-Projekt sollen auch für den Swiss-Life-Auftrag neue Stellen in Chur geschaffen werden (siehe unten).
Mehr Flexibilität für digitale Transformation
Swiss Life bezeichnet seinen Entschluss als "nächsten Schritt in der digitalen Transformation". Eine wichtige Voraussetzung dafür dürfte gewesen sein, dass es Swiss Life im Gegensatz zu vielen anderen Schweizer Finanzunternehmen schon geschafft hat, alle Mainframes abzulösen.
"Unsere Digitalisierungsstrategie erfordert eine zunehmend schnellere Abbildung der Businessanforderungen, auch auf technologischer Seite. Neue Möglichkeiten in der IT kommen auf uns zu, die verstanden und für unsere breite Kundenbasis gewinnbringend genutzt werden wollen", erklärt Beat Marbach, Leiter Informatik bei Swiss Life Schweiz nun zum aktuellen Schritt in die Cloud. "Cloud-Lösungen ermöglichen diese Flexibilität."
Endziel: Keine eigenen RZs mehr
inside-it.ch hat Swiss Life zu diesem Projekt per E-Mail einige weiterführende Fragen gestellt. Mediensprecher Dajan Roman hat sie beantwortet.
inside-it.ch: Wie weitgehend ist die IT-Infrastruktur-Auslagerung? Wird Swiss Life auch nach Abschluss des Projekts noch eigene Rechenzentren betreiben?
Roman: Swiss Life wird das gesamte Applikationsportfolio einer Cloud-Readiness-Prüfung unterziehen: Es wird also geprüft, welche Applikationen in die Public Cloud transferiert und welche in der Private Cloud bleiben – selbstverständlich immer unter Berücksichtigung entsprechender Compliance- und Governance-Richtlinien. Aus der Private Cloud von Inventx beziehen wir Software-, Platform- als auch Infrastructure-as-a-Service. Ziel ist, keine eigene Rechenzentrums-Infrastruktur mehr zu betreiben.
2015 hat Beat Marbach in einem Gespräch mit uns erwähnt, dass Swiss Life eine Private Cloud in RZs von Green.ch betreibt. Bleibt diese bestehen?
Aufgrund unserer historisch gewachsenen Infrastruktur, die zum Beispiel für die Umsetzung des neuen Systems "Swiss Life myLife" und für die Ablösung der Legacy-Systeme nötig war, sind wir an verschiedenen Standorten mit unterschiedlicher Maturität unterwegs. Um eine höhere gleichförmige Maturität auch bezüglich des IT-Service Continuity Managements zu erreichen, werden wir eine Konsolidierung auf zwei georedundante Standorte durchführen. Dazu gehört auch die Überführung der Private Cloud, die bei Green.ch läuft.
Was wohin kommt, wird noch geprüft
In der Medienmitteilung wird erwähnt, dass das Kundenportal myWorld "zu Teilen" in die neue Private Cloud Umgebung überführt wird. Und stimmt es, dass Swiss Life bereits Office 365 von Microsoft, und damit aus der Azure Public Cloud bezieht? Können Sie weitere Beispiele nennen, welche Applikationen aus der Public und welche aus der Private Cloud bezogen werden sollen?
Swiss Life setzt Office 365 heute noch nicht ein, obwohl wir natürlich auch dieses Thema im Fokus haben. Die Applikation "Swiss Life myWorld" wird bereits heute in einem hybriden Modus zwischen der Public Cloud von Azure und der Private Cloud betrieben. Bezug und Verwendung weiterer Services aus der Azure Cloud werden überprüft.
Wie weit geht die Auslagerung der Aufgaben an Inventx? Wird der Dienstleister beispielsweise auch die Anpassung der Applikationen an den Azure Stack vornehmen?
Basis für den Bezug unserer Services ist die "Oberkante" des Azure Pack, den Inventx verantwortet und zur Verfügung stellt. Die Applikationsverantwortung bleibt voll und ganz bei Swiss Life. Die Entwicklung der Applikationen sowie Anpassungen und Betrieb sind ausschliesslich Sache von Swiss Life.
Laut Beat Marbach sind 60 bis 70 Prozent der Applikationen von Swiss Life in .NET geschrieben. Diese dürfte sich besonders zur Auslagerung auf Azure eignen. Werden trotzdem auch Nicht-.NET-Apps ausgelagert?
Es ist durchaus denkbar, dass die Applikationen, die wir aus wirtschaftlichen Gründen nicht in der gewünschten Zeit umschreiben können, in einer Container-Lösung ausgelagert werden.
Keine Stellenstreichungen
Inventx erwähnt in seiner Medienmitteilung, dass Aufgrund des Auftrags 15 bis 20 neue Stellen in Chur geschaffen werden können. Muss man davon ausgehen, dass ungefähr gleich viele Stellen in der Swiss-Life-IT gestrichen werden?
Nein, bei der Swiss-Life-IT werden keine Stellen gestrichen. Seit rund einem halben Jahr arbeiten wir mit einem Skill-Shift-Programm daran, unsere Mitarbeitenden für die neuen Herausforderungen im Cloud-Umfeld fit zu machen.
Inventx: Infratruktur bereits gebaut
Bei Inventx sucht man bereits für den Clientis-Auftrag rund 25 neue IT-Profis, nun sollen für den Swiss-Life-Auftrag weitere neue Stellen geschaffen werden. Angesichts des Mangels an Fachkräften, gerade auch im Bereich der immer noch relativ jungen Cloud-Infrastrukturen, nicht unbedingt eine einfache Sache. Wie uns Roman Dinkel, Marketingleiter bei Inventx erklärte, passen die beiden Projekte aber "perfekt nebeneinander", da sie unterschiedlich gelagert sind. Darum würden auch mehrheitlich unterschiedliche Fachkräfte benötigt: "Inventx wird beide Projekte problemlos stemmen können."
Die Infrastruktur für die Swiss-Life-Cloud habe man bereits für die Proof-of-Concept-Phase aufgebaut, so Dinkel. Nun gehe es hauptsächlich um die Migration und den späteren Betrieb der Applikationen. Dafür brauche man vor allem Engineers, die sich mit Microsoft Azure auskennen. Der Auftrag der Clientis-Banken beinhalte dagegen die Migration der gesamten Kernbankensoftware von Finnova. Dafür würden hauptsächlich Software-Manager mit enstprechendem Finnova-Know-How benötigt. (Hans Jörg Maron)

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