Swisscom baut schon wieder Stellen ab

10. November 2004, 10:41
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Im Laufe des nächsten Jahres sollen bei Swisscom Fixnet 240 und bei der neuen Gruppengesellschaft Swisscom Solutions 150 Vollzeitjobs gestrichen werden. Die Gewerkschaft Kommunikation ist empört.

Die Swisscom scheint den Spruch "Spare beizeiten, dann hast Du in der Not" nun wirklich verinnerlicht zu haben. Über die letzten Jahre wurde der Personalbestand, trotz erklecklicher Gewinne, kontinuierlich reduziert. Dies geht auch im nächsten Jahr so weiter: Anlässlich eines Zwischenberichts über den Geschäftsverlauf in den ersten neun Monaten des Jahres hat der mit Abstand grösste Schweizer Telco für 2005 den Abbau von 390 Stellen angekündigt: 240 bei Swisscom Fixnet, 150 bei Swisscom Solutions. Die Letztere ist die neue Gruppengesellschaft, die aus den bisherigen Gesellschaften Swisscom Systems und Swisscom Enterprise Solutions entstehen wird.
Swisscom begründet den Abbau mit dem Kostendruck: Neue Technologien wie Voice over IP, der intensive Konkurenzkampf auf dem Telco-Markt und "gegen Swisscom gerichtete Eingriffe des Regulators in den Markt" würden zu weiter fallenden Preisen führen.
Sozialplan
Die vom Personalabbau betroffenen Mitarbeitenden profitieren von dem vor drei Jahren ausgehandelten, recht grosszügigen Sozialplan der Swisscom: So erhalten sie während 12 bis 18 Monaten weiter den vollen Lohn, werden von der Swisscom-Tochter PersPec Personal Perspectives AG in der beruflichen Neuausrichtung begleitet oder durch das Gründerprogramm mit Tips für den Weg in die Selbständigkeit versorgt. Durch PerSpec, meldet Swisscom, hätten 85% der 2900 Personen, die das Programm bisher durchlaufen haben, eine neue Beschäftigung gefunden.
Es ist sicher gut, wenn ein Unternehmen vorausschauend handelt. Die aktuelle Swisscom-Bilanz liegt etwas unter den Erwartungen der Analysten. Der Reingewinn ist 17,2% tiefer als in der gleichen Periode im letzten Jahr. Da er aber immer noch bei 1,14 Milliarden Franken liegt, ist es wohl auch verständlich, dass die Arbeitnehmer und ihre Vertreter wenig Verständnis für den neuerlichen Stellenabbau haben.
Gewerkschaft "empört"
Die Gewerkschaft Kommunikation zeigt sich in einem aktuellen Communiqué denn auch "empört" über die neuste Swisscom-Aktion: "Es ist nicht nachvollziehbar, dass weiterhin die Interessen der Aktionäre über jene des Personals gestellt werden. Angesichts seines Geschäftsresultats und der allgemeinen Wirtschaftslage hat das Unternehmen die Pflicht, die Geldmittel für arbeitserhaltende Massnahmen einzusetzen."
Konkrete Massnahmen gegen die Swisscom plant die Gewerkschaft momentan allerdings nicht, wie Vizepräsident Alain Carrupt gegenüber inside-it.ch erklärte. Man habe in früheren Verhandlungen bereits Massnahmen ausgehandelt, dank derer weniger Swisscom-Angestellte betroffen seien, als zuerst befürchtet. Weitere Verhandlungen seien in Gang, und man hoffe auch die nun angekündigte Zahl von 390 zu streichenden Stellen noch weiter reduzieren zu können.
Swisscom soll mehr investieren
Die Gewerkschaft fordert von der Swisscom vor allem mehr Investitionen in innovative Technologien. "Das Unternehmen hat ja nun wirklich genug Geld, um solche Investitionen zu finanzieren, wie auch die neuste Bilanz wieder beweist", erklärte uns Carrupt. Er hat zudem konkrete Vorstellungen, wo Swisscom investieren sollte: "Speziell im Bereich Breitband und bei der Triple-Play-Strategie agiert die Swisscom noch zu vorsichtig." (Anm. der Redaktion: "Triple Play" nennt man die Strategie, Internet, Telefonie und Fernsehen über den gleichen Zugang anzubieten.) (Hans Jörg Maron)

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