Swisscom-Gespann schnappt IBM die Genfer Kantonalbank weg

10. August 2010, 11:35
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Für einen "hohen zweistelligen Millionenbetrag" wechselt die Genfer Kantonalbank vom bisherigen IT-Betriebspartner IBM zu Swisscom und Comit. Rechtsstreit zwischen IBM und Genfer Kantonalbank.

Für einen 'hohen zweistelligen Millionenbetrag' wechselt die Genfer Kantonalbank vom bisherigen IT-Betriebspartner IBM zu Swisscom und Comit. Rechtsstreit zwischen IBM und Genfer Kantonalbank.
Die Genfer Kantonalbank (BCGE) hat heute in ihrer Mitteilung zu den Halbjahreszahlen mitgeteilt, dass sie vom IT-Partner IBM zu Swisscom/Comit wechselt und sich in einem Rechtsstreit mit IBM befindet. Im März war bekannt geworden, dass es zwischen der Bank und IBM "eine Meinungsverschiedenheit um eine Vertragsinterpretation" gab. Die Meinungsverschiedenheit betraf ausschliesslich finanzielle Aspekte – mit den Leistungen von IBM war man in Genf zufrieden.
Im Mai habe man nun den Transfer der Informatikstruktur zu Swisscom beschlossen, heisst es in der Mitteilung der BCGE. Konkret hat Swisscom Schweiz die Betreuung des Netzwerks übernommen, Swisscom IT Services (SCIS) ist für den Betrieb der Bankensoftware Finnova im Rechenzentrum verantwortlich und die SCIS-Tochter Comit ist als Vertragspartnerin für das Application-Management zuständig. Der Wechsel zu Swisscom macht für die BCGE insofern Sinn, als sie schon im Desktop-Bereich mit SCIS arbeitet und bereits 2008 den Zahlungsverkehr an die jetzige SCIS-Tochter Sourcag ausgelagert hatte.
Für SCIS ist die BCGE der grösste Kundengewinn im welschen Bankengeschäft. SCIS-Sprecher Martin Schweikert beziffert das Volumen des fünfjährigen Auftrages auf einen "hohen zweistelligen Millionenbereich". Der Transfer zu Swisscom/Comit soll noch diesen Herbst abgeschlossen werden. IBM bestätigte die Angaben in der Mitteilung der BCGE, wollte aber den Kundenverlust nicht weiter kommentieren.
Mehraufwand für BCGE
Für die BCGE bedeutet der Wechsel zu Swisscom zunächst Mehraufwand. Ein Bezug von 15 Millionen aus den Reserven für allgemeine Bankrisiken finanziere einen Grossteil des IT-Projekts, schreibt die BCGE. Der Betriebsaufwand unterliege einer "punktuellen und einmaligen Erhöhung" aufgrund des direkten Aufwands und weiterer angekündigter Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Transfer der IT-Infrastruktur T2i, so BCGE. Der Betriebsaufwand erhöhte sich wegen der ausserordentlichen Kosten um 4,9 Prozent auf 111,8 Millionen Franken.
Das IT-Projekt werde den Aufwand des Geschäftsjahres auch weiterhin bedeutend beeinflussen, schreibt die BCGE, die für das laufende Geschäftsjahr keine Gewinnsteigerung erwartet. Die Bank ist zuversichtlich, dass sie nach Abschluss der "grossen Projekte" im Informatikbereich ab 2011 über eine "vollständig modernisierte technologische Plattform und starke kommerzielle Vorteile" verfügt. (Maurizio Minetti)

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