Swisscom gibt WiMAX-Lizenz zurück

23. Dezember 2009, 11:03
  • telco
  • swisscom
image

Der Telekom-Marktführer hat in den vergangenen Jahren mindestens 6 Millionen Franken in die drahtlose Datenübertragungstechnik WiMAX investiert. Doch heute setzen Telekom-Anbieter lieber auf LTE. Auch Cablecom und Callix scheinen kein Interesse mehr an WiMAX zu haben.

Der Telekom-Marktführer hat in den vergangenen Jahren mindestens 6 Millionen Franken in die drahtlose Datenübertragungstechnik WiMAX investiert. Doch heute setzen Telekom-Anbieter lieber auf LTE. Auch Cablecom und Callix scheinen kein Interesse mehr an WiMAX zu haben.
LTE ist die Zukunft, WiMAX die Vergangenheit. Gemäss diesem Motto hat der Schweizer Telekom-Marktführer Swisscom entschieden, die im Sommer 2006 erworbene und eigentlich zehn Jahre gültige BWA-Lizenz, die auch WiMAX erlaubt, wieder zurückzugeben. Sowohl Peter Bär, Sprecher der Kommunikationskommission (ComCom), als auch Swisscom-Sprecher Sepp Huber bestätigen dies auf Anfrage von inside-it.ch.
WiMAX hat sich nicht durchgesetzt
Swisscom hatte die BWA-Konzession im Juni 2006 für 6,1 Millionen Franken ersteigert. Laut Sepp Huber investierte Swisscom insgesamt einen "einstelligen Millionenbetrag" in die Technologie. Er betont, dass Swisscom freiwillig auf die BWA-Lizenz verzichte. LTE (Long Term Evolution), die neuste mobile Internet-Technologie, stehe vor der Tür - WiMAX habe sich hingegen zumindest hierzulande nie durchsetzen können.
Hubers Einschätzung stimmt wohl. WiMAX-fähige Hardware ist begrenzt verfügbar, zudem sind die topografischen Verhältnisse in der Schweiz nicht ideal dafür. Als Nische in der Grundversorgung wäre WiMAX eventuell ein Thema gewesen, sagt Huber.
Nach dem Kauf der BWA-Lizenz (Broadband Wireless Access) war Swisscom ursprünglich verpflichtet, bis Ende 2007 den kommerziellen Betrieb aufzunehmen. Die Frist wurde später um zwei Jahre verlängert. Per Ende 2009 hätten eigentlich auch 120 Antennen stehen sollen. Vor wenigen Wochen wollte Swisscom die Frist erneut verlängern lassen – doch der Telekom-Regulator war dagegen. Gemäss ComCom drohen Swisscom keine finanziellen Konsequenzen seitens der Behörden.
Auch Cablecom und Callix schreiben WiMAX ab
In der Schweiz gibt es noch eine zweite BWA-Lizenz, die im Besitz des Kölner Unternehmens Callix (vormals Inquam Broadband) ist. Callix ist nach wie vor verpflichtet, bis September 2010 mindestens 120 Antennen zu betreiben. Es darf davon ausgegangen werden, dass auch Callix die 5,8 Millionen Franken teure Lizenz zurückgeben wird. Für eine Stellungnahme war bis Redaktionsschluss niemand erreichbar.
Darüber hinaus wäre auch der grösste Schweizer Kabelnetzbetreiber Cablecom in der Lage, WiMAX-Angebote zu lancieren – und zwar über die WLL-Lizenz (Wireless Local Loop). Diese wurde von der späteren Cablecom-Mutter Liberty Global im Jahr 2000 für 160 Millionen Franken erworben. Vor drei Jahren hiess es bei Cablecom noch, man prüfe die Option, WiMAX-Dienste anzubieten. Vergangenes Jahr hiess es dann aber, man plane nichts Konkretes. Auf Anfrage sagt Cablecom auch heute wieder, dass nichts geplant sei. Somit darf angenommen werden, dass auch Cablecom bis zum Auslaufen der WLL-Lizenz im Mai 2010 keine WiMAX-Angebote lancieren wird. (Maurizio Minetti)

Loading

Mehr zum Thema

image

Talkeasy Schweiz wird liquidiert

Am 14. Dezember 2022 wurde Talkeasy aufgelöst. Der Schweizer Telco war für seine aggressive Kundenbindung bekannt.

publiziert am 27.1.2023
image

Wohneigentümer können sich wieder Priorität im Glasfaser­ausbau erkaufen

Über zwei Jahre lang nahm Swisscom keine Glasfaser­bestellungen von Eigenheim­besitzern entgegen. Das ist seit dem 1. Januar wieder anders.

publiziert am 17.1.2023
image

WWZ übernimmt Databaar

Dabei gehe es um eine geordnete Nachfolgeregelung, sagt der Chef des bisherigen Databaar-Betreibers Stadtantennen AG.

publiziert am 10.1.2023 1
image

Auch Salt stellt MMS-Dienst ein

Nach Swisscom stellt auch das Telekomunternehmen Salt seinen MMS-Dienst ein. Für das Versenden von Fotos und Videos über das Mobilfunknetz gibt es mittlerweile viel beliebtere Alternativen.

publiziert am 9.1.2023