Swisscom IT Services im Clinch mit Gewerkschaft

24. Januar 2011, 12:33
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Der IT-Outsourcer der Swisscom-Gruppe will keinen Lohnabschluss über zwei Jahre und gelangt ans Schiedsgericht.

Der IT-Outsourcer der Swisscom-Gruppe will keinen Lohnabschluss über zwei Jahre und gelangt ans Schiedsgericht.
Die Lohnverhandlungen zwischen der Swisscom-Gruppe und den Gewerkschaften waren Ende 2010 besonders harzig. Wie schon im Vorjahr wurde erneut mit dem Schiedsgericht gedroht, schliesslich einigte man sich darauf, für 2011 eine individuelle sowie generelle Erhöhung der Löhne um 2,6 Prozent und für 2012 eine solche um 2,4 Prozent zu gewähren. Diese Verteilung auf zwei Jahre ist nicht üblich. Der IT-Dienstleister Swisscom IT Services (SITS), der zum Konzern gehört, akzeptiert diesen Lohnabschluss der Muttergesellschaft nicht, wie die Gewerkschaft Syndicom in ihrer Zeitung am Freitag publik machte. Zu Nachverhandlungen kam es aber gar nicht, weil man bei einem Treffen Anfang Januar zum Schluss kam, dass die Positionen zu unterschiedlich sind. Deshalb wurde das Schiedsgericht eingeschaltet.
Zu langfristig
SITS wolle den Mitarbeitenden beim Lohnabschluss 2010/2011 nicht mehr als ein Prozent Lohnerhöhung gewähren, heisst es in der Gewerkschaftszeitung. In einer internen Mitteilung von SITS, die inside-it.ch vorliegt, werden die Gründe für eine separate Lohnrunde erwähnt. "Eine Erhöhung der gesamten Lohnsumme für die nächsten zwei Jahre bereits heute festzulegen, schränkt unseren Handlungsspielraum ein", heisst es da. Im Unterschied zur Telco-Branche müsse sich SITS gegen internationale Konkurrenten in einem stark umkämpften, globalen und nicht regulierten Markt behaupten, zudem sei der IT-Dienstleistungsmarkt sehr personalintensiv und erziele im Vergleich zum regulierten Telco-Markt wesentlich tiefere Margen. Es sei "sehr anspruchsvoll", den budgetierten Umsatz auch in den kommenden Jahren zu erreichen. Eine auf zwei Jahre fix festgelegte Erhöhung der Lohnsumme in der ausgehandelten Dimension sprenge den verträglichen Rahmen. Die Lohnanpassungen für 2011 sollen sich deshalb am lokalen IT-Markt und an den Konkurrenten orientieren.
SITS schreibt in der internen Mitteilung klar, dass, wenn man das ausgehandelte Ergebnis akzeptieren würde, man gezwungen wäre, zusätzliche Effizienzsteigerungen wie Anpassungen im Personalbestand vorzunehmen und Offshoring-Anstrengungen unmittelbar zu forcieren. Syndicom nehme somit einen Stellenabbau bewusst in Kauf. Die Gewerkschaft wird auch deshalb kritisiert, weil sie entgegen der getroffenen Abmachung via Rundmail alle SITS-Mitarbeitende angeschrieben hat.
Das Schiedsverfahren dürfte gemäss SITS zwischen zwei bis sechs Monate dauern. Für die rund 3000 Mitarbeitenden gilt, dass allfällige Anpassungen der nun beschlossenen Lohnerhöhung möglich sind, sobald das Verhandlungsergebnis definitiv ist. Im Rahmen der provisorischen Lohnrunde werden die Löhne generell um 0,5 Prozent erhöht. Weitere 0,5 Prozent stehen für individuelle Lohnerhöhungen zur Verfügung. Bei den Kadermitarbeitenden gibt es eine individuelle Lohnerhöhung um 1 Prozent.
SITS wollte gegenüber inside-it.ch keine Stellung nehmen zu den Verhandlungen mit Syndicom. (mim)

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