Swisscom: "Kein Steuereintreiber"

7. Mai 2009, 08:49
  • telco
  • swisscom
  • geschäftszahlen
image

Uuups: Wir haben die Netzkosten unterschlagen.

Uuups: Wir haben die Netzkosten unterschlagen.
Unser gestriger Artikel unter dem Titel Swisscom als (erfolgreicher) Steuereintreiber ist auf Kritik gestossen. Wenig überraschend kommt diese von Swisscom selbst, was aber nichts daran ändert, dass die Kritik in einigen Punkten berechtigt ist.
So berücksichtigten wir in der Darstellung der Ergebnisse der einzelnen Segmente nicht, dass Swisscom die Kosten für den Unterhalt der Netze in einem eigenen Segment aufführt. Dieses Segment ist, da es praktisch keine Erträge sondern nur Kosten enthält, stark defizitär. Das führt dazu, dass die "Gewinne" (eigentlich sind es "Deckungsbeiträge", aber dazu unten mehr) der von uns angeschauten Segmente "Privatkunden", "KMU", "Grossunternehmen" und "Wholesale" zu hoch aussehen.
In Zahlen: Die von uns aufgeführten "Segmentergebnisse" betragen total 1,298 Milliarden Franken vor Abschreibungen. Davon wären dann neben den Abschreibungen die Netzkosten von 379 Millionen Franken abzuziehen.
Von "Gewinnen" und "Deckungsbeiträgen"
Ebenfalls Diskussionsstoff liefert der Begriff "Segmentergebnis", den Swisscom in der Quartalsberichterstattung verwendet. Swisscom-Sprecher Sepp Huber würde den in KMUs beliebten Begriff "Deckungsbeitrag" bevorzugen. Bei den Zahlen, die Swisscom für die Berechnung der "Marge in % des Nettoumsatzes" verwendet, handelt es sich um den Betriebsgewinn. Davon abzuziehen sind die Netzkosten, Abschreibungen, Zinsen auf Fremdkapital, Wertberichtigungen und schliesslich auch die Steuern.
Und noch ein Fehler: Die KMU-Hotline ist gratis
Zu guter letzt wies uns Swisscom-Sprecher Sepp Huber gestern Abend auf einen sachlichen Fehler im kritisierten Artikel hin. Die von uns erwähnte Support-Hotline für KMUs ist gratis.
Wir haben ebendiese letzte Woche übrigens in Anspruch genommen und können sagen: Der Support war recht rasch erreichbar (ca. 5 Minuten), kompetent und freundlich. Unser Supporter hat sich zu unserer Überraschung übrigens nach erfolgtem Technikerbesuch von sich aus erkundigt, ob nun unser Problem gelöst sei und uns Ratschläge gegeben, was zu tun sei, wenn neue Probleme auftauchen sollten. (Christoph Hugenschmidt)
Swisscom-Stellungnahme im O-Ton
Huber liess uns heute Morgen folgende Stellungnahme zukommen, die wir hier im Original wiedergeben:
~~"Die Segmentergebnisse im Artikel sind Deckungsbeiträge und haben nichts mit Gewinnen zu tun, denn die Netzkosten von Swisscom Schweiz sind darin nicht enthalten. Die Netzkosten sind bei einem infrastrukturbasierten Unternehmen wie Swisscom hoch. Ebenso nicht enthalten sind in den Segmentergebnissen Zinsen, Steuern und Aufwand für die Administration.
Swisscom Schweiz erzielt im Branchenvergleich übliche Betriebsgewinnmargen (EBITDA) eines infrastrukturbasierten Telecom-Unternehmens, im nationalen wie auch im internationalen Vergleich. Naturgemäss haben jedoch andere Unternehmen mit einem anderen Geschäftsmodell auch tiefere Betriebsgewinnmargen, insbesondere Wiederverkäufer von beispielsweise bei Swisscom eingekauften Vorleistungen. Swisscom hingegen investiert jährlich sehr hohe Beträge und benötigt höhere Betriebsgewinnmargen, um die Kapitalkosten decken zu können.
Der Bereich Wholesale bietet zwar regulierte Dienste an, der grösste Umsatzanteil wird jedoch mit nicht regulierten Angeboten erzielt.
Die KMU-Hotline ist gratis (0800 055 055)."~~

Loading

Mehr zum Thema

image

Schwacher PC-Markt belastet Lenovo

Wachstum in anderen Bereichen kann die Rückgänge im PC-Absatz nicht wettmachen. Der chinesische Hersteller stagniert.

publiziert am 11.8.2022
image

Krise bei Avaya manifestiert sich nun auch in schwachen Zahlen

Im letzten Quartal hat Avaya 20% weniger Umsatz als noch vor einem Jahr erwirtschaftet. Das Unternehmen äussert gar Zweifel am eigenen Fortbestehen.

publiziert am 10.8.2022
image

Also will für bis zu 100 Millionen Euro Aktien zurückkaufen

Der Distributor lanciert einen Aktienrückkauf. Also-Konzernchef Möller-Hergt hält die Papiere derzeit für unterbewertet.

publiziert am 9.8.2022
image

Techinvestor Softbank mit Riesenverlust durch Börsen-Talfahrt

Der japanische Konzern muss einen Quartalsverlust in zweistelliger Milliardenhöhe verbuchen. Viele Tech-Titel schlagen negativ zu Buche.

publiziert am 9.8.2022