Swisscom kitzelt 500 Mbit/s aus Kupferdrähten

4. Mai 2015, 13:12
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Seit April ist bei einigen Testkunden die "G.fast"-Technologie im Einsatz.

Seit April ist bei einigen Testkunden die "G.fast"-Technologie im Einsatz.
Die Verbreitung von Glasfaseranschlüssen in Haushalten und Unternehmen nimmt in der Schweiz zwar rasch zu, aber noch überwiegen Kupferdrahtanschlüsse für Telefon und Internet. Dort, wo auch TV-Kabelanschlüsse vorhanden sind, ermöglichen diese aber gegenwärtig eine deutlich höhere Spitzenbandbreite. Kabelnetzbetreiber wie UPC Cablecom bieten Abonnemente mit bis zu 250 Mbit/s, stellenweise auch schon 500 Mbit/s. Bei Swisscom und anderen Providern, die die alten Telefonleitungen benützen, ist bei 100 Mbit/s Schluss.
Swisscom versucht nun, diesen Temponachteil durch die Einführung einer neuen Technologie namens G.fast wenigstens in einem Teil der Haushalte zu korrigieren. G.fast ermöglicht laut Swisscom Bandbreiten von bis zu 500 Mbit/s auch dort, wo die "letzte Meile" noch aus Kupferkabeln besteht. Allerdings muss diese letzte Meile deutlich kürzer sein als eine Meile, und nicht jeder Haushalt wird die vollen 500 Mbit/s erreichen. Voraussetzung für das erhöhte Tempo ist, dass die Glasfasern schon bis in die Gebäude (Fibre to the Building FTTB) oder zumindest bis zum Strassenverteiler (Fibre to the Street, FTTS) verlegt worden sind. Bei letzterem reichen die Glasfasern typischerweise bis höchstens 200 Meter vor die Gebäude. Wenn die Distanz deutlich grösser ist, so erklärte Swisscom-Sprecher Olaf Schulze gegenüber inside-it.ch, wird Swisscom auf eine Aufrüstung verzichten, weil G.fast in soichen Situationen keine Vorteile bringt. Auch bei 200 Metern Kupferkabel oder weniger hängt die erreichbare Bandbreite noch von der Distanz und einigen weiteren Umständen ab.
Seit April testet Swisscom die neue Technologie bei ersten Kunden im Dorf Bibern im Kanton Solothurn. Der Technologiepartner ist Huawei. Falls die Tests positiv verlaufen, will der Telco ab dem nächsten Jahr G.fast für fast alle FTTS- und FTTB-Anschlüsse einrichten. Laut Olaf Schulze hatten letztes Jahr in der Schweiz 50'000 Haushalte solche Anschlüsse. Der Ausbau der Glasfasernetze geht aber dauernd weiter, so dass nach unserer Schätzung nächstes Jahr rund 100'000 Haushalte betroffen sein dürften. G.fast nützt auf Kupferkabeln ein höheres Frequenzspektrum, als bisherige Übertragungstechnologien. Kunden werden für die Umstellung von Swisscom deshalb auch ein neues Modem erhalten. (Hans Jörg Maron)

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