Swisscom lanciert "KMU Business World"

1. Oktober 2012, 13:24
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Nach dem Vorbild von Apple hat Swisscom einen "Marketplace" für Applikationen für KMU lanciert. "KMU Business World" ist ein gutes Basisangebot - aber noch ausbaufähig.

Nach dem Vorbild von Apple hat Swisscom einen "Marketplace" für Applikationen für KMU lanciert. "KMU Business World" ist ein gutes Basisangebot - aber noch ausbaufähig.
"In fünf bis zehn Jahren wird KMU-Software nur noch aus dem Internet als Service bezogen werden." Dies sagte heute Roger Wüthrich-Hasenböhler, Leiter Geschäftsbereich KMU von Swisscom, an einer gut besuchten Medienkonferenz in Zürich. Seiner Meinung nach - und er ist nicht der einzige mit dieser Meinung - verändert sich das Geschäftsleben derzeit radikal: Immer mehr Dienste werden direkt auf Abo-Basis aus dem Netz bezogen. Kunden bezahlen eine monatliche Gebühr für einen Dienst und kaufen immer weniger stationäre Softwarelösungen. Von diesem Trend möchte Swisscom profitieren. Deshalb wurde heute KMU Business World lanciert. Konzipiert und umgesetzt wurde die Plattform von Unic, wie der Webdienstleister separat mitgeteilt hat.
Mit dem neuen Dienst lanciert Swisscom in der Schweiz, was vor kurzem auch die Deutsche Telekom in unserem nördlichen Nachbarland gemacht hat: Es ist eine Online-Plattform mit einem integrierten, virtuellen Laden für Software-Tools. Die Apps von Drittanbietern sind webbasiert und sollen über alle gängigen mobilen Geräte angesteuert werden können. Das Konzept kennt man von Apple und es wurde in den vergangenen Jahren zum Teil recht erfolgreich von vielen anderen Anbietern kopiert. Swisscom macht denn auch keinen Hehl daraus, dass man sich von Apple inspirieren liess. Das Geschäftsmodell ist potenziell lukrativ, denn in der Schweiz gibt es eine Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Swisscom hat mit KMU Business World vor allem Kleinfirmen im Visier. Ihnen wolle man den Eintritt in die Online-Welt vereinfachen, sagten Swisscom-Vertreter heute Morgen.
Apps für Kleinunternehmen
Zentraler Bestandteil von "KMU Business World" ist der "Business Marketplace", wie der Online-Laden für Apps bei Swisscom genannt wird. Er enthält erst elf Applikationen von ebenso vielen Entwicklern. Darunter befinden sich etwa die Buchhaltung Amanda, die Kleinfirmen-Applikation Mila, oder auch Memonic (Online-Notizbuch) und der Online-Speicher DigitalSafe. Bis Ende Jahr möchte man mindestens 15 Apps im Angebot haben, sagte Jens Margraf, Head of Online & CRM Experience bei Swisscom.
Geld verdienen möchte Swisscom dabei ähnlich wie Apple mit dem App Store. Es besteht ein Modell zur Verteilung der Umsätze, die durch den Verkauf von Abonnementen generiert werden. Den konkreten Verteilschlüssel nannte Swisscom nicht; er hängt unter anderem davon ab, ob Software-Entwickler die App bei Swisscom hosten lassen oder nicht. Die Preisspanne reicht von 6 bis 149 Franken pro Monat für eine App. Die Business Apps können vor dem Kauf kostenlos getestet und anschliessend per Kreditkarte bezahlt werden. Die Applikationen sind mit dem Swisscom Login (Single Sign-on) über eine sichere Leitung zugänglich.
Der "Marketplace" ist aber nicht alles. Swisscom möchte den KMU über die neue Plattform auch eigene, bestehende Dienste anbieten. Darüber hinaus soll KMU Business World für die Firmen auch eine Art Visitenkarte im Netz sein. Durch Partnerschaften mit diversen KMU-Instituten sorgt Swisscom zudem dafür, dass auf der Hauptseite ständig neue Inhalte (etwa Fachartikel und Studien) über die Schweizer KMU-Welt aufgeführt sind.
Unser Kommentar:
Es ist kaum eine schlechte Idee, wenn man in der Schweiz einen Service für KMU lanciert. Schliesslich ist die Schweiz ein KMU-Land mit besonders vielen, lokal verankerten Kleinfirmen mit 1 bis 3 Mitarbeitenden. Swisscom geniesst ohne Zweifel das Vertrauen vieler Kunden in der Schweiz und ist als Provider quasi prädestiniert, Online-Dienste anzubieten.
Die entscheidende Frage wird sein, ob es Swisscom gelingt, diese heterogene Masse über eine gemeinsame Plattform anzusprechen. Der Sanitär, die freiberufliche Musikerin, die Drei-Mann-Gipserei müssen einen Mehrwert erkennen, um die neue Plattform von Swisscom zu nutzen. Schliesslich kann man die Apps zum grossen Teil auch direkt bei den Softwareherstellern oder über andere "Stores" beziehen. Swisscom hat die ökonomische Kraft, die neue Dienstleistung zu vermarkten, doch wenn in den nächsten Monaten trotzdem keine Community entsteht, wird die KMU-Plattform bald in Vergessenheit geraten.
Wichtig wird also sein, dass Swisscom die Plattform laufend ausbaut und neue, vielleicht exklusive Dienste hinzufügt. Eine Kleinfirma möchte eine günstige VoIP-Lösung? Im "Marketplace" - und nur da - gibt’s eine Swisscom-App dafür. Und wer weiss, vielleicht wird Swisscom künftig auch grössere Unternehmen ansprechen. Hier bestünde die Möglichkeit, zusätzlich Integrationsdienstleistungen zu verkaufen - eine Aufgabe für die Swisscom-Tochter Axept Webcall oder für Swisscom IT Services. (Maurizio Minetti)

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