Swisscom mit miserablem Betriebsergebnis

9. August 2006, 08:49
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Mehr ADSL- und Mobilfunk-Kunden, dafür weniger Umsatz und weniger Gewinn. Die Jahresprognosen für das Betriebsergebnis wurden gesenkt.

Mehr ADSL- und Mobilfunk-Kunden, dafür weniger Umsatz und weniger Gewinn. Die Jahresprognosen für das Betriebsergebnis wurden gesenkt.
Swisscom präsentierte heute erneut rückläufige Geschäftszahlen für das vergangene erste Halbjahr. Der Umsatz des Telekommunikationskonzerns schrumpfte um 2,8 Prozent von 4,91 auf 4,77 Milliarden Franken. Der Reingewinn ging um über ein Drittel zurück auf 759 Millionen Franken. Im ersten Semester 2005 betrug der Reingewinn noch 1,11 Milliarde Franken. Das Betriebsergebnis (EBITDA - Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) betrug 1,81 Milliarden Franken verglichen mit 2,19 Milliarden Franken im Vorjahr und ging somit um 17,5 Prozent zurück. Auch ohne Abschreibungen verzeichnete Swisscom einen Gewinnrückgang um 25,7 Prozent. Nach der Ankündigung der Geschäftszahlen heute Morgen verlor die Swisscom-Aktie bis zu 3,4 Prozent.
Swisscom IT Services enttäuschend
Hauptgründe für die schlechten Zahlen seien reduzierte Preise für die Mobilfunkterminierung, sowie zusätzliche Rückstellungen für die laufenden Interkonnektionsverfahren. Mit Rückstellungen von 537 Millionen Franken sei die Swisscom nun ausreichend abgesichert, sagte Konzernchef Carsten Schloter. Das Bundesgericht hatte unlängst entschieden, dass die Swisscom in den Jahren 2000 bis 2003 von der Konkurrenz zu hohe Interkonnektionsprese verlangt hatte.
Der EBITDA von Swisscom IT Services (SCIS) enttäuschte ebenfalls. SCIS verzeichnete zwar mit externen Kunden ein Umsatzwachstum von 36,7 Prozent auf 164 Millionen Franken. Der Gewinn wurde aber durch erhöhte Aufwendungen für die "Entwicklung von neuen Märkten" sowie Rückstellungen für Vertragsrisiken im Projektgeschäft von 49 Millionen Franken belastet.
Die Aufwendungen und Vertragsrisiken betreffen laut Swisscom "wenige Projekte, die in der starken Wachstumsphase des Unternehmens in den vergangenen Jahren akquiriert wurden." Die Führungsstruktur und die Prozesse seien aber bereits "angepasst" worden, so Swisscom. Das Unternehmen legt Wert darauf, zu betonen, dass das Stammgeschäft von SCIS, die Finanzindustrie, von den Rückstellungen und Aufwendungen "nicht tangiert ist."
Mehr ADSL- und Mobilfunk-Kunden
Swisscom tröstete sich teilweise mit der gestiegenen Anzahl Kunden. Wie auch Konkurrent Sunrise verzeichnete Swisscom mehr Kunden im Bereich Mobilfunk und ADSL. Im Bereich Fixnet stieg die Zahl der Kunden um 32,2 Prozent auf 1,25 Millionen. Davon waren 846'000 Bluewin-Kunden und 407'000 ADSL-Kunden von anderen Providern. Weil vermehrt über Kabel oder Mobilfunk telefoniert wird, verringerte sich die Zahl der analogen und digitalen Anschlüsse bei Swisscom um 2,1 Prozent auf 3,79 Millionen.
Dank M-Budget-Mobile und anderen neuen Preismodellen stieg die Zahl der Mobilfunk-Kunden um 425'000 oder 10,5 Prozent auf 4,47 Millionen. Allerdings fiel der durchschnittliche Umsatz pro Kunde von 78 auf 65 Franken. Dies als Folge der tieferen Preise und des höheren Anteils an Prepaid-Nutzern. Der Anstieg der Vollzeitstellen bei Swisscom um 9,4 Prozent auf 16'739 ist im Wesentlichen dem Erwerb von Antenna Hungária zuzuschreiben.
In den nächsten Wochen soll ein Aktienrückkauf im Volumen von bis zu 2,25 Milliarden Franken lanciert werden. Der Nettoumsatz für das Gesamtjahr soll 9,5 Milliarden Franken betragen. Die Prognosen für das Betriebsergebnis wurden jedoch gesenkt, von bisher 4 Milliarden auf 3,7 Milliarden Franken. (mim)

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