Swisscom pfeift auf 100 Millionen Franken

11. August 2006, 14:47
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Swisscom Fixnet Wholesale verzichtet darauf, Rabatte von ADSL-Providern zurückzufordern. Wieso? Weil man "alternative Breitbandtechnologien" bekämpfen muss.

Swisscom Fixnet Wholesale verzichtet darauf, Rabatte von ADSL-Providern zurückzufordern. Wieso? Weil man "alternative Breitbandtechnologien" bekämpfen muss.
Der Chef des Providers Init7, Fredy Künzler, publizierte heute in seinem Weblog 'blogg.ch' einen eingeschriebenen Brief auf insgesamt 100 Millionen Franken.
Die sogenannten BBCS-Rabatte musste FWS nach einem Entscheid der Wettbewerbskommission (Weko) vor vier Jahren allen Wiederverkäufern gewähren. Diese hatten sich bei der Weko beschwert, weil FWS dem Provider Bluewin einen Rabatt von 20 Prozent gewährt hatte. Der Rabatt wurde aber unter Vorbehalt gewährt. Die Weko wollte abklären, ob der Vorwurf der Marktbeherrschung beziehungsweise der Unzulässigkeit des Rabattschemas zutreffe.
All die vergangenen Jahre erwähnte FWS laut Künzler auf jeder Rechnung an die ADSL-Provider, dass die fehlenden 20 Prozent zurückgefordert werden könnten, sollte die Weko im hängenden Fall FWS Recht geben. Um Druck zu machen, hatten, so Künzler, diese Woche verschiedene Provider Briefe an die Weko geschrieben, in der Hoffnung, dass endlich ein Entscheid gefällt werde. "Dass die Weko den Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung der Swisscom Fixnet Wholesale im Bereich der ADSL-Leitungen bereits seit längerem festgestellt hat, ändert nichts an der Tatsache, dass bis zum heutigen Tag über allen ADSL-Providern ein Damoklesschwert schwebt", schrieb Künzler in seinem Brief an die Weko.
Wettbewerb mit den alternativen Breitbandtechnologien
FWS kam nun einem Weko-Entscheid zuvor und verzichtet auf den potentiellen "Zustupf" von 100 Millionen Franken, die die Provider bei einem Entscheid zu Gunsten von FWS hätten entrichten müssen. Zumindest gemäss einer Schätzung von Künzler. "Eine Rückforderung der Rabatte würde die Provider im Wettbewerb mit den alternativen Breitbandtechnologien empfindlich schwächen", schreibt FWS im Brief. Es scheint fast so, als habe Swisscom im Sinne des Konkurrenzkampfes mit Kabelanbietern den ADSL-Providern helfen wollen.
Der Verzicht von FWS sei allerdings nicht rechtsverbindlich, so Künzler. Von der Weko wird wohl mindestens eine Stellungnahme erfolgen. (mim)

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