Swisscom-Privatisierung: Gutbetuchte sagen Ja, arme Schlucker sagen Nein

27. April 2006, 11:37
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Gemäss einer Umfrage ist weniger als ein Drittel der Schweizer Bevölkerung für eine Privatisierung. Swisscom-Chef Schloter überrascht dies nicht.

Gemäss einer Umfrage ist weniger als ein Drittel der Schweizer Bevölkerung für eine Privatisierung. Swisscom-Chef Schloter überrascht dies nicht.
Über die Hälfte der Schweizer Bevölkerung ist gegen eine Privatisierung der Swisscom. Dies geht aus einer heute publizierten repräsentativen Umfrage der Wirtschaftszeitung 'Cash' hervor. Die im März vom Marktforschungsinstituts IHA-GfK telefonisch durchgeführte Umfrage widerspiegelt die momentane Stimmung zu diesem Thema in der Bevölkerung: Von den 500 befragten Personen im Alter zwischen 15 und 74 Jahren äusserten sich 56,2 Prozent gegen eine Privatisierung, nur 28,4 Prozent waren dafür. 15,4 Prozent der Befragten waren unentschlossen.
Dabei ist nicht ganz klar, ob die Unentschlossenen sich tatsächlich noch nicht entschlossen haben, oder vielmehr nicht recht wissen, worum es eigentlich geht. "Die Befragten wissen gar nicht, was eine Privatisierung der Swisscom konkret für sie bedeutet. Es besteht ein hoher Informationsbedarf" lässt sich Ruedi Kaufmann von IHA-GfK in der Zeitung zitieren.
Zu bemerken ist, dass Top-Verdiener (Salär über 15'000 Franken) die Privatisierung zu 53,9 Prozent befürworten, während es bei Personen, die weniger als 3000 Franken verdienen, nur gerade 13,6 Prozent sind. Die grösste Ablehnung (65,9 Prozent gegen Privatisierung) verzeichnete die Gruppe von Personen, die 3000 bis 4500 Franken im Monat verdienen.
"Wir sind tendenziell die Verlierer"
Vom Ergebnis dieser Umfrage zeigte sich Swisscom-CEO Carsten Schloter im 'Cash'-Interview wenig überrascht. "Auf Grund der Schlagzeilen der letzten Wochen war das abzusehen. Momentan findet eine sehr ideologische Debatte statt. Einen wirklichen Dialog gab es bisher nicht." Er sei gespannt, ob das so weitergeht oder ob es zu einer Versachlichung kommen wird. Schloter kam erneut auf die Frage nach dem Imageschaden für die Swisscom zu sprechen: "Im Augenblick sind wir tatsächlich tendenziell die Verlierer." Er bemängelte, dass von Politikern Begriffe wie "Klumpenrisiko" gebraucht oder Vergleiche mit der Swissair angestellt würden. "Das ist aus meiner Sicht nicht fair. Das entspricht keineswegs dem, was die Swisscom heute ist", so Schloter im Interview.
Was die Bussendrohung durch die Weko (Wettbewerbskommission) angeht, sagte Schloter, die Swisscom werde zum Verfügungsantrag bis am 22. Mai Stellung nehmen können. Danach werde eine Anhörung folgen. Nach der eigentlichen Verfügung werde die Swisscom bei der Rekurskommission für Wettbewerbsfragen Beschwerde einlegen, sagte Schloter. (mim)

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