Swisscom senkt Preis für "letzte Meile"

17. März 2008, 10:46
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Von 31 Franken auf (vorerst?) 23.50. Für Sunrise geht die Preissenkung noch zuwenig weit. Die endgültige Entscheidung liegt bei der ComCom.

Von 31 Franken auf (vorerst?) 23.50. Für Sunrise geht die Preissenkung noch zuwenig weit. Die endgültige Entscheidung liegt bei der ComCom.
Die Swisscom hat den Preis, den sie von anderen Telekommunikationsunternehmen für eine "entbündelte" Teilnehmeranschlussleitung (TAL) verlangt, rückwirkend per 1. Januar 2008 von monatlich 31 auf 23.50 Franken (ohne Mehrwertsteuer) gesenkt. Auf Basis der entbündelten TALs können anderer Telcos den Kunden selbst gestaltete Telefonie- und Internet-Service-Produkte anbieten.
Das revidierte Fernmeldegesetz, das die Entbündelung der letzten Meile im Festnetz verlangt, trat vor knapp einem Jahr in Kraft. Die Swisscom hat den bisherigen Preis nach eigenen Angaben aufgrund der von der Eidgenössischen Kommunikationskommission (ComCom) und vom Bundesgericht genehmigten Eckwerte für die Preisberechnung nach der "LRIC"-Methode ("Long Run Incremental Cost") festgelegt. Andere Schweizer Telcos hatten aber gegen die Höhe des Preises protestiert. Im Dezember hat die ComCom in Rahmen des laufenden Interkonnetionsverfahrens einige Eckwerte geändert. So wurde zum Beispiel die Abschreibungsdauer für Kabelkanalisationen von 20 auf 40 Jahre verdoppelt. Die Preisberechnung nach der LRIC-Methode hat gemäss Swisscom das Ziel, Investitionen zu fördern und Anbieter, die in eigene Netze investieren, nicht zu benachteiligen. Dabei wird im Prinzip versucht, die Kosten abzubilden, die ein effizienter Anbieter hätte, der das Netz neu bauen würde.
Mit der Preisenkung berücksichtige man nun diese neuen Eckwerte, und hoffe, dass "mit dem gewählten Vorgehen die Akzeptanz des bestehenden Regulierungsregimes in Politik und Wirtschaft steigt", so die Swisscom. Der definitive Preis, der den Selbstkosten ensprechen soll, wird allerdings von der ComCom festgelegt werden. Die Entscheidung darüber dürfte im Sommer fallen.
Ausserdem hat der grösste Schweizer Telco einen "runden Tisch" eingesetzt, um mit den interessierten alternativen Anbietern "die noch offenen operativen Fragen rund um die Entbündelung innerhalb der Branche anzugehen und zu lösen." Der runde Tisch wurde gemäss Swiscom vergangene Woche zum ersten Mal einberufen.
Sunrise noch nicht zufrieden
Der zweitgrösste Schweizer Telekommunikationskonzern sunrise sei allerdings, wie die Sunrise-Sprecherin Sevgi Gezici gegenüber inside-it.ch erklärte, nicht zu diesem runden Tisch eingeladen worden. Deshalb sei auch niemand von Sunrise bei der ersten Sitzung anwesend gewesen.
Die nun beschlossene Preissenkung der Swisscom geht für Sunrise "in die richtige Richtung", aber noch nicht weit genug, so Gezici. Auch der neue Preis liege noch über dem EU-Durchschnitt - nach der Meinung von Sunrise müsste der Schweizer TAL-Preis in der Nähe dieses Durschnitts liegen. Gezici bemängelt ausserdem im Namen von Sunrise die "Intransparenz" der Swisscom'schen Preisgestaltung: "Wir wüssten immer noch gerne, wie sich dieser Preis eigentlich genau zusammensetzt." Auch dass die Swisscom nun "auf öffentlichen Druck hin" diesen Preis so einfach habe senken können, sei ein weiteres Zeichen für die Intransparenz.
Swisscom räumt ein, dass der neue Preis von 23.50 Franken pro TAL ohne Berücksichtigung der Kaufkraft "etwas" höher liege als der europäische Durchschnittswert. Der wichtigste Grund dafür seien die hierzulande höheren Baukosten. Unter Einberechnung der Kaufkraft liege der Preis auf dem Niveau der umliegenden Länder. (Hans Jörg Maron)

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