Swisscom: Umsatz gesunken, Gewinn gestiegen

8. März 2006, 09:40
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Adrian Bult wird Chef von Swisscom Mobile, was eine grosse Rochade an der Spitze der Gruppengesellschaften aus.

Adrian Bult wird Chef von Swisscom Mobile, was eine grosse Rochade an der Spitze der Gruppengesellschaften aus.
Swisscom musste im letzten Jahr verglichen mit 2004 einen Umsatzrückgang um 3,2 Prozent auf 9,7 Milliarde Franken hinnehmen. Verursacht wurde dies gemäss Swisscom vor allem durch zwei einmalige Effekte: Den Verkauf der International Carrier Services an Belgacom und die Senkung der Terminierungsgebühren im Mobilfunk. (Wie "einmalig" der zweite Faktor ist, darüber lässt sich allerdings streiten. Die preise im Mobilfunk und damit auch die Terminierungsgebühren dürften in den nächsten Jahren auch weiter unter Druck geraten, zum Beispiel durch die neuen Möglichkeiten, auch handy-gespräche übers Internet zu führen.)
Ein Teil des Umsatzrückgangs wurde allerdings auch durch Wachstum in neuen Geschäftsfeldern kompensiert werden, zum Beispiel mit IT-Outsourcing, dem Festnetz-Breitbandgeschäft und dem Mobilfunk-Datengeschäft. Die Zahl der vond er Swisscom bereitgestellten ADSL-Anschlüsse stieg zum Beispiel auch letztes Jahr noch einmal um 36,9 Prozent und liegt jetzt bei 1,1 Millionen.
Ohne debitel mehr Gewinn
Mit dem Umsatz ging auch das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) zurück, um 4,9 Prozent auf 4,17 Milliarden Franken. Beim Reingewinn konnte die Swisscom aber trotzdem eine starke Zunahme verbuchen. Er stieg um 20,4 Prozent auf 2,35 Milliarden Franken (inkl. Minderheitsbeteiligungen). Zurückzuführen war dies vor allem auf tiefere Abschreibungen, ein höheres Finanzergebnis und den Wegfall des Verlustes, den früher die nun abgestossene Tochterfirma debitel verursacht hatte.
Die Zahl der Mitarbeitenden bei der Swisscom ist im letzten Jahr um 4 Prozent auf 16088 gestiegen. Das bedeutet aber nicht, dass die Stellenreduktionen durch die Schaffung neuer Stellen kompensiert wurden: Der Anstieg wurde vor allem durch die Übernahme von Antenna Hungaria (858 Vollzeitstellen) verursacht.
Neue Strategie mit drei Säulen
In den kommenden Jahren will die Swisscom nun, da die Möglichkeit, grössere Telcos im Auslan zu übernehmen wegfällt, eine neue Strategie mit drei "Säulen" fahren. Vorgesehen ist einerseits eine Stärkung des Kerngeschäfts mit einem umfassenden Angebot von konvergenten Multimediadiensten und einem "Top-Kundenservice". Die zweite Säule ist die Erweiterung der Aktivitäten im Markt für Geschäftskunden. Swisscom will unter anderem verstärkt im Outsourcing-Markt mitmischen und verstärkt internationale Hunden ins Visier nehmen. Der dritte Aspekt der neuen Strategie ist eine Expansion in neuen Wachstumsgebieten, die für die Swisscom nahe liegen, aber wo sie noch keinen grossen Marktanteil hat. Ein gutes Beispiel dafür sind die Kürzlich vorgenommenen Investitionen in die Telemedizin. Vor allem auf diesen gebieten könnte die Swisscom auch im Ausland aktiv werden – Auslandsinvestitionen in Bereichen, die nicht zur Grundversorgung gehören, sind der Swisscom vom Bundesrat ja noch erlaubt.
Grosse Personalrochade
Der Aufstieg von Carsten Schloter zum CEO von Swisscom hat einen grossen Sesselwechsel im Management der Swisscom Gruppengesellschaften zur Folge. Adrian Bult, der bisherige CEO von Swisscom Fixnet, übernimmt den ehemaligen Posten von Schloter als Chef des Mobilfunkgeschäfts. Neuer Chef von Swisscom Fixnet wird der bisherige Finanzchef der Swisscom AG (und frühere CEO von Cablecom) Ueli Dietiker. Dessen Posten wiederum wird neu von Mario Rossi besetzt, dem bisherigen Finanzchef von Swisscom Fixnet.
Ausserdem verlässt René Fischer, der bisherige CEO von Swisscom Solutions, das Unternehmen, gemäss Swisscom "im gegenseitigen Einvernehmen und mit dem besten Dank des Verwaltungsrates und des CEOs". Sein Job geht an Urs Schaeppi, den bisherigen Verantwortlichen Commercial Business bei Swisscom Mobile. (Hans Jörg Maron)

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