Swisscom-Verwirrung: Hightechland Schweiz statt Geld verteilen

2. Dezember 2005, 18:22
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Und hier noch unser Freitagabend-Kommentar

Und hier noch unser Freitagabend-Kommentar
Von 7,3 Milliarden Umsatz von Swisscom in den ersten neun Monaten dieses Jahres blieben 3,272 Milliarden Franken als operativer Gewinn hängen. Solche Erträge können nicht aus einer normalen Geschäftstätigkeit eines Unternehmens stammen. Umsatzrenditen von fast 50 % kennt man sonst aus dem Drogen-, Waffen- und Rohstoffhandel, oder dann weisen sie auf Monopolgewinne hin. Die Forderung nach einer Privatisierung der Swisscom ist deshalb logisch. Erstens möchten "alle" an diese Gewinne heran und zweitens ist es auch ziemlich sinnlos, zusätzlich zu einer Gebühr für die Dienstleistung "Telefonieren" auch noch Monopol-Steuern auszurichten. Zudem ist der Bund als Hauptaktionär der Swisscom in verschiedenen Rollen gefangen. Er will Geld sehen, sollte gleichzeitig die Grundversorgung garantieren und zusätzlich als Regulator noch für freie Marktwirtschaft sorgen. Also weg mit den Swisscom-Aktien, an die Börse damit, ins Ausland wenn's sein muss. Wirklich?
Wem gehört Swisscom?
Doch auch die Privatisierungs-Gegner haben gute Argumente, auch wenn Sie sie – liebe LeserInnen aus der ICT-Industrie – vielleicht nicht so gerne hören. Da wäre mal die Gerechtigkeit – kein ökonomischer aber ein politischer Begriff. Die Swisscom-Frage ist reine Politik. Der Wert der Swisscom liegt in der (flächendeckenden) Infrastruktur und im Know-how der Mitarbeitenden. Finanziert wurde dieser Wert durch unsere Grosseltern, Eltern und durch uns selbst, in dem wir jahrzehntelang zuviel für's Telefonieren bezahlten. Wie man den Wert der Swisscom misst, ist höchst unklar. Durch die Börse? Durch künftige Erträge (wer kennt die schon – Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen)? Durch das Verhandlungsgeschick von Bundesrat Merz (please not!)?
Ein alternatives Szenario
Anstatt die Swisscom nun möglichst teuer (Szenario Merz) oder möglichst billig (Szenario Blocher) zu verkaufen oder dann die Swisscom-Infrastruktur durch radikale Entbündelung an US Risikokapitalisten (TDC) und den französischen Staat (Orange) zu verschenken, liesse sich auch ein anderes Szenario vorstellen.

  1. Swisscom geht (bleibt) in Staatsbesitz.
  2. Geld für eine "Hunter-Strategie" im Ausland bleibt damit nicht mehr.

"Planwirtschaftlicher Unsinn" sagen Sie? "Neosozialistische Träumereien"? Dann schauen Sie doch mal, wie die Hightech-Industrien in Taiwan und Korea aufgebaut wurden (und werden). (Redaktion)

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