Swisscom will angeblich acht Milliarden in Fibre-to-the-Home stecken

16. Juni 2008, 13:13
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Ausgerechnet vor versammelter Konkurrenz soll Swisscom-Chef Carsten Schloter die Absicht verkündet haben, in den nächsten fünf Jahre Riesensummen in den Ausbau der Glasfaseranschlüsse für Haushalte zu stecken. Warum?

Ausgerechnet vor versammelter Konkurrenz soll Swisscom-Chef Carsten Schloter die Absicht verkündet haben, in den nächsten fünf Jahre Riesensummen in den Ausbau der Glasfaseranschlüsse für Haushalte zu stecken. Warum?
Acht Milliarden Franken will Swisscom in den nächsten fünf Jahren angeblich in breitbandige Internet-Anschlüsse über Glasfaserkabel in der Schweiz investieren. Swisscom-Chef Carsten Schloter habe dies am "1. Schweizer Glasfasergipfel" vor der versammelten Konkurrenz angekündigt, berichtete gestern die 'SonntagsZeitung'. Die Kommunikationskommission (ComCom) unter Marc Furrer hatte vorletzte Woche die Chefs von 12 Telcos zu einem runden Tisch geladen, um die Erschliessung der Haushalte mit Glasfasern zu diskutieren.
Swisscom plane, so die 'SonntagsZeitung' weiter, gleich vier Glasfasern in die Haushalte zu legen. Drei davon sollten separat mit TV, Telefonie und Internet belegt werden, die vierte könnte an weitere Dienstleister vermietet werden.
"Swisscom will Monopol schützen"
Swisscom besitzt heute das am weitesten ausgebaute Glasfasernetz in der Schweiz. Was fehlt, sind die Anschlüsse von den in Strassen verlegten Kabelkanälen in die einzelnen Häuser und von dort in die Wohnungen. "Mit der Investition in die Hausanschlüsse über Glasfasernkanäle will Swisscom ihr Monopol schützen," sagt ein Insider gegenüber inside-it.ch. Dieses Monopol, nämlich die Erschliessung der Haushalte mit Telefon-Kupferdrähten, über die Swisscom dank dem Glasfasernetz zwischen den Telefonzentralen sehr schnelle Internet-Verbindungen herstellen kann, droht verloren zu gehen. Verloren ginge das Monopol, wenn unabhängige Drittanbieter wie etwas die lokalen und kantonalen Elektrizitätswerke massenhaft Glasfaseranschlüsse in die Haushalte legen würden und diese anderen Telcos weitervermieten würde. So bietet etwa Swisscom-Konkurrent Orange seit Anfang Monat in Zürich Kommunikations- und Internet-Dienste über die Glasfasern des EWZ in Zürich an.
Wenn nun Swisscom möglichst rasch viele Haushalte (die acht Milliarden Franken würden wohl lange nicht für alle Haushalte reichen) mit Glasfasern an das eigene Netz anbinden würde, hätte der Ex-Monopolist wieder eine hervorragende Ausgangslage. Die bereits getätigten Investitionen in ein schweizweites Glasfasernetz zwischen Telefonzentralen wären geschützt und gleichzeitig würde es für Konkurrenten wie Kabel-TV-Firmen und EWs weniger attraktiv, die Haushalte selbst mit ultra schnellen Glasfaserverbindungen anzuschliessen.
Netzgesellschaft oder Schachtgesellschaft?
Entsprechend stehen sich heute auf politischer Ebene zwei Vorschläge gegenüber. Swisscom schlägt vor, die Baukosten für Kabelkanäle zwischen Strasse und Haushalte ("letzter Meter") zu teilen. Mit dem Vorschlag will Swisscom verhindern, dass die Glasfaseranschlüsse nachträglich "entbündelt" werden.
Anders sehen dies die meisten Swisscom-Konkurrenten: Die Stromproduzenten wollen ein eigenes, "neutrales" Glasfasernetzwerk bis hin die Haushalte bauen, (Christoph Hugenschmidt)

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